Interview mit Kunststaatssekretär Jürgen Walter An Kultur wird nicht gespart!
Tim Schleider, 13.12.2011 17:41 Uhr
Bei der Arbeit: Kunststaatssekretär Jürgen Walter von den Grünen Foto: Honzera
Bei der Arbeit: Kunststaatssekretär Jürgen Walter von den Grünen Foto: Honzera
"Vom Mond aus gesehen sind Ludwigsburg und Stuttgart ganz nah beieinander"
Über lokale Streitereien

Stuttgart - Der Landtag in Stuttgart entscheidet in dieser Woche über den Haushalt 2012. Die grün-rote Landesregierung will dabei die Kultur weiter stärken. Staatssekretär Jürgen Walter findet das keineswegs maßlos.


Herr Staatssekretär, im vergangenen Jahr um diese Zeit waren Sie noch kultur- und medienpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, machten Oppositionsarbeit und ärgerten sich, dass die Journalisten all das nicht gebührend würdigten. Ein Jahr später sitzen Sie als Staatssekretär im Mittnachtbau und gestalten gemeinsam mit der Ministerin Theresia Bauer die Kulturpolitik Baden-Württembergs. Freuen Sie sich noch oder arbeiten Sie schon?
Na ja, letztes Jahr im Advent gab es ja aufgrund der Meinungsumfragen schon sehr berechtigte Hoffnungen, dass bei den Landtagswahlen ein Machtwechsel in Baden-Württemberg möglich wäre, aber da mussten wir noch drum kämpfen. Seitdem wir nun dieses Ziel erreicht haben, ist die Freude groß, und die setzen wir umgehend in Arbeit um. Denn das Schöne ist ja jetzt, dass man nicht mehr in der Opposition Papiere ausarbeitet, sondern dass man richtig mitgestalten, eigene politische Akzente setzen kann.

Nun hatte die Kultur in Baden-Württemberg ja auch unter CDU-Führung immer einen guten Stand. Viele Kulturschaffende im Land mögen politisch den Grünen nahestehen, mit der CDU-Kulturpolitik waren sie aber zufrieden. Da gab es nach den Wahlen sogar Bedenken, ob Ihre Partei zur Hochkultur im Land überhaupt ein positives Verhältnis hat. Glauben Sie, dass es Ihnen schon gelungen ist, diese Bedenken auszuräumen?
Bei allem Respekt vor den Leistungen meiner Vorgänger, die Kulturpolitik der CDU für das Land Baden-Württemberg bedeutete ja schon seit geraumer Zeit vor allem Stillstand, und zwar keineswegs nur bei der Soziokultur, sondern gerade auch bei den großen Institutionen. Wo ich jetzt auch hinkomme und mit den Kulturvertretern ins Gespräch komme, ob in Karlsruhe oder in Mannheim, fast immer ist von dringend nötigen Investitionen die Rede, die jahrelang nicht vorankamen. Die insgesamt sehr positive Arbeit am Entwicklungskonzept „Kultur 2020“ der vorigen Landesregierung ist ja erst durch unsere Mitarbeit in der Opposition auf eine breite parlamentarische Basis gestellt worden. Und es sind wir, die jetzt die Mittel bereitstellen wollen, um die darin enthaltenen wichtigen Projekte in den nächsten Jahren auch zu verwirklichen; dafür hatte die CDU keine Finanzierung bereitgestellt und keine Vorschläge zur Umsetzung ausgearbeitet. Mein Eindruck ist, dass die Kulturschaffenden diesen frischen Wind bemerken. Und das Publikum wird es dann später in deren Programmen auch bemerken.

Die Kultur in Baden-Württemberg ist vielfältig und steht auch im Bundesvergleich sehr gut da. Trotzdem regnete es unlängst verwunderte bis hämische Kommentare in den Hauptstadtblättern, als Sie gemeinsam mit Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann den künftigen Schauspielintendanten Armin Petras präsentierten, der 2013 vom Berliner Gorki-Theater nach Stuttgart wechseln wird. Was muss die Landespolitik leisten, damit die Metropolen des Südwestens endlich ihr Provinzimage loswerden?
Offen gestanden, dieser Fall zeigt doch allenfalls, dass im Zweifel nicht bei uns im Südwesten, sondern in Berlin provinziell gedacht wird. Dass das Schauspiel in Stuttgart eine lange und ruhmreiche Tradition hat, dass hier in den letzten Jahrzehnten eine Reihe der wichtigsten Intendanten im deutschsprachigen Raum tätig waren, das sollte dem Kulturinteressierten eigentlich sogar in Berlin schon mal zu Ohren gekommen sein. In der aktuellen Theaterszene der Hauptstadt sehe ich persönlich gerade zwei interessante Intendanten: Ulrich Khuon am Deutschen Theater und Armin Petras am Gorki-Theater. Ulrich Khuon stammt hier aus Baden-Württemberg und Armin Petras haben wir gerade für Baden-Württemberg gewonnen. So viel dazu.
Kommentare (2)
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DEZ
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Booker_T, 12:17 Uhr

als ob "Kultur" immer so was hochwertiges wäre

Kleinkünstler gehen S21, Theaterstücke und Hörspiele gegen S21, all DAS brachte die Stuttgarter Kulturszene im Übermass zustande. Diese Art von "Kulturschaffenden" reproduziert nur die eigene Ideenlosigkeit. _________________________________________________________________________ In diesem Milieu wird zwar nichts von Wert produziert, aber alle fühlen sich so schön wohlig in ihrer Dagegen-Republik. Das muss der GRÜNEN Regierung ja was WERT sein, nämlich "Staatsknete", unser aller Steuergelder.

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DEZ
13
Bredschneider, 21:05 Uhr

An Kultur wird nicht gespart

Ich finde es ja auch schön, wenn an der Kultur nicht gespart wird. Gespart wird ja dafür bei den Beamten oder Ausstattung in den Ämtern. Also der eigentliche Infrastruktur. Wir gehen wenigstens singend pleite.

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