ExklusivInterview US-Schauspielerin Kirsten Dunst möchte Mutter werden

Von Christian Aust 

Die US-Schauspielerin Kirsten Dunst („Midnight Special“) erzählt im Interview mit der Stuttgarter Zeitung, dass sie jetzt ein Baby möchte, vom Opa in Hamburg und warum sie es mit 33 nicht mehr allen recht machen will.

Kirsten Dunst ist derzeit in deutschen Kinos im Film „Midnight Special“ zu sehen. Foto: Getty
Kirsten Dunst ist derzeit in deutschen Kinos im Film „Midnight Special“ zu sehen.Foto: Getty
Berlin - – Mit gerade einmal Anfang Dreißig ist Kirsten Dunst schon eine Veteranin im Filmgeschäft. Schon als Dreijährige stand sie für Werbung vor der Kamera. Bekannt wurde sie mit zwölf an der Seite von Tom Cruise und Brad Pitt im Horrorfilm „Interview mit einem Vampir“. Zum internationalen Star machte sie die Rolle der Mary Jane Watson in der Spiderman-Trilogie mit Tobey Maguire in der Titelrolle. Jetzt ist Dunst im Mystery-Drama „Midnight Special“ zu sehen. Beim Interview im Berliner Regent Hotel wirkt sie entspannt wie schon lange nicht mehr.
Miss Dunst, Sie machen sich in letzter Zeit etwas rar. Warum haben Sie sich für eine Nebenrolle in einem Film wie „Midnight Special“ entschieden?
Mir ist es inzwischen egal, ob die Rolle kleiner oder größer ist. Hauptsache, sie ist gut. Ich habe diesen Film vor zwei Jahren gemacht. Und ich fand das Drehbuch spannend. Es ist eigenartig. Interview und Arbeit an einem Film liegen oft so weit auseinander. Zwei Jahre später sitze ich in Berlin und soll darüber sprechen. Aber immerhin ist es ein Film, den ich mag. Das ist ja nicht immer der Fall.
In dem Fall müssen Sie einen Film „verkaufen“, den Sie selbst für misslungen halten.
Das kann passieren. Dann sitze ich zu Hause und denke: Muss ich wirklich nach Europa, um diese Interviews zu geben? Aber diesmal bin ich sehr gerne hier. Aber ganz ehrlich: Nach „Midnight Special“ kam einfach kein Angebot für einen Film, das interessant war. Und ich wollte einfach nicht arbeiten, nur um beschäftigt zu sein. Also habe ich selbst ein Drehbuch geschrieben. Dann bin ich mit meinem Freund Gerrett Hedlund auf eine Interview-Tour gegangen, als er seinen neuen Film promoten musste. Als er in London gearbeitet hat, habe ich dort mit ihm gelebt – und irgendwann kam dann das Angebot für die Fernsehserie „Fargo“.
Wie fühlen Sie sich, wenn Sie praktisch arbeitslos sind?
Ach, ich mag es ja eigentlich, wenn mein Leben so entspannt ist. Ich stehe vor der Kamera, seit ich drei Jahre alt bin. Ich sollte eigentlich schon in Rente sein. So fühlt es sich jedenfalls manchmal an. Ich habe kein Problem mit langen Pausen. Obwohl irgendwann immer dieser Punkt kommt, an dem ich mich frage, ob ich jemals wieder arbeiten werde. Aber in genau dem Augenblick kommt dann ein Angebot wie „Fargo“.
Fehlt Ihnen nach so vielen Jahren im Geschäft der Hunger?
Es ist doch so: es gibt in diesem Geschäft so viele talentierte Kolleginnen. Viel mehr als Männer, denn es ist ein sehr femininer Beruf. Wir haben kein Problem damit, unsere Emotionen zu zeigen. Traditionell müssen Männer ihre Gefühle zurück halten. Es existieren also viele tolle Schauspielerinnen, aber einfach nicht so viele gute Rollen.
Es ist also simple Mathematik.
Genau. Trotzdem musst du arbeiten, weil du relevant bleiben musst. Ein Film braucht populäre Namen auf der Besetzungsliste, um überhaupt finanziert zu werden. Wenn mein Name nichts mehr wert ist, wird es schwierig für mich. Glücklicherweise habe ich gute Beziehungen und eine solide Karriere vorzuweisen. Deswegen kann ich für eine Weile von der Bildfläche verschwinden. Aber nicht zu lange. Und natürlich mache ich mir Sorgen.
Zum Leben eines Filmstars gehört es, sein Gesicht auf Illustrierten und riesigen Werbeplakaten zu sehen. Ist das nicht manchmal seltsam?
