| Zeitungsgruppe Stuttgart |Samstag, 04. Februar 2012
VfB Stuttgart
Artikel weiterempfehlen

Interview mit Sami Khedira "Ich will alle Titel gewinnen"

Marko Schumacher, vom 02.09.2010 10:43 Uhr
Sami Khedira will um seinen Mittelfeldplatz im DFB-Team kämpfen. Foto: Baumann
Sami Khedira will um seinen Mittelfeldplatz im DFB-Team kämpfen. Foto: Baumann
Im ersten EM-Qualifikationsspiel Freitag in Belgien (20.45 Uhr/ARD) steht Sami Khedira an der Seite von Bastian Schweinsteiger im zentralen Mittelfeld der DFB-Auswahl. Bald jedoch könnte Michael Ballack dem Real-Profi wieder den Platz streitig machen. Khedira macht sich dennoch keine Sorgen.

Herr Khedira, Michael Ballack bleibt Kapitän der Nationalmannschaft. Sind Sie enttäuscht?


Warum sollte ich?

Weil bald der Chef zurückkommt und wieder seinen Platz haben will.


Ich habe diese ganze Diskussion von Beginn an nicht verstanden. Natürlich ist es das gute Recht von Philipp Lahm zu sagen, dass er die Binde behalten will. Aber es ist doch auch klar, dass der alte Kapitän sein Amt zurückbekommt, wenn er nach einer Verletzung wieder dabei ist.

Bedeutet das auch, dass Sie Ihren Posten im Mittelfeld freiwillig räumen, wenn Ballack wieder nominiert wird?


Natürlich nicht. Ich gehe davon aus, dass bei der Aufstellung die Leistung ausschlaggebend ist. In jedem Falle werde ich hart um meinen Platz kämpfen.

Das könnte spannend werden. Hier der aufstrebende Spieler von Real Madrid, dort der alternde Star. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?


Für mich ist es eine enorm interessante Herausforderung. Michael Ballack hat in seiner Karriere sehr viel für den deutschen Fußball geleistet und besonders bei großen Turnieren immer hervorragende Leistungen gezeigt. Aber bei allem Respekt vor ihm: das darf jetzt keine Rolle mehr spielen. Es ist doch klar, dass wir Jungen nach dieser WM sehr ehrgeizig sind und unsere Chance suchen.

Viele haben gesagt, mit Ballack hätte Deutschland in Südafrika nicht so gut gespielt. Braucht die Mannschaft den früheren Leitwolf überhaupt noch?


In Topform kann Ballack jeder Mannschaft guttun. Ich weiß jedoch auch, dass ich mich nicht verstecken muss.

Das dürfte Ihnen auch die Tatsache zeigen, dass José Mourinho nicht Ballack, sondern Sie nach Madrid geholt hat. Wie ist Ihr neuer Coach im täglichen Umgang?


Er ist ein Trainer, der in seiner Wortwahl klar und direkt ist und der in der täglichen Arbeit wirklich alles von einem abverlangt. Wir trainieren nur einmal täglich, 90 Minuten lang. Aber das ist dann so intensiv, wie ich es noch nicht erlebt habe. Ich habe schon sehr viele gute Trainer gehabt - aber diese Akribie und diese Zielstrebigkeit sind auch mir neu. Mourinho gibt sich mit nichts zufrieden.

Hat er deshalb nun in einem Interview kritisiert, dass Sie und Mesut Özil unter Verständigungsschwierigkeiten leiden und sich nicht richtig in die Mannschaft integrieren?


Wie gesagt: seine Wortwahl ist direkt, und so weiß ich, woran ich bin. Natürlich dauert es noch eine gewisse Zeit, bis ich gut Spanisch kann. Ich nehme jetzt dreimal pro Woche privaten Unterricht. Aber mein Englisch ist so gut, dass ich seine Anweisungen verstehe und mich auch mit den Mitspielern verständigen kann. Und ich finde auch nicht, dass es an der Integration hapert. Im Gegenteil: ich bin von der Mannschaft hervorragend aufgenommen worden, wir lachen viel miteinander, der Kontakt ist gut.

Wirklich? Gibt es bei Real nicht einen gnadenlosen Konkurrenzkampf?


Doch, natürlich kämpft jeder um seinen Platz. Wir haben 25 Profis, die alle fantastisch Fußball spielen können - sogar die Ersatztorhüter. Da bekommt man definitiv nichts geschenkt. Trotzdem geht das Menschliche nie verloren. Ob Sie es glauben oder nicht: wir haben bei Real ein pflegeleichtes Team mit einem sehr harmonischen Miteinander. Das Erstaunliche ist: das sind alles Weltstars, aber wenn man sich mit ihnen unterhält, dann spürt man davon nichts. Das beeindruckt mich sehr.

Wie groß ist Ihre Furcht, es bei Real trotzdem nicht zu schaffen und auf der Bank zu versauern?


