Interview mit Mediziner Andreas Nieß Joggen in der Kälte? Ja, klar!
Christine Pander, 02.02.2012 13:31 Uhr
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Am Wochenende wird es kalt - trotzdem kein Grund kein Sport zu machen.  Foto: AP
Am Wochenende wird es kalt - trotzdem kein Grund kein Sport zu machen. Foto: AP
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Tübingen - Am Wochenende wird es knackig kalt. Sportmuffeln liefert das vielleicht einen neuen Grund, auf der Couch zu bleiben. Andreas Nieß, Ärztlicher Direktor am Uniklinikum Tübingen, mag aber keinen Freischein für die Winterstarre ausstellen: Wegen der Minusgrade müssen Gesunde nicht auf Sport im Freien verzichten.

Herr Nieß, wäre es bei Minusgraden nicht besser, sich auf dem Sofa zu schonen?

Nein. Wer im Sommer draußen trainiert, kann dies in der Regel auch bei Kälte so halten. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Wer zum Beispiel bei Kälte asthmatische Beschwerden verspürt, sollte eher in der Halle oder im Fitness-Studio trainieren. Gleiches gilt im Fall von Eisglätte für ältere Menschen mit einem erhöhten Sturz- und Knochenbruchrisiko. Wichtig ist, dass die Sportler Funktionskleidung tragen, die einerseits Kälte abhält, andererseits jedoch den Schweiß gut nach außen transportiert, um die Feuchtigkeit auf dem Körper gering zu halten. Das ist bei Sportarten wichtig, die mit höheren Bewegungsgeschwindigkeiten verbunden sind wie Radfahren, Skilanglauf oder das Lauftraining.

Die Kälte allein ist aber nicht das Problem.

Richtig. Der Wind spielt eine entscheidende Rolle, weil sich die Temperatur dann kälter auf der Haut anfühlt. Eine Windgeschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde bei null Grad Celsius bedeutet zum Beispiel, dass der sogenannte Wind-Chill-Effekt auf der Haut einer Kältewirkung von minus zehn Grad Celsius entspricht.

Welche Risiken gibt es?

Normalerweise sind keine Unterkühlungen zu erwarten, solange man sich gut bewegt, die Muskulatur also arbeitet und ausreichend Wärme produziert. Aber es kann zu lokalen Erfrierungen der Haut kommen, etwa an der Nase, den Ohren, dem Genitalbereich oder den Händen. Das ist aber nur der Fall, wenn die Hauttemperatur auf unter ein Grad sinkt. Deshalb ist es wichtig, die Haut durch geeignete Kleidung zu schützen. Und: cremen Sie das Gesicht ein!

Welche Tipps haben Sie noch?

Wegen der Kälte haben Sportler oft ein reduziertes Durstgefühl und trinken viel zu wenig. Genauso schlecht ist es, wenn man eiskalte Hände, die schon Erfrierungserscheinungen zeigen, zum Aufwärmen aneinander reibt. Halten Sie die Hände lieber unter lauwarmes Wasser!

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