Interview mit OB Wolfgang Schuster Stuttgart21 ist nicht das einzige Thema, bei dem es Berührungspunkte gibt zwischen Land und Landeshauptstadt - und die Karten werden durch den Regierungswechsel nun neu gemischt. Sorgt Sie das?
Thomas Borgmann und Achim Wörner, 07.04.2011 18:12 Uhr
"Ich begrüße auch Herrn Mappus gern", sagt OB Wolfgang Schuster.  Foto: Zweygarth
"Ich begrüße auch Herrn Mappus gern", sagt OB Wolfgang Schuster. Foto: Zweygarth

Sorge ist ein zu starker Begriff. Aber in der Tat ist es für eine Metropole wie Stuttgart wichtig zu wissen, ob etwa die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs, der Stadtentwicklung oder der gemeinsam betriebenen Staatstheater in der bisherigen Form aufrechterhalten bleibt. Und bei den Krankenhäusern gibt es ohnehin einen großen Investitionsstau. Auf all diese Fragen wird die neue Regierung hoffentlich plausible Antworten geben, wie auch im Blick auf die Neuordnung am Karlsplatz, wo Entscheidungen ausstehen.

Sie fürchten um das bisher von Breuninger und dem Land vorangetriebene Projekt?

Wir brauchen an dieser zentralen Stelle eine qualitätsvolle städtebauliche und architektonische Neuordnung - auch mit Ladenzeilen und Gastronomie. So, wie es ist, kann es nicht bleiben. Wie Sie wissen, ist das geplante Bauvolumen allerdings äußerst umstritten. Und auch die Debatte über das Hotel Silber, die ehemalige Gestapozentrale, wird neu belebt, da die SPD für einen kompletten Erhalt ist. Wir werden da zu Lösungen kommen müssen.

Die Baumasse wird benötigt, weil das Land Ministerien konzentrieren möchte. Müssen diese Überlegungen hinterfragt werden?

Ich habe schon Erwin Teufel, als der noch Ministerpräsident war, geraten, bevor man an solche Raumkonzepte geht, die Strukturen und die Abläufe innerhalb der Landesverwaltung grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen, um Rationalisierungen zu erreichen und Flächen zu sparen. Und in solche Überlegungen müssten alle Ministeriumsstandorte einbezogen werden, etwa auch der Kronprinzenbau am Schillerplatz oder das Neue Schloss, in das ja, wie Sie geschrieben haben, möglicherweise die Landtagsabgeordneten einziehen werden. Das hielte ich für vernünftig, zumal wir als Stadt eine Erweiterung des bestehenden Landtags im Akademiegarten strikt ablehnen. Und in diesem Zusammenhang könnte sich dann auch eine zentrale Lösung für die Ministerien herauskristallisieren - und zwar jenseits der Adresse Karlsplatz, was die Realisierung des Projekts nicht erschweren würde.

Wo könnte eine Zentrale der Landesministerien stehen - hinter dem Hauptbahnhof, auf dem Areal von Stuttgart21?

Nein, dort nicht, denn da haben wir bereits ein Bankenzentrum. Wir wollen keine Monostruktur. Ich habe ein anderes Areal im Auge, möchte es aber noch nicht nennen. Wenn ich gefragt werde, bringe ich mich in diese Diskussion konstruktiv ein. Aber zunächst bin ich gespannt, was die neue Landesregierung möchte.

Andere Dinge hat die Stadt selbst in der Hand - etwa wenn im Herbst die Haushaltsberatungen anstehen. Wo müssen aus Ihrer Sicht Schwerpunkte gesetzt werden?

Der millionenschwere Aus- und Neubau des Klinikums bindet erhebliche finanzielle Ressourcen. Daneben werden wir vor allen Dingen in die systematische Sanierung der Schulen investieren. Da besteht im Übrigen über alle Fraktionsgrenzen hinweg große Einigkeit. Und das Gleiche gilt auch für den Ausbau der Kindertagesstätten und Krippen, wo wir in den vergangenen Jahren viel getan, aber weiteren Nachholbedarf haben. Darüber hinaus - das sage ich ganz offen - werden wohl keine großen Sprünge möglich sein.

