Interview mit Frank Lutz "Chinesen werden Konkurrenten"
Harry Pretzlaff, 06.09.2010 06:56 Uhr
Bis zum Ende des Jahres soll die Kurzarbeit in den MAN-Fabriken beendet sein. Foto: AP
Bis zum Ende des Jahres soll die Kurzarbeit in den MAN-Fabriken beendet sein. Foto: AP
""Alle Lastwagenhersteller fahren die Produktion deutlich hoch.""
MAN-Finnzvorstand Lutz zur Lage der Branche

Stuttgart - Im Gegensatz zu Daimler, dem größten Nutzfahrzeughersteller der Welt, hatte MAN in der Vergangenheit vor allem Europa im Blick. Doch nun wollen auch die Münchner zu einem Global Player werden und vor allem in Brasilien, Russland, Indien und China kräftig mitmischen. Frank Lutz, der Finanzvorstand des Münchner Konzerns, sieht gute Chancen in diesen Zukunftsmärkten. In Brasilien ist das Unternehmen bereits Marktführer.

Welches Signal wird von der Nutzfahrzeugmesse IAA in Hannover ausgehen, die in wenigen Wochen ihre Pforten öffnet? Ist die schwerste Branchenkrise der Nachkriegszeit mittlerweile überwunden?


Ich würde noch nicht das Ende der Krise ausrufen, denn trotz hoher Zuwächse liegt die Produktion noch signifikant unter dem Niveau von 2007 und 2008. Aber die Lage hat sich deutlich entspannt. Die Branche kommt viel schneller aus der Krise, als es zum Jahresbeginn absehbar war. Alle Lastwagenhersteller fahren derzeit die Produktion deutlich hoch.

Wann wird der Einbruch wettgemacht sein und wieder das Niveau von 2008 erreicht?


Ich denke, dass 2008 die falsche Orientierung wäre, weil dies ein ganz außergewöhnliches Jahr war. Wir denken aber, dass wir 2012 oder 2013 zumindest wieder das Produktionsniveau von 2006 erreichen können.

MAN hat nach einem tiefen Absturz 2009 in den vergangenen Quartalen hohe zweistellige Zuwächse präsentiert. Der Auftragseingang bei den Nutzfahrzeugen legte im zweiten Quartal im Vergleich mit dem Vorjahr um 65 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu. Geht es im dritten Quartal in diesem hohen Tempo weiter?


Das dritte Quartal, in dem die Sommerferien liegen, ist traditionell etwas schwächer als das zweite. Deshalb rechnen wir nicht mit so hohen Zuwächsen wie im zweiten Quartal. Dennoch werden wir sehr deutlich wachsen, und zwar nicht nur beim Auftragseingang, sondern auch beim Umsatz.

Wie wirkt sich diese Belebung auf die Beschäftigung aus. Seit dem vergangenen Jahr gab es massive Kurzarbeit, und die Leiharbeiter mussten gehen. Werden nun wieder Leiharbeiter eingestellt?


So weit sind wir noch nicht. Wir werden jedoch im Laufe des Jahres die Kurzarbeit beenden. Im Motorenwerk Nürnberg sowie im österreichischen Steyr ist dies bereits erfolgt. In den Lkw-Werken München und Salzgitter werden wir die Kurzarbeit in den kommenden Monaten weiter deutlich verringern und bis zum Jahresende ganz auf null zurückfahren.

Kommentare (0)
Anzeigen