Interview mit Mike Leigh Kraft einer emotionalen Reise
Ulrich Kreist, 27.01.2011 15:40 Uhr
 Foto: Archivbild: dpa
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Stuttgart - Regisseur Mike Leigh, zusammen mit einem festen Team von Technikern und Schauspielern, der Frage nach, was ein glückliches Leben ausmacht. "Another Year", interessanterweise gerade für den Drehbuch-Oscar nominiert, schreibt diese Recherche nun fort.

Herr Leigh, Sie sind dafür bekannt, dass Ihren Filmen eine Ausgangsidee zugrunde liegt. Welche war das bei "Another Year"?


Meine Filme vertreten keine Thesen und haben keine Pointendramaturgie, sondern begeben sich mitten in den Alltag der Figuren. In "Another Year" geht es um viele, teils widersprüchliche Dinge. Nach "Happy-Go-Lucky" wollte ich einen Film machen, der sich mit Menschen beschäftigen sollte, die – wie ich – in den 1940er Jahren geboren wurden.

"Another Year" ist kein Wohlfühlfilm, sondern eine Provokation. Nachdem der Wohlfahrtsstaat abgewickelt worden ist, wird die Sozialfürsorge outgesourct, zur Privatsache unter Freunden.


Das wäre eine metaphorische Interpretation des Films, die vielleicht subversiv ist. Aber zunächst geht es darin grundsätzlich ums "Kümmern". Und um das moralische Dilemma, wo man eine Grenze zieht, um seine Privatsphäre zu wahren, auch die Privatsphäre als Paar.

Mary akzeptiert diese Grenze nicht?


Ich glaube, Mary ist sich dieser Linie gar nicht bewusst. Sie ist blind und unsensibel in ihren Bedürfnissen. Aber es geht um das Dilemma, dass man in eine bestimmte Situation gerät, in der diese Frage plötzlich an die Oberfläche kommt. Man sollte das Prozessuale des Films ja nicht unterschätzen.

Jemand wird problematisch und fällt gewissermaßen aus der Gnade, wird aber später zur Bewährung wieder aufgenommen. Das Soziale als Resultat fortwährender Arbeit, einer Arbeit aus Empathie?


Ich glaube nicht, dass der Film das explizit sagt. Aber ich glaube, dass das die Wahrheit ist. Das gilt ja für alle Beziehungen.

Können Sie mir etwas zum sozialen Background von Tom und Gerri erzählen?


Arbeiterklasse, das kann man deutlich hören. Sie gehörten wohl zu den ersten Mitgliedern ihrer Familie, die eine Universität besuchen konnten. Sie fahren einen Volvo, weil sie jetzt Mittelklasse sind.

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