Interview zu Hitchbot Gefühle lassen sich ausnutzen

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Menschen scheinen durchaus etwas für den trampenden Roboter Hitchbot zu empfinden. Verändert das die Beziehung zwischen Mensch und Maschine? Im Interview berichtet die Technikphilosophin Catrin Misselhorn von der Uni Stuttgart über die Chancen und Risiken.

Catrin Misselhorn ist Technikphilosophin an der Universität Stuttgart. Foto: privat
Catrin Misselhorn ist Technikphilosophin an der Universität Stuttgart.Foto: privat
Solange es sich um ein Spiel handelt schon. Aber ich sehe durchaus ein Missbrauchspotenzial, weil Emotionen von künstlichen Systemen instrumentalisiert werden könnten. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, die Bahn würde einen kleinen, niedlichen Roboter durch den Gang schicken, der über die Verspätung informiert. Sie sind vielleicht verärgert, aber der Maschine können Sie nicht böse sein. Wenn es solche Maschinen gäbe, müssten sich Menschen daher stärker von ihren Emotionen distanzieren. Auch das ist ein Grund, vorsichtig zu sein, denn diese Distanzierung könnte am Ende auch andere Menschen betreffen.
Sehen Sie auch Chancen, wenn Roboter Gefühle hervorrufen?
Soziale Roboter könnten in der Altenpflege eingesetzt werden. Nicht um menschliche Pflegekräfte zu ersetzen, sondern um es Menschen länger zu ermöglichen, allein in ihrer Wohnung zu leben. Der Roboter könnte zum Beispiel freundlich an die Tabletten erinnern. Zurzeit untersuchen wir aber, wie man hierbei die Werte der Menschen einbezieht: Mancher freut sich über die Erinnerung, andere nervt es vielleicht auch.
Die Initiatoren von Hitchbot sehen seine Reise auch als künstlerisches Projekt. Ist das der richtige Rahmen?
Die Kunst ist ein gutes Medium, um das auszuprobieren. Zum einen hat die Kunst Erfahrung darin, Emotionen hervorzurufen. Zum anderen bietet sie einen geschützten Raum. Hier geht es nicht sofort darum, den Verkauf eines Produkts zu fördern.
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