Es ist natürlich eigenartig. Am intensivsten habe ich das in der Zeit erlebt, als ich die Spiderman-Filme gemacht habe. Jetzt mache ich keine Action- und Superhelden-Filme mehr. Wissen Sie, mein Leben ist so normal, inzwischen macht es mir richtig Spaß, auf ein Festival wie die Berlinale zu reisen. Mit Bruder ist mitgekommen, ich bin stolz auf den Film. Es fühlt sich gut an. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Mode-Werbung, die ich einmal gemacht habe, als ich jünger war. Das Plakat bedeckte in Los Angeles die komplette Wand eines Hauses. Damals fand ich es richtig toll, als ich im Auto daran vorbei gefahren bin. Ich war ganz euphorisch. Wegen dieser Werbung hat mich Tobey Maguire für „Spiderman“ vorgeschlagen. Denn er war auch daran vorbei gefahren. Ich muss mich auf irgendeine Weise der Öffentlichkeit präsentieren. Das ist auch ein Teil meines Jobs.
Und wenn das Präsentieren außer Kontrolle gerät?
Du musst vorher deine eigenen Regeln machen und die Grenzen definieren. Du musst dich in dieser Welt nach deinen eigenen Standards gut fühlen. Sonst kann es ein Problem werden. Je älter ich werde, desto einfacher ist es. Als junge Schauspielerin passt du dich zu sehr an. Du traust dich nicht, etwas abzulehnen, nein zu sagen. Ich wollte alle glücklich machen. Mit zunehmendem Alter ist das nicht mehr wichtig.
Sie sagen, Ihr Leben sei normal. Wie definieren Sie normal?
Ich lebe in Los Angeles in einer sehr gediegenen Vorstadt-Gegend mit vielen Familien, nicht in einem der coolen Stadtteile. Ich lebe nicht den typischen Hollywood-Lifestyle, ich wohne mit meinem Freund in einem kleinen Haus zur Miete.
Sie wohnen zur Miete?
Meine Mutter lebt im schönen großen Haus, das wir gekauft haben. Sie sehen, ich bin eine gute Tochter... (lacht). Ich besitze ein Apartment in New York, aber als Investition. Ich vermiete es. Die schönsten Tage verbringe ich mit meiner Patentochter. Ihre Mutter, meine beste Freundin, wohnt gleich um die Ecke. Es ist sehr entspannt.
Sie haben einen deutschen Vater und immer noch Familie in Hamburg.
Ja, mein Opi lebt in Hamburg-Volksdorf.
Besuchen sie ihn in Deutschland?
Diesmal schaffe ich es leider nicht. Aber wenn ich in diesem Jahr noch zu einem anderen europäischen Filmfestival anreise, komme ich auf jeden Fall nach Hamburg. Mein Vater wird ihn Anfang September besuchen. Mein Vater und ich haben einmal eine Tour mit dem Auto durch Deutschland gemacht. Wir sind in Hamburg losgefahren und die Tour endete dann auch wieder dort.
Was machen Sie, wenn Sie in Hamburg sind?
Ich mag deutsches Essen sehr. Deswegen gehe ich oft essen. Ich trinke Hefeweizen oder ein schönes Pils. Und ich esse gerne am Bratwurststand. Es ist ein Klischee, aber ich liebe sogar Sauerkraut.
Wahrscheinlich ein genetischer Defekt.
(Lacht) So muss es wohl sein. Mein Vater macht meistens die Pläne für unsere Ausflüge. Am allerliebsten geht er in Hamburg ins Miniaturwunderland in der Speicherstadt am Hafen. Da ist diese große Modelleisenbahn aufgebaut. Und dann gehen wir meistens im Hafen spazieren. Wir waren sogar auf der Reeperbahn. Da hat er mir den Club gezeigt, wo die Beatles früher aufgetreten sind.
Sprechen Sie eigentlich Deutsch?
(Auf Deutsch) Ein kleines bisschen. Kinder-Deutsch. Aber verstehe mehr, als ich spreche. Ich kenne Gebete und Kraftausdrücke.
Was ist Ihr Lieblings-Schimpfwort?
Arschloch, glaube ich.
Das ist das Wichtigste.
Es ist so ein großartiges Wort und es macht so viel Spaß, es auszusprechen. Mein anderes Lieblings-Wort ist „gemütlich“. Es fühlt sich schon so kuschelig an, es nur sagen. Ich kann auch noch: Die Rechnung, bitte.
Was ist heute im Vergleich zu zehn Jahren früher für Sie wichtig?
Für mich ist es wichtig, mit einem Mann zu leben, mit dem ich Kinder bekommen möchte. Das ist gerade meine Priorität. Ich möchte Mutter werden. Ich bin jetzt 33 Jahre alt. Es wird langsam Zeit. Sonst bin ich irgendwann die älteste Mutter in der Nachbarschaft. Ich wünsche mir ein Baby. Und ich will meine Welt durch die Augen meines Kindes sehen. Es fühlt sich so gut an, Zeit mit meiner Patentochter zu verbringen. Wenn ich mich um sie kümmere, ist alles andere unwichtig.