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Interview mit Marius Müller-Westernhagen "Ich will kein alternder Star sein"

Jan Ulrich Welke, vom 01.09.2010 18:38 Uhr
Marius Müller-Westernhagen hat sich trotz der für ihn unerfreulichen Entwicklung des Pop-Business seinen Optimismus bewahrt. Foto: dpa
Marius Müller-Westernhagen hat sich trotz der für ihn unerfreulichen Entwicklung des Pop-Business seinen Optimismus bewahrt. Foto: dpa
""Der Karriere-Ehrgeiz war bei mir ohnehin nicht so ausgeprägt, wie es die Leute, die viel Geld an mir verdient haben, gerne gehabt hätten.""
Marius Müller-Westernhagen

Stuttgart - Wie es sich für einen Rockstar gehört, verspätet sich Marius Müller-Westernhagen. Als er in Begleitung seiner Frau Romney aus einer dunklen Limousine steigt, in der er zu einem Stuttgarter Nobelhotel chauffiert wurde, hat er aber eine Erklärung parat: Der Flieger aus seiner neuen Wahlheimat Berlin hatte Verspätung, und die Demonstrationen gegen Stuttgart 21 » hätten den Weg verstopft. Interessiert lässt er sich zunächst den Sachstand zum Thema Bahnhof erzählen, lässt kurz einchecken und steht fünf Minuten später zum Gespräch bereit. Nicht im maßgeschneiderten Brioni-Anzug, sondern in Jeans, schwarzem T-Shirt und Wildlederjacke, die er im Verlauf des Interviews ausziehen und achtlos auf den Hotelzimmerboden legen wird. Er spricht nahezu druckreif - und mit erstaunlich sanfter Stimme.

Im Oktober kommen Sie in die Stuttgarter Schleyerhalle. Wird sie ausverkauft sein?


Ich weiß es nicht, aber ich hoffe doch.

Haben Sie Zweifel?


Nein. Ich mache mir darüber aber auch nicht so viele Gedanken.

Aber Sie überlegen sich vor einer Tournee schon, wo Sie spielen wollen: im Stadion, in der größten Halle oder einer mittelgroßen?


Eine Stadiontour kam nicht infrage. Ich habe für mich mit dem Kapitel 1999 abgeschlossen...

...auf Ihrer, wie Sie es damals ankündigten, Abschlusstournee.


Von Abschluss war damals keine Rede: Ich hatte nur gesagt, dass ich keine Stadionshows mehr machen würde, das ist aber offensichtlich anders verstanden worden. Ich war in eine Starposition gekommen, in der ich mich unwohl zu fühlen begann. Ich übe meinen Beruf nicht aus, um krankhaft verehrt zu werden. Deshalb der Schritt, wieder in die Hallen zu gehen.

Kann man sich noch richtig motivieren, wenn man noch hungrig ist und die einzige Möglichkeit der Fortentwicklung ist, einen Schritt zurückzugehen?


Das kommt auf die Motive an. Was den kommerziellen Erfolg angeht, ist das sicher der Höhepunkt einer Karriere, und es ist klar, dass man nach einem Schritt zurück in der Branche sofort an Bedeutung verliert. Aber die entscheidende Frage für mich war: Willst du Künstler sein oder ein langsam älter werdender Popstar? Letzteres wollte ich weiß Gott nicht. Der Karriere-Ehrgeiz war bei mir ohnehin nicht so ausgeprägt, wie es die Leute, die viel Geld an mir verdient haben, gerne gehabt hätten. Ich möchte immer dazulernen, deshalb bin ich für das Album "Williamsburg" den Schritt gegangen, mit amerikanischen Musikern zusammenzuarbeiten. Da musst du dich ganz neu beweisen.

Gibt es in Deutschland keine guten Musiker?


Sicher gibt es die, aber mit den Amerikanern hatte ich die Gewissheit, dass mir mein Status nicht im Wege steht. Außerdem bin ich mit angloamerikanischer Musik groß geworden. Mit Musikern zu spielen, die aus dieser Tradition kommen, und von ihnen akzeptiert zu werden war für mich sehr befriedigend. Das sind ja keine angeheuerten Studiomusiker, sondern welche, die du erst einmal von dem überzeugen musst, was du mit ihnen machen willst. Sonst kommen die gar nicht erst.

Wie läuft denn bei den Aufnahmen der von Ihnen gewünschte Lernprozess? Fragen Sie Ihren Gitarristen Larry Campbell, der lange Jahre in der Band von Bob Dylan spielte: "Wie hätte es Bob gemacht?"


Nein. Albumaufnahmen sind ja nur zum Teil ein demokratischer Prozess, du hast deine Vorstellungen, was du im Ergebnis hören möchtest. Daher bin ich froh, dass ich bei Larry erst hinterher erfuhr, dass er als Produzent schon einen Grammy bekommen hat. Doch natürlich bringen die sich ein, deshalb willst du solche Leute ja haben. Du willst ihre Seele haben und nicht, dass sie vom Blatt runterspielen. Diese Musiker nehmen ihr Sache sehr ernst. Mich hat ihre unbedingte Bereitschaft zu Qualität berührt.

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