Interview mit Thomas Strobl „Das ist Doppelquatsch“

Thomas Braun, 06.02.2013 20:22 Uhr
Stuttgart –CDU-Landeschef Thomas Strobl attackiert Verkehrsminister Winfried Hermann. Der müsse den Dolch aus dem Gewande nehmen.
Wie bewerten Sie es, dass nun auch im CSU-geführten Bundesverkehrsministerium die Kritik an Stuttgart 21 zunimmt?
Der Bundesminister hat das ja inzwischen eingeordnet: als eine Einzelmeinung. Er hat auch klargemacht, dass jedes Gerede von einem Abrücken der Bundesregierung von Stuttgart 21 ‚Quatsch‘ sei. Kann man das steigern? Also gut: ‚Doppelquatsch‘!

Fühlen Sie sich als Bundestagsabgeordneter vom Bahn-Vorstand hinters Licht geführt, der schon seit einem halben Jahr von den Mehrkosten wusste?
Ich halte nichts davon, jetzt in dieser Sache öffentlich Vorwürfe zu machen oder Anschuldigungen vorzubringen. Meine glasklare Forderung heißt aber, jetzt ist höchste Zeit, dass sich alle Beteiligten ehrlich machen – das betrifft alle Projektpartner, uneingeschränkt alle. Die Landesregierung muss zum Beispiel klipp und klar sagen, ob sie Stuttgart 21 will oder nicht. Bislang bekundet der Ministerpräsident, dass er sich hinter die demokratische ­Entscheidung des Volksentscheids stellt. Dann muss er aber auch unterbinden, dass sein Verkehrsminister permanent mit der vollen Wucht eines ganzen Ministeriumsapparats gegen Stuttgart 21 kämpft, das Projekt hintertreibt, verzögert, verteuert. Umgekehrt erwarte ich von der Bahn, dass nicht weiter scheibchenweise neue Informationen auf den Tisch kommen. Die Bahn verkauft schließlich keine Salami!

Warum beharrt Ihre Partei trotz der neuen Zahlen weiter darauf, dass S 21 weitergebaut wird, obwohl nicht auszuschließen ist, dass das Projekt am Ende gar keine Rendite mehr für den Staatskonzern Bahn abwirft?
Das ist substanzloses Gerede – genährt von interessierter Seite. Stuttgart 21 kann ein absoluter Erfolg werden, kann ein entscheidendes Projekt für ganz Baden-Württemberg, ja für Deutschland sein. Aber dazu müssen die Querschüsse aus der grün-roten Landesregierung und aus dem Stuttgarter Rathaus aufhören, denn die verkraftet kein Projekt auf Dauer – schon gar nicht ein so komplexes wie die Tieferlegung eines Bahnhofes. Wenn wahr ist, was er sagt, dass es keine Ausstiegsdebatte geben soll, muss der Ministerpräsident diese Querschüsse definitiv unterbinden, damit S 21 gebaut werden kann, wie es die Bevölkerung entschieden hat.

Gibt es aus Ihrer Sicht im Streit über den Tiefbahnhof noch eine Kompromisslösung, bei der alle Seiten das Gesicht wahren können und der Schienenknoten Stuttgart dennoch seiner Bedeutung gemäß bahntechnisch optimiert werden kann?
Alle an einen Tisch, alle machen sich ehrlich. Die Bahn lässt sozusagen die Hosen runter, und der Ministerpräsident nimmt seinem grünen Verkehrsminister vorher den Dolch aus dem Gewand. Wenn alle Beteiligten sich ehrlich machen, dann gut und konstruktiv zusammenarbeiten, wird Stuttgart 21 ein Erfolg. Deshalb muss genau das jetzt passieren!