Interview mit Pfarrer Jürgen Kaiser "Aus nichts etwas machen"
Matthias Ring, 13.03.2010 09:30 Uhr
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Pfarrer Jürgen Kaiser. Foto: Steinert
Pfarrer Jürgen Kaiser. Foto: Steinert


Und warum sind für Sie die Schwaben die besten Köche der Welt?


Weil sie aus nichts was machen können. Fairerweise muss man dazu sagen, das gilt für alle armen Regionen. Der Saumagen in der Pfalz ist auch ein Armutsgericht. Schwäbische Grundspeisen sind im Prinzip Armeleuteküche, weiterentwickelt. Ein Bekannter von mir, ein Norddeutscher, ist Koch in einem großen Unternehmen, und der versteht bis heute nicht, dass die Kantine voll ist, wenn es Linsen mit Spätzle gibt. Übrigens auch mein Leibgericht.

Und als Hobbykoch haben Sie sich auch der schwäbischen Küche verschrieben?


Je älter ich werde, desto mehr. Wobei meine absoluten Lieblingsländer Indien und Mexiko sind, in deren Küchen ich mich umgeschaut habe. Als junger Vikar aber war ich in einem kleinen Dorf mit einem Gasthof, dessen Koch in Frankreich gelernt hatte. Das Abendessen war eigentlich unbezahlbar, aber die frischen Zutaten, die vom Vortag übrig waren, hat er am nächsten Tag als Mittagstisch angeboten - und so habe ich Geschmack an der Küche und am Kochen gefunden. Aber wie gesagt: jetzt im Alter werde ich immer schwäbischer.

Da liegen Sie im Trend, denn seit einigen Jahren gibt es eine Rückkehr zur Regionalität. Dennoch kann man den Eindruck bekommen, dass das schwäbische Wirtshaus vom Aussterben bedroht ist.


Das stimmt, Sie müssen heute lange suchen, bis Sie ein gutes schwäbisches Restaurant finden - in der Stadt mehr als auf dem Land. Wobei in Feuerbach, wo ich wohne, könnte ich Ihnen schon mal Körle und Adam nennen ...

... die auf ziemlich hohem internationalem Niveau kochen ...


... aber gut schwäbisch sein können. Außerdem Mögle mit dem besten Rostbraten in der Stadt, oder das Lamm. Mit ausländischen Gästen fahre ich gerne nach Uhlbach in die Krone und natürlich in den Ochsen. Nicht zu vergessen die Kochenbas. Wobei es die beiden Damen über achtzig ja leider nicht mehr gibt. Das alles muss man wissen, denn es gibt eben auch viele Päcklesoßkneipen, aber zum Glück auch wieder junge Leute, die die Tradition für sich entdecken und neue Ideen einbringen.

Das Finale der Reihe Lebenslust: am 14. März um 19 Uhr in der Friedenskirche, Schubartstraße 12, die Brenz Band spielt.

Von Jürgen Kaiser ist in der Edition Gemeindeblatt "Warum Schwaben die besten Köche sind" erschienen.
Kommentare (1)
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MRZ
13
Diakon Alex, 14:38 Uhr

Herr Kaiser

Das ist ein sehr interessantes Interview. Es war auch sehr aufschlussreich. Mit der üblichen, lutheranischen Überheblichkeit, die man von Vertretern Martin Luthers bereits gewohnt ist, macht Herr Kaiser darauf aufmerksam, wie bescheiden doch Protestanten sind, und wie Katholiken sich der Völlerei hingeben, und deshalb eine Fastenzeit notwendiger haben, als die Lutheraner. Was Herr Kaiser jedoch vergisst, und daran kann man natürlich die fehlerhafte Theologie des Gründers, Martin Luther, beschuldigen, dass die Fastenzeit nicht dazu da ist, weniger zu Essen, sondern Busse zu tun. Es gibt Menschen die aus gesündheitlichen oder Altersgründen nicht fasten können. Diese Menschen legen sich dann eine andere Busse auf in der Fastenzeit. Ein Konzept, dass natürlich den Lutheraner sehr fremd zu sein scheint, da man als Lutheraner davon ausgeht, dass der Mensch immer noch von Grund auf Böse ist, und nur vom Blut Christi übergossen wurde. Wenn nun Herr Kaiser zugibt, dass er während der Fastenzeit keinen Wein trinke, D#da frage ich mich, ob er dann auch während der Fastenzeit keinen Gottesdienst feiert, in dem ja, auch in der evangelischen Kirche, Wein involviert ist, auch wenn die evangelische Kommunion, sehr weit davon entfernt ist gültig zu sein. Sollte da Herr Kaiser etwa schummeln? Dann fängt Herr Kaiser an das Lob auf die schwäbische Küche zu singen, und vor allem die Küche der Armen. Doch auch die italienische Küche ist eine Küche der Armen, und von internationalen Standards her, wohl auch die gesündeste. Er scheint jedoch zu vergessen, dass Essen mehr ist als nur Nahrung. Bestimmte Gerichte sind mit Erinnerungen verbunden, und auch mit der eigen, regionalen Identität. Ich selbst lebe fern meiner schwäbischen Heimat, und ab und zu braucht man dann eben seine Maultaschen oder den schwäbischen Kartoffelsalat, der ja, will allgemeint bekannt ist, schwätza muss! Manchmal ist das einfach notwendig, um das Gefühl der Heimat zu haben. Es hat nicht nur damit zu tun, dass man die notwendige Nahrung zu sich nimmt, um zu funktionieren, sondern es hat auch damit zu tun, dass man sich wohlfühlt und geschmackliche Erinnerungen weckt. Herr Kaiser Egibt eine Reihe von Restaurantnamen preis, und man bekommt den Eindruck, dass diese ihn für diese kostenlose Werbung bezahlt haben, und wenn auch nur mit kostenlosen Mahlzeiten. Das ist Schleichwerbung! Was ich mich jedoch immer noch frage ist, wie man die schwäbische Küche in einen christlichen Vortrag verwandelt?