Interview mit Judith Rakers "Man polarisiert sowieso"
Daniel Hackbarth, 03.09.2010 17:06 Uhr
Neuerungen ja, aber behutsam: Judith Rakers will nicht nur Promis als Gäste ihrer Talkshow. Foto: dpa
Neuerungen ja, aber behutsam: Judith Rakers will nicht nur Promis als Gäste ihrer Talkshow. Foto: dpa


Gibt es jemanden, den Sie besonders gerne einmal bei sich in der Sendung hätten?


Ich finde, es müssen nicht immer nur prominente Gesichter sein. Wenn ein Schauspieler schon in fünf anderen Talkshows war und immer dasselbe erzählt, hat das keinen Reiz mehr. Ich denke, man könnte beispielsweise junge Wissenschaftler einladen, die spannende Forschungsarbeiten vorweisen, die aber in der Öffentlichkeit kaum beachtet werden. Ich habe das der Redaktion schon vorgeschlagen; mal sehen, was daraus wird. Aber ich will die Sendung natürlich auch nicht revolutionieren.

Es gibt Kritiker, die sagen, dass von dem anarchischen Charme, der "3 nach 9" einst ausgezeichnet hat, nicht mehr viel übrig sei. Wie sehen Sie das?


Giovanni hat mir erzählt, dass man ihn schon vor zwanzig Jahren gefragt hat, warum die Sendung so verflacht sei.

Vielleicht liegt das daran, dass die Gäste und Moderatoren in den Fernsehtalkshows früher permanent vor laufender Kamera rauchten. Das ist heute undenkbar und wirkt im Rückblick nonkonformistisch.


Ich denke eher, dass man immer nur die Höhepunkte zeigt, wenn heute alte Folgen ausgestrahlt werden. So entsteht der Eindruck, dass die Sendung früher ein einziges Feuerwerk war.

Wann haben Sie denn das Gefühl, dass ein Gespräch besonders gut gelaufen ist?


Das kommt auf den jeweiligen Gast an. Und es kommt darauf an, in welchem Stadium sich die Sendung gerade befindet. Man muss darauf achten, genug Tempowechsel einzubauen, denn zwei Stunden können sehr lange sein. Dann muss man ein Händchen dafür haben, im richtigen Augenblick die richtige Frage zu stellen, um einen neuen Impuls zu setzen.

Und Sie können das?


Bei der Gastsendung hat es ja sehr gut funktioniert, es war eine lebhafte Runde. Wir hatten danach sehr viel positive Resonanz von den Zuschauern. Aber selbst wenn ein Gast die Lippen zupresst und schmollt, ist das für den Zuschauer ein Erkenntnisgewinn und interessant. Manche Kollegen übertreiben es allerdings mit dem Provozieren ein wenig, das gerät dann mehr zur Selbstdarstellung des Moderators.

Aber polarisieren wollen Sie schon?


Man polarisiert sowieso. Am besten ist es wohl, wenn sich der Zahl der Begeisterten und die der Kritiker in der Waage hält. Wenn man an Gefallsucht leidet, ist man sowieso falsch in diesem Beruf.
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