Interview mit Rolf Verleger „Ich bin für einen offenen Diskurs ohne Tabus“

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Es häufen sich Berichte über antisemitische Ausschreitungen am Rande von propalästinensischen Demonstrationen. Wo verläuft für Sie die rote Linie zwischen legitimer Kritik an den israelischen Politik und antisemitischer Hetze?
Ihre Frage finde ich sonderbar. Wo verläuft denn die rote Linie gegen Mord? Diese Diskussion läuft ziemlich schief. Ich bin ein rationaler Mensch und versuche, in Ursachenketten zu denken. Wenn es ein Übel gibt wie solche judenfeindliche Parolen, muss man sich überlegen: Wo kommen die her? Und was können wir tun, damit das verschwindet? Es geht nicht um rote Linien. Man muss sich fragen, was falsch gelaufen ist, damit so etwas passieren kann. Und da ist einiges falsch gelaufen. Völlig undifferenziert darauf zu beharren, Israel habe das Recht sich zu verteidigen – das ist der helle Wahnsinn. Man sollte nicht voreilig alles für richtig erklären, was Israel unternimmt. Ich bin für einen offenen Diskurs ohne Tabus. Wer jeden Kritiker auf Granit beißen lässt, muss sich nicht wundern, wenn die Reaktionen aus der Spur geraten.
Folgen Sie mit dieser Argumentation nicht einem perfiden Muster: die Juden seien selbst schuld am Antisemitismus?
Wenn ich das schreiende Unrecht sehe, das Israel den Palästinensern antut, den Landraub, unverhältnismäßige Offensiven in Gaza – dann erscheinen mir alle Rechtfertigungsgründe und alle Klagen über angeblichen Antisemitismus nur vorgeschoben. Das ist eine reine Schutzbehauptung.
Haben Sie das Gefühl, dass der Antisemitismus, befeuert durch die umstrittene Politik Israels, eine neue Qualität erreicht hat?
Das ist schon beunruhigend. Aber es überrascht mich nicht. Als die britische Regierung 1917 mit der Balfour-Deklaration jüdische Siedlungen in Palästina ermöglichte, stimmte das einzige jüdische Mitglied im Kabinett dagegen. Dazu hat ihn die, wie man sieht, sehr begründete Befürchtung veranlasst, dass dies den Antisemitismus anfachen würde. Genau das ist passiert.
Manche sagen, die antisemitischen Ausschreitungen bei Demonstrationen seien ein Signal dafür, dass die Kultur des Hasses aus Nahost nach Europa importiert werde. Aber ist die Erklärung nicht viel schlichter: Gibt es hier nicht immer noch einen fruchtbaren Boden für judenfeindliche Reflexe?
Wie gesagt, bei jenem Viertel der Bevölkerung, die tendenziell zu Fremdenfeindlichkeit neigt, da mag das so sein. Aber bei der Mehrheit ist das nicht so. Kultur des Hasses? Ich weiß nicht, wie der Diskurs in islamischen Ländern verläuft, weil ich die Sprachen nicht verstehe. Aber eines weiß ich: Eine Kultur des Hasses besteht in Israel. Die Parole „Tod den Arabern“ ist dort auf vielen Mauern zu lesen. Eine Verachtung gegenüber allem, was nichtjüdisch ist, breitet sich in erschreckender Weise aus. Ein solches Land muss die Kultur des Hasses nicht bei anderen suchen.
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9 KommentareKommentar schreiben

Nichts Neues: Es gibt immer wieder Leute, die absolut blind sind gegenüber der Realität und die nicht mehr - aufgrund ihrer grundsätzlich negativen Sichtweise gegenüber Israel - in der Lage sind, zwischen Ursache und Wirkung zu unterscheiden. Vieles, was in diesem Interview gesagt wird, ist einfach falsch und ziemlich dumm. Obwohl Herr Verleger selbst Betroffener ist, hat er anscheinend völlig falsche Lehren aus diesem Abschnitt der Geschichte gezogen. Es gibt nur einen einzigen Verantwortlichen für die vielen Toten im Gazakrieg: die Hamas! Für Israel ist jeder Tote eine Katastrophe, für die Hamas können es nie genug Tote sein, damit ihre perfide und menschenverachtende Propaganda aufgeht. Bei Herrn Verleger scheint sie gewirkt zu haben!

Gemäßigte Stimmen dringen in Israel kaum durch: Die Kultur des Hasses und der Menschenverachtung in Israel schaukelt sich nicht von selbst hoch, sie wird von den Medien und bestimmten politischen Parteien geschürt. Schade dass ein Volk, das so reich an Begabungen ist und der Welt so viel Positives geben könnte, moralisch so tief gesunken ist. Ich empfehle den Interessierten das Buch "The General's Son" von Miko Peled (das leider nur in englischer Sprache vorliegt).

Wann?: Und wann, liebe Stuttgarter Zeitung, veröffentlichen Sie ein Interview mit einem Palästinenser, der sich kritisch über die Hamas äußert?

Respekt!: Hervorragendes Statement! Was wäre Israel ohne die Antismitismus - Keule?

Ein gutes Stadement über die Lage der israelischen Adminisration: und in großen Teilen der dortigen Bevölkerung. Ein Satz aus diesem Interview mit Rolf Verleger sagt eigentlich alles aus : ,,Wenn ich das schreiende Unrecht sehe, das Israel den Palästinensern antut, den Landraub, unverhältnismäßige Offensiven in Gaza – dann erscheinen mir alle Rechtfertigungsgründe und alle Klagen über angeblichen Antisemitismus nur vorgeschoben. Das ist eine reine Schutzbehauptung ,. Der außeruniversitären Öffentlichkeit ist Verleger vor allem als Direktoriumsmitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland und als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein bekannt geworden. Unter dem Eindruck des israelisch-libanesischen Kriegs im Sommer 2006 äußerte er sich mit einem Brief vom 23. Juli 2006 zunächst intern im Zentralrat, dann öffentlich kritisch zu den „militärischen Maßnahmen der israelischen Regierung gegen den Libanon” und zu der Israel unterstützenden Haltung des Zentralrats hierzu. Dies brachte ihm von Seiten der Zentralrats-Vorsitzenden Charlotte Knobloch und anderer Repräsentanten jüdischer Organisationen Kritik ein; Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer bezeichnete die Position Verlegers als „abstrus” und „absolute Einzelmeinung”. Andere verwiesen darauf, dass er nicht gegen Israel an sich, sondern gegen die derzeitige Politik des Landes argumentierte. Im August 2006 berief ihn die Jüdische Gemeinde Lübeck in Reaktion auf seine Äußerungen als ihren Delegierten für die Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein ab. Er verlor damit auch das Amt des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein. Im Juni 2009 entzog die Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein Verleger sein Mandat als Delegierter im Zentralrats-Direktorium. Rolf Verleger ist Mitglied des Vereins Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost. Mit den Worten von Rolf Verleger : ,, Eine Kultur des Hasses besteht in Israel. Die Parole „Tod den Arabern“ ist dort auf vielen Mauern zu lesen. Eine Verachtung gegenüber allem, was nichtjüdisch ist, breitet sich in erschreckender Weise aus. Ein solches Land muss die Kultur des Hasses nicht bei anderen suchen ,, ist alles gesagt. Bleibt zu hoffen das die besonnenen Kräfte in Israel wieder mehr in die Verantwortung der dortigen Politik kommen.

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