Interview mit Marius Müller-Westernhagen "Ich will kein alternder Star sein"
Jan Ulrich Welke, 01.09.2010 18:38 Uhr
Marius Müller-Westernhagen hat sich trotz der für ihn unerfreulichen Entwicklung des Pop-Business seinen Optimismus bewahrt. Foto: dpa
Marius Müller-Westernhagen hat sich trotz der für ihn unerfreulichen Entwicklung des Pop-Business seinen Optimismus bewahrt. Foto: dpa
""Der Karriere-Ehrgeiz war bei mir ohnehin nicht so ausgeprägt, wie es die Leute, die viel Geld an mir verdient haben, gerne gehabt hätten.""
Marius Müller-Westernhagen



Wenn "Williamsburg" Ihr Debütalbum gewesen wäre: Hätten Sie überhaupt einen Plattenvertrag bekommen?


Keine Ahnung. Ich kann das heutzutage nicht mehr beurteilen. Aber ich freue mich, wenn es Leute mit guten Sachen schaffen.

Was fällt Ihnen aus der letzten Zeit ein, von dem Sie denken, dass da Leute mit guten Sachen Erfolg gehabt haben?


Ich mag die Beatsteaks, das ist eine gute Rock-'n'-Roll-Band. Meinen Sie nur Erfolge in Deutschland?

Nein, Sie können sich auf der ganzen Welt frei austoben.


Ich komme immer wieder auf die Alten. Es sind ja in letzter Zeit so viele gute Sachen herausgekommen. Ob es Alison Krauss und Robert Plant oder ob es die letzten Platten von Johnny Cash sind, der Soundtrack von "Crazy Heart" oder T-Bone Burnett. Aber dass du etwas hörst, das dir an die Substanz geht, ist heute echt selten. Musik wird oft im Hintergrund gehört, und dadurch ist alles ein Stück weit entwertet. Musik ist oft ein reines Wegwerfprodukt, leider.

Heutzutage bleiben ja auch gar nicht mehr so sehr Alben, sondern einzelne Songs im Gedächtnis haften. Wenn Sie der Nachwelt nur einen einzigen Ihrer Songs hinterlassen dürften, welcher wäre das dann?


(lacht) Es klingt jetzt vielleicht etwas geschwollen, aber ich glaube, dass man eine gewisse Energie freisetzt mit dem, was man in die Welt setzt, und ich hoffe, dass diese Energie positiv war und sie sich noch eine Weile erhält. Aber mich nur auf einen Song beschränken, das kann ich nicht. Es ist schon schwierig genug, für mich zu sagen, welcher Song auf dem neuen Album mein liebster ist.

In den hier geäußerten Einschätzungen und auf dem Album geben Sie sich eher pessimistisch. Wie ist denn der echte Westernhagen: eher Optimist oder Pessimist?


(zögert lange) Ich bin eher Optimist. Wenn ich nicht Optimist wäre, wäre ich - angesichts der Entwicklung des ganzen Business - längst zum Zyniker geworden. Aber als geborener Schütze bin ich auch Idealist und denke, dass ich die Menschen doch noch zum Guten bekehren kann.
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