Interview mit Mahle-Chef
"Elektroauto bleibt Nischenfahrzeug"
Michael Heller und Inge Nowak,
07.10.2010 16:51 Uhr
Foto: dpa
""Die Chinesen
setzen beileibe nicht nur auf den Elektroantrieb.""
Junker über die Strategie der Asiaten auf dem Automarkt
Herr Junker, alle reden vom Elektroauto. Viele Experten sehen darin den Antrieb der Zukunft. Sie auch?
Das reine Elektrofahrzeug hat in bestimmten Marktsegmenten sicherlich eine realistische Chance. Aber es wird ein Nischenfahrzeug bleiben, als universelle Lösung sehe ich es mit den heute verfügbaren Technologien nicht.
Klare Worte. Gelten sie auch langfristig?
Ja. Die technologischen Fortschritte von heute deuten darauf hin, dass man in der Reichweite immer sehr begrenzt sein wird. Auch die Kostenentwicklung ist schwer abschätzbar. Wenn einmal Millionen Elektroautos auf der Straße fahren, wird die Produktion sicherlich kostengünstiger. Doch allein die Materialkosten für die Batterie sind so extrem hoch, dass sie auch in der Massenproduktion immer Kostennachteile haben werden.
Was schätzen Sie, wie weit könnten die Kosten sinken?
Heute liegen die Mehrkosten für ein Elektroauto zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Ziel der Industrie ist, dass die Mehrkosten auf 5000 Euro sinken. Aber wird der Kunde solche Autos kaufen? Nehmen wir ein Stadtfahrzeug, ein Auto, das in der Regel zwischen 15.000 und 20.000 Euro kostet. Rechnen Sie 5000 Euro Mehrkosten für den Elektroantrieb hinzu - das ist ein gewaltiges Thema. Sie müssen berücksichtigen, dass heute in der Industrie um jeden Cent gefeilscht wird. Und das gilt nicht nur für Kompaktfahrzeuge, sondern auch in der Oberklasse.
Weil Strom niedriger besteuert wird als Kraftstoff, lässt sich der "Elektrotank" immerhin preiswerter befüllen.
Damit sind wir bei der Amortisationszeit. Will der Fahrer die Mehrkosten für sein Elektroauto innerhalb von fünf Jahren wieder hereinspielen, dann muss er 45.000 Kilometer pro Jahr fahren. Wer schafft das schon? Der Durchschnitt liegt heute bei 15.000 Kilometer. Und 45.000 Kilometer kann ich mir bei einem Elektrofahrzeug schon gar nicht vorstellen, wenn ich die langen Ladezyklen sehe. Wenn ich aber nur 15.000 Kilometer im Jahr fahre - als reines Stadtfahrzeug ist das viel - dann liegt die Amortisationszeit bei 15 Jahren. Und dies gilt immer nur unter der Voraussetzung, dass Strom nicht besteuert wird. Nach der letzten Diskussion um eine CO2-basierte Kfz-Steuer kann ich mir auch das schwerlich vorstellen.
Also sind die Stromautos eher chancenlos?
Wenn Megastädte wie London oder Peking nur noch Elektrofahrzeuge in die Innenstadt zulassen, würde das andere Anreize zum Kauf geben, aber eben für Stadtfahrzeuge.
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Recht hat er
@fast alle hier: die Hersteller von Verbrennungsmotoren (oder deren automotive Zulieferer) können sich bequem zurücklehnen weil sie wissen: auch wenn jetzt viele Regierungen noch so viel hypen, der Elektromotor als PKW-Antrieb wird auf absehbare Zeit keine Alternative sein. Irgendwann werden die fossilen Brennstoffe zu Ende sein, dann is eh zappe - allerdings auch mit den Elektromotoren (und der Zivilisation gleich mit). Bis dahin werden sowohl wir als auch Entwicklungs- und Schwellenländer sämtliches irgendwie verfügbare Öl aus den Böden dieser Welt quetschen. Bis zum letzten Tropfen. Und wir (oder die Inder oder die Chinesen) werden es verbrennen - in Öfen, Motoren oder Kraftwerken, wo auch immer. Dieser Vorgang ist unvermeidlich. Ach ja, goldig finde ich auch die Fortschrittsgläubigen, die ein paar Tausend (meinetwegen auch Hunderttausend) Elektroautos (oder Roller oder Boote usw.) sehen und dann schwadronieren, dass das unmittelbare Ende der Verbrennungsmotoren bevorstehe. Wieviele Diesel- und Benzinmotoren werden auf diesem Planeten tagtäglich angeworfen? Wenn man neben Autos, Schiffen usw. noch Scherze wie Laubgebläse, Motorsägen bei uns, Stromaggregate in Afrika, Helikopter und Traktoren in den USA und Mopeds in Vietnam bedenkt dürften es an die DREI MILLIARDEN sein. Aber sicher, die werden jetzt dann alle verschrottet und es kommen die Elektromotoren.
Die Chinesen werden und vom fossilen Joch befreien
Hier möchte und die Autoindustrie mit ein paar Prototypen und weit überteuerten Kleinserien zum Besten halten. Aber die Chinesen werden uns vom fossilen Joch befreien. In der nächsten Ölkrise werden billige Plug-in Hybrid und Elektroautos aus China die fossile Autoindustrie vernichten. http://politik.pege.org/2009/d-day.htm
Elektromobilität
Am Dienstag wurde in einem TV-Magazin der Vergleich zwischen einem der neuen "Blue"-irgendwas Effizienz-Fahrzeuge und einem 1982 Golf-Diesel innerstädtisch gemacht. Ergebnis: fast gleicher Verbrauch. (4,5 gegen 4,8 glaube ich). Ohne weiteren Kommentar. Oder doch, das Interview danach mit dem Entwicklungschef von VW war belustigend... Ich hoffe ich darf das so offen sagen, aber einen Hubkolben-Hersteller nach Elektromobilität zu fragen, ist, wie das obige Interview beweist, volkommen sinnlos. Erschreckend ist dabei die offensichtliche Unfähigkeit, neue Realitäten zu erkennen und im Sinne der Zukunftsfähigkeit anzugehen. Es hätte nur noch gefehlt, daß der Mahle-Chef die Theorie von der abiotischen Entstehung von Erdöl zum Besten gibt... Elektromobilität hat so viele Vorzüge - abgesehen von der hohen Effizienz der Motoren kann man sich ja mal die Videos vom Tesla Roadster und anderen Elektromobilen zu Gemüte führen. Drehmoment satt und gleichbleibend über den gesamten Bereich, 0-100 in 3,5 Sekunden, Atmosphäre wie in einem startenden Düsenjäger. Und das in einem Serienfahrzeug. Hubkolben ist langfristig tot. Der eine begreift's früher, der andere später.