Stuttgart - Verdienen die Theaterintendanten, was sie verdienen? Sind Bezahlung, Vertragsgestaltung und Personalauswahl transparent genug? Zu der vom Landesrechnungshof angestoßenen Debatte äußert sich der für Kunst zuständige Staatssekretär im Wissenschaftsministerium Jürgen Walter (Grüne):
Herr Walter, Sie verdienen als Staatssekretär deutlich weniger als die künstlerischen Intendanten der Stuttgarter Staatstheater. Sind die Politiker unter- oder die Intendanten überbezahlt?
Die Frage stellt sich so nicht. Politikergehälter sind festgelegt, Intendantengehälter regelt der Markt. Vielmehr stellt sich die Frage, wie viel unserer Gesellschaft die Kultur wert ist. Derzeit geben wir nur ein Prozent unseres Haushalts in Baden-Württemberg für Kultur aus. Dies ist sicher nicht zu viel, sondern eher zu wenig. Deshalb hat die neue Landesregierung in diesem Jahr den Kulturetat erhöht. Dafür bekommen wir aber auch sehr gute Qualität. Wir wollen weiterhin in der Stuttgarter Zeitung so euphorische Kritiken wie die über Jossi Wielers Inszenierung von Bellinis "Die Nachtwandlerin" lesen. Dafür bedarf es großartiger Intendanten. Und die gibt es nun mal nicht als Schnäppchen. Aber vergessen wir nicht: wir bezahlen unsere Intendanten im deutschlandweiten Vergleich nur durchschnittlich.
Der Rechnungshof kritisiert, dass der Abstand zwischen Führungspersonal und Mitarbeitern bei den Theatern besonders hoch ist. Können Sie die Bezahlung der Intendanten auch vor - zum Beispiel - den Garderobefrauen vertreten?
Stadt und Land sind nur für die Intendantengehälter zuständig, den Rest müssen die Tarifparteien autonom regeln.
Gerade die Grünen galten als Anwälte der Alternativkultur, die zum Teil mit sehr wenig Geld auskommen muss. Stimmen die Relationen zu den Staatstheatern da noch?
Diese Diskussion scheint mir obsolet. Sowohl Sozio- als auch Spitzenkultur haben ihre jeweils wichtige Funktion und Bedeutung. Wir werden daher auch zukünftig beides fördern. In diesem Jahr bekommt die Soziokultur endlich die längst versprochene Förderung, die die Vorgängerregierung zwar versprochen, aber nie eingelöst hat. Darüber hinaus wird beispielsweise das Ensemble von Eric Gauthier im Stuttgarter Theaterhaus in diesem Jahr erstmalig institutionell gefördert.
Bei den Unternehmen von Stadt und Land werden die Spitzengehälter zunehmend offengelegt. Warum nicht auch bei den Theatern, die zu 80 Prozent von Steuergeldern leben? Gerade die Grünen versprechen doch sonst überall größtmögliche Transparenz.
Natürlich stehen wir für Transparenz, aber immer unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte. Wir unterscheiden logischerweise zwischen Sach-und Verfahrensangelegenheiten auf der einen sowie Personalangelegenheiten auf der anderen Seite. Übrigens: wer in den Haushalt des Landes oder den Wirtschaftsplan des Stuttgarter Staatstheaters schaut, wird feststellen, dass die Gehälter der Intendanten in ihrer Gesamtsumme veröffentlicht sind.
