Interview mit Willi Weber
"Schumacher muss nichts beweisen"
Dominik Ignée,
10.03.2010 13:23 Uhr
Willi Weber freut sich auf das Comeback von Michael Schumacher. Foto: NDR/ECOMedia
Wusste er mit sich nichts anzufangen im Ruhestand und mit seinem Vermögen?
Michael war bestimmt nicht so ausgelastet, wie er sich das vorgestellt hatte. Ich kenne das ja von mir. Wenn ich hier fix und fertig aus dem Büro komme und mir sage, Mensch, ich hätte jetzt gerne eine Woche Urlaub, dann ist mir am dritten Tag alles so zuwider und langweilig, dass ich mich schon wieder aufs Büro freue. Eine Woche halte ich gar nicht aus. Ich glaube, Michael juckt es wieder. Auch die Symbiose hat gestimmt: Ross als Teamchef, den stärksten Motor im Feld, eine ausgezeichnete Teamstruktur - das alles gab Michael das Gefühl, dass er weiß, was er tut. Ich verstehe seine Entscheidung.
Glauben Sie nicht auch, dass die Rückkehr Schumachers junge Piloten wie Sebastian Vettel oder Nico Rosberg nervt?
Ich weiß nicht, was die Jungen so denken, aber ich kann mir vorstellen, dass sie nicht glücklich sind. Wenn ein siebenfacher Weltmeister zurückkommt, zieht er fast das ganze Medieninteresse auf sich. Hockenheim ist schon jetzt ausverkauft, die Rennserie boomt wieder, die Fans freuen sich auf Michael - ob sich allerdings seine jungen Kollegen auf sein Comeback freuen, das bezweifle ich. Michael ist ja auch ein Gegner, den man erstmal bezwingen muss.
Riskiert er seinen guten Ruf, wenn er hinterherfährt?
Niemals. Der beste Rennfahrer der Welt braucht niemandem mehr etwas zu beweisen und er wird niemals seinen guten Ruf verlieren. 91 Siege, sieben Titel - das wird in der Renngeschichte einzigartig bleiben.
Hier in Ihrem Büro steht Schumachers erster Ferrari aus dem Jahr 1996. Er war zugegebenermaßen nicht das schnellste Auto des großen Meisters. Wann steht an dieser Stelle ein Mercedes?
Also der Rote bleibt hier. Der war so schwer hier reinzubringen, da kommt für mich ein Wechsel überhaupt nicht in Frage. Ich könnte den Rennwagen zwar umlackieren, doch er erinnert mich an die schönen und erfolgreichen Jahre bei Ferrari. Das Auto bleibt rot. Für immer. Und damit basta.
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