Interview mit Kevin Kuranyi "Meisterschaft ist noch weit weg"
Thomas Haid, 12.03.2010 07:07 Uhr
 Foto: AP
Foto: AP
""Im Moment plane ich gar nichts, außer eines: ich will mit Schalke in den nächsten Wochen weiter erfolgreich sein.""
Kevin Kuranyi

Stuttgart - Am Freitag trifft Kevin Kuranyi mit dem FC Schalke auf den VfB Stuttgart, für den er bis 2005 gespielt hat. Dennoch geht er die Partie emotionslos an.

Herr Kuranyi, in gut einem Monat beginnt die Freibadsaison in Stuttgart-Möhringen, wo Sie früher Stammgast waren. Haben Sie sich schon eine Dauerkarte gekauft?


Das ist eigentlich keine schlechte Idee. Aber ich fürchte, es würde sich nicht lohnen. Denn zum einen habe ich in nächster Zeit viel zu tun - und zum anderen ist die Strecke von Schalke aus doch recht weit.

Das heißt, Sie planen nicht, Ihren Lebensmittelpunkt im Sommer wieder in die alte Heimat zu verlegen und zum VfB zu wechseln?


Im Moment plane ich gar nichts, außer eines: ich will mit Schalke in den nächsten Wochen weiter erfolgreich sein.

Und danach verlassen Sie den Verein, da Ihr Vertrag im Juni endet?


Ich weiß heute noch nicht, was ich im Juni mache. Vielleicht bleibe ich auch. Ich habe da überhaupt keinen Druck. Es gibt keine Notwendigkeit, mich schon jetzt zu entscheiden. Das mache ich zu gegebener Zeit.

Wann ist das: zu gegebener Zeit?


Mal sehen, vielleicht erst, wenn die Saison in der Bundesliga vorbei ist.

Sie werden angeblich aber bereits von einigen Clubs heiß umworben. Vor allem Juventus Turin soll stark interessiert sein.


Sie sagen es richtig: angeblich soll das alles so sein. Da wird wild spekuliert. Ich habe keinen Kontakt zu Juve. Damit ist die Sache von meiner Seite aus erledigt.

Was für Juve gilt, das gilt auch für den AS Rom, Neapel, Sunderland und Manchester City, die ebenfalls angefragt haben sollen?


Genau.

Dann reden wir über Freitag. Sie treffen auf Ihren alten Club, den VfB Stuttgart. Ist das eine besondere Partie für Sie?


Ich bin nun schon fünf Jahre weg aus Stuttgart und habe bereits ein paar Mal gegen den VfB gespielt. Insofern ist das nichts Neues mehr für mich. Wichtig ist nur, dass wir gewinnen.

Das klingt emotionslos. Dabei sind Sie in Stuttgart doch nach wie vor verwurzelt.


Das stimmt, mit Cacau, Alexander Hleb oder dem Manager Horst Heldt habe ich sogar noch zusammengespielt. Mit einigen bin ich auch gut befreundet. Da werden wir uns nach dem Spiel sicher unterhalten. Auf dem Platz kann ich darauf allerdings keine Rücksicht nehmen.

Ihre Eltern und die Familie Ihrer Frau leben in Stuttgart. Sie sind ein bekennender Familienmensch. Kehren Sie spätestens nach der Karriere zurück?


Zunächst hoffe ich mal, dass meine Laufbahn noch ein paar Jahre dauert und ich noch länger mein Geld als Profi verdienen kann. Aber selbstverständlich kann es sein, dass ich danach wieder in Stuttgart lebe. Darauf läuft es hinaus.

Haben Sie geglaubt, dass der VfB nach dem Trainerwechsel von Markus Babbel zu Christian Gross so aufblühen wird?


Es war klar, dass die Mannschaft viel Qualität besitzt. Unter Markus Babbel konnte sie diese zuletzt leider nicht mehr entfalten. Christian Gross war der richtige Mann. Er hat anscheinend schnell einen Zugang zu den Spielern gefunden. Aber das ist ja nicht das erste Mal, dass sich ein solcher Effekt einstellt.

Auf Schalke ist etwas Ähnliches passiert, nachdem Felix Magath im Sommer das Kommando übernommen hat.


Der Trainer hat seine ganze Erfahrung eingebracht, vieles neu geordnet und umstrukturiert. Jetzt sind wir gut aufgestellt. Außerdem trainieren wir härter als zuvor und entwickeln uns ständig weiter. Die Mischung in der Mannschaft passt.

Also hat Felix Magath einen großen Anteil am Aufschwung.


Den größten. Er hat uns richtig fit gemacht und auch viele junge Spieler aufgebaut. Die haben dann ihre Chance genutzt. Das ist der Weg, genauso sieht die Zukunft von Schalke 04 aus.

In der Gegenwart hat Magath das Wort Meisterschaft zum Unwort erklärt.


Völlig zu Recht. Warum sollen wir plötzlich große Reden schwingen? Der Titel ist noch weit weg. Da sind uns andere voraus - Bayern München und auch Bayer Leverkusen. Wir wollen uns für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren, nicht mehr und nicht weniger.

Viele Experten behaupten, Sie seien im Augenblick in der Form Ihres Lebens. Sehen Sie das auch so?


Ich denke schon, dass ich noch einen Schritt nach vorne gemacht habe. Das ist jedoch auch eine Frage des Alters und der Routine, von der ich profitieren kann.

Sie haben jedoch auch einige persönliche Dinge umgestellt und sind beispielsweise in die Nähe der Schalker Arena gezogen.


Das meine ich ja. Ich konzentriere mich nun noch mehr auf Fußball. Früher ist bei mir viel Zeit für die Anfahrt und die Heimfahrt draufgegangen. Das ist jetzt anders - und das nutze ich, um an mir zu arbeiten und um meinen Körper zu pflegen.

Was ist angesichts dessen wahrscheinlicher: dass Schalke den Titel gewinnt oder dass Sie Torschützenkönig in der Liga werden?


Ich hoffe, dass wir unsere Ziele erreichen - mit Toren von Kevin Kuranyi.

In diesem Fall könnte Ihre WM-Teilnahme womöglich doch noch ein Thema werden.


Ich habe immer sehr gerne im Nationalteam gespielt. Mehr kann ich nicht sagen.

Joachim Löw hat Sie im Oktober 2008 ausgemustert, weil Sie in der Halbzeitpause gegen Russland Ihren Tribünenplatz verlassen haben und nach Hause gefahren sind. Hat sich der Bundestrainer in letzter Zeit mal wieder bei Ihnen gemeldet?


Nein. Ich kann nur noch einmal sagen, dass ich mein damaliges Verhalten sehr bedaure. Aber das weiß Joachim Löw bereits. Alles Weitere liegt nicht an mir.

Haben Sie während der Weltmeisterschaft schon Ihren Urlaub gebucht?


Nein, aber ich will jetzt an nichts anderes denken als an Schalke.

Zur Not können Sie die Sommerpause ja immer noch im Möhringer Freibad verbringen.


Dann kaufe ich mir eine Dauerkarte.

Das VfB-Spiel gegen Schalke 04 im Liveticker »
Kommentare (1)
Anzeigen
MRZ
12
McDick, 11:02 Uhr

gutes interview

gefällt mir sehr gut, das interview. scheinbar hat kevin auch was in sachen rhetorik dazugelernt. magath macht's möglich!