Kommentare (83)
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APR
09
M. Stocker, 13:43 Uhr

S21-Chorknaben

Ach unsere S21-Sängerknaben! Wie sie so schön im Chor die Arien vom neuen Rosensteinviertel, von den 'großartigen Chancen', den 'einmaligen Möglichkeiten' singen! Erst ein paar Foristen (wohl als Testballons der Agenturen) dann Herr Turner als Werbefuzzi, jetzt wieder zum X-ten mal unser OB. Das bahntechnische und schienenverkehrliche Desaster S21 wird dezent verschwiegen, da man mit den absurden Behauptungen über die Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofs und dem absurden Leugnen der Leistung des Kopfbahnhofs wohl keinen Hund mehr hinter dem Ofen vorlocken kann. Nach offiziell heruntergelogenen Zahlen (die sowieso bald Makulatur sein werden) kostet uns (Steuerzahler) der Spaß für die Gewinnung von 50 ha Bauland 4.5 Mrd. Euro, das sind pro Quadratmeter schlappe 9000 Euro! (50 ha = 76 ha, die das Gleisvorfeld darstellt, - 20 ha Parkerweiterung/Pfostenwäldchen - 6 ha Straßen etc.) Mehr als jemals für irgend ein Immobilienprojekt bezahlt wurde, mehr als für die Sandinseln vor Dubai, mehr als Fürst Rainier für die Aufschüttung von ein paar ha Industrie- und Gewerbefläche vor Monaco berappen musste. Da kann eine Immobilienwirtschafts-Marionette wie unser OB durchaus von 'großartigen Chancen' reden. Wenn diese Schnorrer öffentlicher Gelder dafür nachher nur ein- bis zweitausend Euro pro Quadratmeter bezahlen müssen, dann ist das in der Tat lohnend, für die Immobilienhaie. Nicht für die Bewohner dieser Stadt, und auch nicht für die Baden-Württemberger. Die zahlen nur drauf, nicht zuletzt mit einem auf ewige Zeiten festbetonierten Flaschenhals als Bahnhof. Würde man die Kosten für die Freilegung dieser Fläche den Investoren belasten, würden sie nur gequält lächeln und die 'großartigen Möglichkeiten' dankend ablehnen. Wenn S21 nicht gebaut wird, fließen keine 'Milliardeninvestitionen an Stuttgart vorbei', wie unser abgedrehter OB behauptet, die Gelder werden als Steuergelder wieder einem rational begründbaren Zweck zugeführt. Der einzige Stillstand, den es beim Stop von S21 geben wird, wird der auf den Konten der Spekulanten sein, wie 'mainzelmännchen' das einmal so treffend gesagt hat.

APR
09
Stuttgarterin aus Möhringen, 00:32 Uhr

Mensch, dieser Schuster ...

... habe mir eben den ganzen Galimathias von diesem selbstherrlichen, ignoranten Menschen durchgelesen. Ich sage nur noch: Herr Schuster, schauen Sie einfach hier in die Zeitung herein und lesen Sie, was Ihr Volk von Ihnen hält: Nichts! Wie lange müssen wir Sie eigentlich noch ertragen?

APR
09
Reinhard, 00:28 Uhr

Frage an Dr. Schuster

Sehr geehrter Herr Dr. Schuster, am Montag (11.4.) wird in Botnang die bürgerversammlung sein. Meine Fragen an Sie: 1. Werden Sie auch bei der in Botnang geplanten "neuen Ortsmitte" einen Weg finden, heimlich am Gemeinderatsbeschluss vorbei eine erheblich größere Anzahl an Parkplätzen zu genehmigen oder sind Sie diesmal - anders als bei ECE - nicht mit dem Bauträger verflochten? 2. Wie buchstabieren SIE das Wort "Spielregeln"? 3. Was verstehen Sie unter schuldenfrei, wenn die Außenstände 2011 in den aktuellen Publikationen der Stadt selbst mit 1017 Millionen Euro beziffert werden?

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