| Zeitungsgruppe Stuttgart |Donnerstag, 23. Februar 2012
Baden-Württemberg
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Interview mit dem Kunststaatssekretär "Gute Intendanten gibt es nicht als Schnäppchen"

Andreas Müller, vom 29.01.2012 12:20 Uhr
Transparenz ja, aber in Grenzen – das ist die Botschaft von Jürgen Walter. Foto: Heiss
Transparenz ja, aber in Grenzen – das ist die Botschaft von Jürgen Walter. Foto: Heiss
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Stuttgart - Verdienen die Theaterintendanten, was sie verdienen? Sind Bezahlung, Vertragsgestaltung und Personalauswahl transparent genug? Zu der vom Landesrechnungshof angestoßenen Debatte äußert sich der für Kunst zuständige Staatssekretär im Wissenschaftsministerium Jürgen Walter (Grüne):

Herr Walter, Sie verdienen als Staatssekretär deutlich weniger als die künstlerischen Intendanten der Stuttgarter Staatstheater. Sind die Politiker unter- oder die Intendanten überbezahlt?

Die Frage stellt sich so nicht. Politikergehälter sind festgelegt, Intendantengehälter regelt der Markt. Vielmehr stellt sich die Frage, wie viel unserer Gesellschaft die Kultur wert ist. Derzeit geben wir nur ein Prozent unseres Haushalts in Baden-Württemberg für Kultur aus. Dies ist sicher nicht zu viel, sondern eher zu wenig. Deshalb hat die neue Landesregierung in diesem Jahr den Kulturetat erhöht. Dafür bekommen wir aber auch sehr gute Qualität. Wir wollen weiterhin in der Stuttgarter Zeitung so euphorische Kritiken wie die über Jossi Wielers Inszenierung von Bellinis "Die Nachtwandlerin" lesen. Dafür bedarf es großartiger Intendanten. Und die gibt es nun mal nicht als Schnäppchen. Aber vergessen wir nicht: wir bezahlen unsere Intendanten im deutschlandweiten Vergleich nur durchschnittlich.

Der Rechnungshof kritisiert, dass der Abstand zwischen Führungspersonal und Mitarbeitern bei den Theatern besonders hoch ist. Können Sie die Bezahlung der Intendanten auch vor - zum Beispiel - den Garderobefrauen vertreten?

Stadt und Land sind nur für die Intendantengehälter zuständig, den Rest müssen die Tarifparteien autonom regeln.

Gerade die Grünen galten als Anwälte der Alternativkultur, die zum Teil mit sehr wenig Geld auskommen muss. Stimmen die Relationen zu den Staatstheatern da noch?

Diese Diskussion scheint mir obsolet. Sowohl Sozio- als auch Spitzenkultur haben ihre jeweils wichtige Funktion und Bedeutung. Wir werden daher auch zukünftig beides fördern. In diesem Jahr bekommt die Soziokultur endlich die längst versprochene Förderung, die die Vorgängerregierung zwar versprochen, aber nie eingelöst hat. Darüber hinaus wird beispielsweise das Ensemble von Eric Gauthier im Stuttgarter Theaterhaus in diesem Jahr erstmalig institutionell gefördert.

Bei den Unternehmen von Stadt und Land werden die Spitzengehälter zunehmend offengelegt. Warum nicht auch bei den Theatern, die zu 80 Prozent von Steuergeldern leben? Gerade die Grünen versprechen doch sonst überall größtmögliche Transparenz.

Natürlich stehen wir für Transparenz, aber immer unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte. Wir unterscheiden logischerweise zwischen Sach-und Verfahrensangelegenheiten auf der einen sowie Personalangelegenheiten auf der anderen Seite. Übrigens: wer in den Haushalt des Landes oder den Wirtschaftsplan des Stuttgarter Staatstheaters schaut, wird feststellen, dass die Gehälter der Intendanten in ihrer Gesamtsumme veröffentlicht sind.

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Kommentare (7)
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JAN
31
00:24 Uhr, geschrieben von Yvonne de Frey
Die abgehobene Arroganz der Macht.
Wenn ich dieses selbstgefällige, abgehobene, realitätsferne Abwimmelungsgeschwafel des grünen Kulturfunktionärs höre, wird mir übel. Dass Grüne keine besseren Menschen sind, war mir immer schon klar. Dass aber jeder Anspruch, den man sonst hochspurig an politisch Handelnde, Lehrer oder an Unternehmer stellt, im Falle der Intendanten nun aber flugs über Bord geworfen wird, um ganz gewiss als modern und kreativ zu scheinen, lässt einen am Verstand der neuen Machthaber zweifeln.
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JAN
30
15:45 Uhr, geschrieben von Justus M.
abgehobene illustre Gesellschaft
Warum zahlt die Stuttgarter Schickeria ihre Intendanten nicht selbst? Weshalb denn auf jede Karte des Staatstheaters (Oper, Ballett und Schauspiel) vom Staat über 120 Euro draufgezahlt werden? Wer bestimmt, was da gut und was schlecht sei, etwa tausende von Freikarten für die Entscheidungsträter? Weshalb glauben manche, das habe noch etwas mit Kultureller Werthaltigkeit zu tun? Ich zweifle doch sehr daran, dass diese illustre Luxus-Gesellschaft in der Lage ist, Qualität und Kunst wirklich zu erkennen. Wer hört und erklärt mir den feinen Unterschied ohne sich jämmerlich zu täuschen und zu blamieren. Diese möchte-gerne-Kultur-Eliten folgen ebenso naiv wie blind den Ritualen, den Trends und den Marktschreiern. Sie laufen dabei achtlos an den aktuellen und lebendendigen Kulturkreativen vorbei, sozusagen an den heutigen van Goghs. Denn unerhört Kreative komponieren Musik für die leider weder Bühnen noch Gage gibt. Das Geld dafür wurde bereits verprasst.
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JAN
30
13:48 Uhr, geschrieben von Stephan
Grüne Stadtschickeria und Zeitgeist-Proleten.
Die grüne Stadtschickeria und "Kulturschaffende" haben noch nie ein Problem damit gehabt, den Intendanten überzogene Gehälter auf Kosten des Steuerzahlers zuzuschanzen. Dafür wird aber ein gewisses Maß an Entgegenkommen für den "Widerstandskampf" gegen S21 sowie ein sattelfestes Auftreten in Sachen städtische Urbanität und Zeitgeist-Aktivitäten erwartet.
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