Interview mit Tanja Gönner "Die Kernkraftwerke sind sicher"

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Die CDU-geführte Landesregierung wartet auf Daten aus Japan und verspricht erst einmal nichts.Tanja Gönner beruft sich auf die Kanzlerin.

Tanja Gönner kämpft um Vertrauen für AKW-Technik. Foto: Steinert
Tanja Gönner kämpft um Vertrauen für AKW-Technik.Foto: Steinert

Stuttgart - Sollen die baden-württembergischen Kernkraftwerke vorsorglich heruntergefahren werden? CDU-Umweltministerin Tanja Gönner hält das für eine gefährliche Illusion.

Frau Gönner, glauben Sie weiterhin, dass die baden-württembergischen Atomkraftwerke absolut sicher sind?

Natürlich sind Bilder wie in Fukushima erschütternd. Es gilt aber, was die Kanzlerin schon gesagt hat: Wir können an solch einem Tag nicht sagen, die Kernkraftwerke sind sicher. Ja, die Kernkraftwerke sind sicher. Trotzdem müssen wir fragen, was lernen wir daraus. Natürlich macht uns das nachdenklich. Das ist aber auch der Grund, warum wir sagen, bei uns war, bei aller Diskussion über Laufzeitverlängerung, die Sicherheitsfrage immer die entscheidende Frage.

Wie sehr waren Sie erschrocken über die Länge der Menschenkette vom Samstag?

Ich habe Verständnis für jeden, der sagt, ich will meiner Sorge Ausdruck geben und mache das auch durch so eine Menschenkette. Es zeigt, dass natürlich die Ereignisse in Japan sicher dazu geführt haben, dass weit mehr gekommen sind, als man ursprünglich dachte. Es war ja von Anfang an eine bundesweite Aktion vorgesehen. Insofern bin ich nicht erschrocken. Ich glaube, dass wir diese Diskussion weiterführen sollten, aber wirklich im Gesamtkontext. Viele Menschen wollen auch keine Kohlekraftwerke. Viele haben dann, wenn's konkret wird, auch Bedenken gegen die eine oder andere erneuerbare Energie. Das gehört mit zur Wahrheit dazu.

Was wird die Landesregierung tun?

Zunächst ist es wichtig, dass wir die gesamten Vorkommnisse in Japan sauber analysieren können und dann die Fragen beantworten: Was davon ist übertragbar? Wo müssen wir möglicherweise nachrüsten? Ist Nachrüstung möglich? Und wenn sie möglich ist, welche Sicherheitsreserven können damit noch weiter erhöht werden? Es geht im Moment um die Sicherheit der laufenden Kraftwerke, die im Übrigen, abgesehen von NeckarwestheimI, auch noch unter Rot-Grün am Netz wären, deren Atomausstiegsgesetz bis 2022 datiert war.

Die Landtagswahl wird früher da sein als das Untersuchungsergebnis der Experten. Wie wollen Sie noch Vertrauen für Ihre Atompolitik zurückgewinnen?

Wir werden den Menschen sagen, es war schon bisher die Sicherheit das oberste Gebot für uns bei der Atomaufsicht. Das gilt auch weiterhin. Wir werden ihnen auch sagen, dass man in diesem technischen Thema eine saubere Analyse benötigt. Und ich würde mir wünschen, dass alle politischen Parteien so ehrlich wären zuzugeben, dass man nicht von heute auf morgen 50 Prozent Strom aus Kernkraft ersetzen kann, wenn der Anteil der erneuerbaren Energien im Bundesdurchschnitt bei etwa 15 Prozent auch in Baden-Württemberg liegt und wir heute schon in einigen Regionen heftigste Diskussionen über den Ausbau der erneuerbaren Energien, den Bau von Stromnetzen und Energiespeichern haben. Das muss man versuchen, den Menschen nahezubringen - und ich hoffe, es gelingt.

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78 KommentareKommentar schreiben

Visionen: 'Mappus ist ein guter Mann, intelligent und visionär. Und ein standhafter Kernkraftpolitiker.' (LES am 14.3.2011 etwas weiter unten) Ja, so schnell kann's gehen mit den Visionen und der Standhaftigkeit...

Das Schadenspotential ist nahezu unendlich: Das Schadenspotential von Kernenergie ist nahezu unendlich groß. Einer massiver Austritt von Strahlung aus einem havarierten Atomkraftwerk könnte eine riesige Fläche bis hin zur Größe eines ganzen deutschen Bundeslands samt aller darin befindlichen Großtstädte dauerhaft unbewohnbar machen. Das ist keine Horrorvision, sondern die nüchterne Realität von Tschernobyl. Dieses Schadenspotential ist Politik und Wirtschaft bestens bekannt und wird in Kauf genommen, da Atomkraft für die Konzerne lukrativ ist. Nun, vor der Landtagswahl, beginnt man bei der CDU Kreide zu fressen. Auf dieses unverantwortliche Verhalten gibt es nur eine Antwort: Mappus abwählen!

Naiv - ER / SIE / Es - Anonym: Antwort: Gar nicht naiv! Nur nicht hysterisch! Ich habe selbst beim Bau von Reaktor- Komponenten mitgearbeitet, und habe mich auch mit diesen Details - Korrosion - beschäftigt. Aus dieser Praxis weiß ich auch, was man alles beachten muß um Strahlungsmesser richtig abzulesen. Im übrigen verweise ich auf folgenden Artikel von Dr. Ing Humpich. Eine nüchterne Analyse zum Thema http://liberalesinstitut.wordpress.com/2011/03/14/fukushima-storfall-japan-ist-nicht-die-sowjetunion/ Ach ja, noch eines: Sie sind nicht der Einzige auf der Welt, dem die Opfer leid tun! Meine Hochachtung haben die Männer, die vor Ort, in der Strahlung, ihren Job machen! Das sind Helden! Denn sie wissen in welcher Umgebung sie arbeiten und sie tun es trotzdem.

sichere Kernkraftwerke: Aus Tschernobyl hat Frau Gönner nichts gelernt. Und aus all den anderen Pannen in den 'sicheren Atomkraftwerken' sowie den jahrzehntelangen Diskussionen um die Sicherheit der Kernkraft auch nicht. Da standen ja auch keine Wahlen vor der Tür. Vielleicht sollte man öfter wählen, damit Politikerinnen wie sie schneller lernen, was andere schon lange kapiert haben.

Gönner lügt: Und zwar wenn die auch nur den Mund (auf schwäbisch gibt es eine andere Bezeichnung dafür) aufmacht. Diese Person ist unsäglich. Jetzt mit den Atomanlagen, klar stammen 50% des Stroms in Baden-Württemberg aus Atomanlagen. Sie sieht nur Baden-Württemberg, drüber hinaus reicht ihr Blick nicht. Dass in Deutschland erhebliche Überkapazitäten bestehen, das interessiert sie nicht, genauso wenig wie, dass sie in den Regieurngen in denen sie saß den Ausbau der neuen Technologien massiv ausgebremst hat. Ich sage nur Windenergieanlagen und Vorraanggebiete dort wo kein Wind weht. Da waren klar wirtschaftliche Interessen dahinter, fragt sich nur von wem. Von uns normalen Bürgern jedenfalls nicht.

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