InterviewInterview mit Richard Sennett Die Macht der Technologie

Von Sebastian Moll 
Finden Sie gar nichts Positives am neuen Kapitalismus? Einflussreiche Denker wie etwa Ihr Kollege Jeremy Rifkin sehen Chancen.
Ich halte das nicht für realistisch. Wenn sie durch Nanotechnologie von hundert Jobs siebzig vernichten, wissen diese siebzig Leute erst einmal nicht, was sie tun sollen. Wo sollen die leben und wer bezahlt dafür? Ich sehe keine Antworten auf diese Fragen, auch nicht bei Rifkin.
Aber das digitale Zeitalter ist nun einmal eine Tatsache.
Ich glaube, wir haben eine Wahl. Man kann Technologien benutzen oder man kann es sein lassen. Wir haben auch die Atombombe und wir haben uns entschlossen, sie vorläufig nicht einzusetzen. Warum üben wir in der Arbeitswelt nicht diese Freiheit aus? Wir müssen uns Gedanken machen, was wir den Maschinen überlassen wollen und was eben nicht. Wir brauchen dringend einen Mentalitätswandel.