| Zeitungsgruppe Stuttgart |Sonntag, 12. Februar 2012
Stuttgart
Artikel weiterempfehlen

Interview mit der Elternvertreterin Sevim Calayir "Der Frust der Eltern ist gewaltig"

Thomas Faltin, vom 04.02.2010 12:49 Uhr
 Foto: Steinert
Foto: Steinert
Stuttgart - Viele Kindertagesstätten in Stuttgart werden am Donnerstag bestreikt. Die Elternvertreterin Sevim Calayir kritisiert Verdi deswegen scharf.

Frau Calayir, die Kindertagesstätten werden am Donnerstag zum dritten Mal in drei Jahren bestreikt - geht Ihnen langsam der Hut hoch?


Allerdings. Wir Eltern haben kein Verständnis mehr, dass die Kindertagesstätten so häufig in die Tarifauseinandersetzungen des öffentlichen Dienstes einbezogen werden. Wir wünschen uns ganz klar, dass die Kitas in Stuttgart von Warnstreiks oder richtigen Streiks verschont bleiben. Stuttgart hat genug abbekommen in den vergangenen Jahren, und der Frust der Eltern ist schon gewaltig.

Hat Verdi Sie denn direkt informiert?


Ein Vertreter der Gewerkschaft ist tatsächlich zu uns in die Sitzung des Gesamtelternbeirates gekommen und hat uns die Streikpläne vorgestellt. Die Gewerkschaft war dieses Mal sehr bemüht, uns frühzeitig einzubinden - das ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber den letzten Streiks. Verdi ist anscheinend lernfähig.

Vielleicht haben die Gewerkschafter auch nur ein schlechtes Gewissen.


Ich denke, dass den Streikplanern bei Verdi dieses Mal bewusst ist, wie sehr sie gerade die Eltern mit den Warnstreiks belasten und dass sie den Bogen nicht überspannen dürfen. Aus diesem Grund hoffen wir darauf, dass die Gewerkschaft die Kitas von der Front zurücknimmt, wenn es zu weiteren Streiks kommen sollte. Verdi hat für diesen Fall zumindest weitere Gespräche zugesagt.

Haben Sie einen Überblick, wie viele Kindertagesstätten in Stuttgart geschlossen sein werden.


Nein, das hat niemand. Ich dachte eigentlich, dass sich in diesem Jahr weniger Erzieherinnen beteiligen würden. Aber nach den derzeitigen Rückmeldungen ist die Streikbereitschaft doch recht hoch.

Bringen sich die Eltern an diesem Donnerstag bei der Betreuung der Kinder ein?


Vorerst nicht. Bei einem längeren Streik ist uns wichtig, dass die Kinder ihren gewohnten Rhythmus beibehalten können. Da erwarten wir Einsatz von den Erzieherinnen, bringen uns notfalls aber mit ein.

Die Erzieherinnen fordern eine leistungsgerechte Bezahlung. Können Sie das verstehen?


Wir haben immer gesagt, dass wir hinter den Forderungen der Erzieherinnen stehen. Diese Mitarbeiterinnen erfüllen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und werden dafür nicht gerecht entlohnt. So setzen wir uns dafür ein, dass Stuttgart einen Ortszuschlag bezahlt. Es darf aber nicht sein, dass die Eltern letztlich eine solche Lohnerhöhung bezahlen, indem die Stadt Stuttgart die Gebühren heraufsetzt.

Und wer betreut Ihre Kinder an diesem Donnerstag?


Ich habe Glück - die Erzieherinnen in der Kita meiner Kinder haben einstimmig beschlossen, dass sie nicht streiken werden.
Weitere Artikel
Kommentare (0)
Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
 
Anzeige
 

Sie suchen ein neues Zuhause?

Wir haben Sie alle! Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus. In Baden-Württembergs bedeutendstem Immobilienmarkt finden Sie Angebote aus Stuttgart, der Region und dem Rest der Republik.
zur Immobiliensuche
 
StZ digital
Stuttgarter Zeitung digital
Die gedruckten Ausgaben im Originallayout.

 
 
ePress App
Genießen Sie Ihre Stuttgarter Zeitung auch auf dem iPad.
 
 
Abonnement-Prämien
Werben Sie einen Freund als Abonnent der Stuttgarter Zeitung. Für jede Empfehlung erhalten Sie eine Prämie aus unserem Shop.
Abonnement
 
Lieferservice für Stuttgart