Interview mit Fredmund Malik
„Die Devise lautet: Rette deine Substanz“
Michael Heller,
28.01.2012 09:00 Uhr
Trotz aller Sorgen um Europa: die USA sind nach Maliks Ansicht schlimmer dran. Foto: StZ
Stuttgart - Am Montag steht der nächste EU-Gipfel bevor. Wieder versucht die Politik, die Staatsschuldenkrise zu überwinden. Der renommierte Unternehmensberater Fredmund Malik beobachtet die Versuche mit großer Skepsis.
Herr Professor Malik, wie viel Geld würden Sie darauf wetten, dass der Euro und die Eurozone in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung in zehn Jahren noch bestehen?
Darauf würde ich in der heutigen Situation gar nicht wetten. Ich würde im Gegenteil eher wetten, dass in zehn Jahren alles ganz anders aussieht. Nun muss man in der Tat zwischen dem Euro als Währung und der Eurozone unterscheiden. Dass die Eurozone sich vermutlich schon sehr rasch radikal ändern wird, darauf darf man ziemlich viel wetten. Aber der Euro als Währung kann durchaus sehr lange, möglicherweise sogar dauerhaft, bestehen bleiben.
Welche radikalen Änderungen der Eurozone meinen Sie? Denken Sie an einen Austritt Griechenlands?
Ja, unter anderem. Es geht in je unterschiedlichem Ausmaß um die südeuropäischen Länder, aber auch um Irland und die europäischen Oststaaten, deren Möglichkeit, sich selbst zu helfen, durch den Euro sehr stark limitiert ist.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt, wenn der Euro scheitert, dann scheitere Europa. Hat sie recht?
Nein, es kann ein kleineres Europa sein, das dann aber sehr viel stärker wäre. Ein Europa, das aus drei oder vier Kernländern bestünde, wäre ja noch immer ein Europa.
Wäre das Auseinanderbrechen der Eurozone eine Katastrophe? Würde Deutschland darunter besonders stark leiden?
Wenn es eine Katastrophe gibt, dann hat sie ihre Ursache in der Verschuldung, die letztlich auf amerikanisches Missmanagement zurückgeht. Einen Aspekt, der gegenwärtig nicht so im Vordergrund steht, darf man doch nicht vergessen: Europa hat zwar Probleme, aber Amerika hat die viel größeren. Was Deutschland betrifft, so hilft das Land jedem und allen. Das erwartet man von Deutschland, und Deutschland scheint Gründe zu haben, diese Erwartungen erfüllen zu sollen. Es werden jetzt allerdings alle Mittel verbraucht, die Deutschland selbst brauchen würde, um seine eigenen Leiden unter Kontrolle zu bringen.
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Deflation - wie lange noch ?
Eines muß klar sein - ewig wird die deflationäre Notenbankpolitik zur Erhaltung nationaler Macht nicht machbar sein. Die Zinsen der westlichen Länder haben teilweise den Nullpunkt erreicht. Mit der Eurokrise hat der große Vertrauensverlust begonnen. Wohin wird er führen ? Malik weist mit seiner Prognose, daß die Notenbanken allesamt verschwinden werden in diese Richtung.
Alle Währungen werten ab
An der Preisentwicklung bei den Rohstoffen kann man erkennen was Malik meint. Es ist zu viel (Schuld-)Geld im Umlauf als das dafür noch ein realer Gegenwert existieren kann. Und mit jedem "Hilfspaket", sprich neuen Schulden, nimmt der Geldwert ab. Das "Endspiel" wird auch in diesem Artikel sehr gut erklärt, Die „Reise nach Jerusalem“ Gewinner und Verlierer der Finanzmarktkrise http://www.faw-neu-ulm.de/reise-nach-jerusalem
Querdenken
Das Geld ist deshalb zu Hause gut aufgehoben, weil Sie für den gleichen Eurobetrag heute wesentlich mehr Realwerte kaufen können als vor wenigen Jahren: z.B. Immobilien in Amerika oder Spanien oder Griechenland. Das gleiche wird in Deutschland evtl. auch eintreten. Im übrigen: Sie können heute nur sich selbst vertrauen. Ob Wulff, Kretsch- oder Ackermann - diese Leute sorgen nur dafür, dass sie ihr eigenes Schäfchen ins Trockene bringen. Es kann also durchaus passieren, dass Ihre Hausbank für Ihr Erspartes nicht geradesteht... Für mich gehört dazu: Der schlimmste Ausbeuter Deutschlands (Schlecker) bekommt heute Geld von der Arbeitsagentur, damit seine Mitarbeiter ihren kärglichen Lohn bekommen!! Der Bürger auf der Straße muss für alles sein Portemonnaie hinhalten. Zuerst zu wenig Lohn, dann zu wenig Alg, dann zu wenig Rente.