Interview mit einem chinesischen Künstler Das Leben in der Diktatur
Bernhard Bartsch, 13.03.2010 09:31 Uhr
Ai Weiwei gilt als bedeutendster chinesischer Gegenwartskünstler. Foto: dpa
Ai Weiwei gilt als bedeutendster chinesischer Gegenwartskünstler. Foto: dpa


Das Wort "Vorbild" reicht bei Ihrer Popularität fast gar nicht mehr aus. Im chinesischen Internet haben Sie eine riesige Gefolgschaft, die täglich in ihren Blogeinträgen und Tweets nach Orientierung im Umgang mit der Welt suchen. Manche sehen Sie regelrecht als Messias. Ist das nicht ein ungeheurer Druck?


Nein, ich spüre keinen Druck. Ich gehe mit Problemen einfach so um, wie ich es gelernt habe. Viele junge Menschen sehnen sich nach jemandem, der unabhängig denkt, eigene Ansichten hat und trotzdem überleben kann. Unsere Aktionen geben ihnen Hoffnung.

Ihre Anhänger sind größtenteils jung, und obwohl Sie 1957 geboren sind, bezeichnen Sie sich selbst gerne als Angehörigen der Nach-Achtziger-Generation. Warum?


Weil die Nach-Achtziger in China die erste Generation sind, die aktiv das Internet benutzen und somit wirklich menschlich leben können. Meine Definition vom Menschen ist, dass man frei seine Informationen erwerben, seine Wissensstruktur aufbauen und seine Meinung ausdrücken kann. Den älteren Generationen wurde das auf schlimmste Weise verwehrt. Ich verbringe meine Zeit inzwischen zum größten Teil im Internet, mindestens acht Stunden am Tag, manchmal 24. Denn durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur - dessen muss man sich als Künstler immer bewusst sein.
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