Darüber mache ich mir keine Gedanken. José Mourinho gibt jedem Einzelnen das Gefühl, wichtig zu sein. Er stellt allein nach Leistung auf und nicht nach Namen, Ablösesummen oder Gehältern. Das bedeutet: wer sich reinhängt, wird aufgestellt. Das ist ein richtiges Prinzip, mit dem ich gute Erfahrungen gemacht habe. So habe ich mich beim VfB durchgesetzt und in der Nationalmannschaft. Jetzt denke ich, dass mir das auch bei Real gelingt. Ich bin dorthin gegangen, um früher oder später eine Führungsrolle zu übernehmen ...

... und vermutlich ein paar Titel zu gewinnen.


Real ist seit zwei Jahren nicht mehr Meister geworden, der letzte Champions-League-Sieg war 2002, der letzte Pokalsieg liegt sogar 17 Jahre zurück. Das ist eine enorm lange Zeit für so einen Verein. Jetzt will ich möglichst alle Titel gewinnen. Das ist der Anspruch von Real, und das ist auch meiner. Ich bin geholt worden, um eine neue erfolgreiche Ära mitzubegründen.

Wie war es am Sonntag, erstmals in einem Pflichtspiel das Real-Trikot zu tragen?


Es war schon etwas ganz Besonderes für mich. Man zieht schließlich nicht irgendein Trikot an, sondern eines mit ganz gewaltiger Vergangenheit. Das empfinde ich als Ehre, aber auch als große Herausforderung. Denn du spürst in diesem Moment: o.k., du hast jetzt eine sehr reizvolle Aufgabe zu bewältigen.

Wie viel Zeit bleibt da noch übrig, um Ihren alten Club, den VfB Stuttgart, im Auge zu behalten?


Von einem der beiden Europa-League-Spiele gegen Molde habe ich eine Hälfte gesehen. Seither lasse ich mich von meiner Familie oder meinen Freunden per Telefon auf dem Laufenden halten.

Haben Sie eine Erklärung für die Probleme?


Nun, der Verein hat viele Leistungsträger abgegeben. Jens Lehmann und mich, aber auch Alexander Hleb und Roberto Hilbert, die ebenfalls wichtig waren. Es ist enorm schwierig, so etwas aufzufangen. Da muss dann beispielsweise Timo Gebhart, der im Vorjahr noch vor allem mit sich selbst beschäftigt war, plötzlich den Kapitän geben. Und je größer die Verantwortung ist, desto größer sind auch die Last und der Druck.

Muss man sich jetzt Sorgen machen?


Der VfB muss zumindest sehr aufmerksam sein und aufpassen. So ein Umbau ist ein Prozess, der eine Weile dauert. Allzu lange darf er aber auch nicht anhalten, sonst verliert man seine Ziele schnell aus den Augen. Man hat ja in den vergangenen Jahren gesehen, dass es in Windeseile nach unten gehen kann.

Sind im Management des VfB Fehler gemacht worden?


Es war natürlich unglücklich, wie die Sache mit Horst Heldt lief. Was sollte Fredi Bobic machen, als er plötzlich kam und alles schon in Bewegung war? Für ihn ist es nicht einfach. Man muss jetzt vielleicht auch mal kleinere Brötchen backen und sich in dieser Saison mit Platz acht oder zehn zufriedengeben. Und währenddessen kann man junge Spieler heranführen, um anschließend wieder durchzustarten.
Weitere Artikel
Kommentare (1)
Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen
SEP
05
17:51 Uhr, geschrieben von Munde
S. Khedira
Es ist bestimmt schwierig hier von Khedira eine aussage über den derzeitigen stand beim VFB zu erwarten hat er doch zu kämpfen ,nicht wie gomez in münchen,bei real unterzugehen, aber er hat des geldes wegen den vfb verlassen und auch somit dazu beigetragen,dass nun unter erschwerten bedingungen ein neuaufbau stattfinden muß.ein weitsichtigeres präsidium hätte dies mit etwas mehr sachverstand verhindern können nun muß mann wirklih kleine brötchen backen und mann kann nur hoffen, daß der trainer einen langen atem und viel geduld sowie durchsetzungsvermögen gegenüber den präsidium hat,sonst haben wier ein schönes stadion und finden uns im niemansland der tabelle,schlimmstenfalls in der 2.liga wieder!!!
Anzeige
 
 

Sie suchen ein neues Zuhause?

Wir haben Sie alle! Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus. In Baden-Württembergs bedeutendstem Immobilienmarkt finden Sie Angebote aus Stuttgart, der Region und dem Rest der Republik.
zur Immobiliensuche
 
StZ digital
Stuttgarter Zeitung digital
Die gedruckten Ausgaben im Originallayout.

 
 
ePress App
Genießen Sie Ihre Stuttgarter Zeitung auch auf dem iPad.
 
 
Abonnement-Prämien
Werben Sie einen Freund als Abonnent der Stuttgarter Zeitung. Für jede Empfehlung erhalten Sie eine Prämie aus unserem Shop.
Abonnement