Interview mit Hanna Rosin „Die haben sich einfach aufgegeben“

Damir Fras, 09.02.2013 15:57 Uhr
Das Ende der Männer“ – so heißt das aktuelle Buch der US-amerikanischen Publizistin Hanna Rosin. Ihre These: Frauen sind für sich wandelnde Zeiten besser gerüstet, und eigentlich brauchen sie Männer nicht. Was nicht bedeutet, dass ihr Leben leichter ist.
Frau Rosin, während Sie in Ihrem Buch „das Ende der Männer“ verkünden, diskutiert Deutschland über sexuelle Belästigung und darüber, ob sich Männer nie ändern werden. Leben wir in verschiedenen Welten?
Die Debatte über sexuelle Belästigung hat es in den USA schon in den 90er Jahren gegeben. Auslöser waren die Vorwürfe der ­Juraprofessorin Anita Hill gegen ihren früheren Kollegen Clarence Thomas. Als er in den Obersten Gerichtshof berufen werden sollte, erstattete sie Anzeige wegen sexueller Belästigung in der Zeit, als sie als Angestellte in seiner Kanzlei arbeitete. Auf Drängen von Feministinnen wurden danach in Firmen und Universitäten Richtlinien für sexuelle Belästigung aufgestellt. Ich glaube, seither ist das Flirten zwischen Menschen, die im Job nicht gleichgestellt sind, nicht mehr so einfach.

Laut Umfragen hat fast jede zweite deutsche Frau bereits Sexismus am Arbeitsplatz erlebt. Belegt das nicht, dass, entgegen den Thesen in Ihrem Buch, die alten Machtverhältnisse weiterhin bestehen? Sexismus hat ja meist mit Macht zu tun.
Aber Macht heißt doch auch, in der Lage zu sein, Avancen eines Mannes zurückzuweisen, ohne dafür ein Gesetz zu benötigen.

Mit den Männern geht es, so Ihre These, zu Ende. Ich bin ein Mann, was habe ich falsch gemacht?
Ich glaube nicht, dass Sie ernsthaft in Gefahr sind. Sie sind wahrscheinlich gut ausgebildet. Sie arbeiten in einem kreativen Beruf. Das schützt.

Da bin ich ja beruhigt.