Interview zu Stuttgart 21 Die Angst vor dem Heimatverlust
Thomas Faltin und Erik Raidt, 06.03.2010 18:00 Uhr
Ortwin Renn sitzt auf dem Modell von Stuttgart 21, das im Bahnhofsturm zu sehen ist. Er sagt, dass wir den Frieden in die Stadt zurückbringen müssen. Foto: Heiss
Ortwin Renn sitzt auf dem Modell von Stuttgart 21, das im Bahnhofsturm zu sehen ist. Er sagt, dass wir den Frieden in die Stadt zurückbringen müssen. Foto: Heiss
""Stuttgart 21 ist zu einer Metapher für viele gesellschaftliche Kämpfe geworden.""
Renn über den Zulauf der Stuttgart-21-Gegner

Stuttgart - Tunnelsicherheit und Denkmalschutz - das sind für Ortwin Renn von der Universität Stuttgart nur vorgeschobene Argumente der Stuttgart-21-Gegner. Dahinter stünden tief sitzende Ängste, die man ernst nehmen müsse - am besten im Rahmen einer Bürgerbeteiligung.

Die Menschen fühlen sich von Stuttgart 21 überfahren, meint Ortwin Renn - was halten Sie von den Veränderungen in Stuttgart? Sagen Sie uns Ihre Meinung! »

Herr Renn, viele glauben, dass sie in den nächsten Jahren ihre alte Heimat verlieren werden - weil sich Stuttgart stark verändert. Können Sie diese Angst nachvollziehen?


Durchaus. Wir leben in einer Zeit, in der auch familiäre Bindungen schwächer werden: Der Sohn lebt in Los Angeles, die Tochter in Bremen. Da stellen sich viele immer drängender diese Frage: Wo komme ich eigentlich her? Wo gehöre ich hin? Die Geschichte wird interessant - vor allem die vor der eigenen Haustür. Gerade ältere Menschen suchen nach ihren Wurzeln.

In einer Großstadt spielt "Heimat" aber wohl eine geringere Rolle als auf dem Land.


Sie täuschen sich. Auch in einer Großstadt wie Stuttgart kann ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit entstehen. Nehmen Sie nur den Stuttgarter Westen. Viele seiner Bewohner sagen doch: "Hier fühlen wir uns wohl, die Gegend passt zu meinem Lebensgefühl." Deshalb engagieren sie sich in der Nachbarschaft: Sie kümmern sich um den Park um die Ecke, beseitigen Müll oder sammeln für ein neues Spielgerät.

Der Westen ist ein Stadtteil, der sich langsam verändert. Die Stuttgarter City steht dagegen vor einem Eingriff im ICE-Tempo.


Stuttgart 21 wird seit fast 20 Jahren geplant, und es wird noch einmal zehn Jahre lang gebaut. Da kann man nicht von einer Veränderung im Hochgeschwindigkeitstempo sprechen. Gehen Sie mal nach China, da erleben Sie Wandel im Zeitraffer.

Ein Großteil der Menschen fühlt sich dennoch überfahren.


Sie sprechen den Kern des Problems an. Die Menschen fühlen sich mit einem Raum emotional verbunden. Den Ort, an dem sie leben, möchten sie aber mitgestalten und nicht nur passiver Zuschauer der Veränderungen sein.

Kommentare (252)
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MRZ
18
Denker, 14:29 Uhr

mir kommt da so ein Verdacht

und zwar das "Fakten" und "Interessierter" ein und die selbe Person sind, quasi eine multipel-gespalte Persönlichkeit. Nutzer "Interessierter" für die intelligent und zum Teil witzig, aber immer auch spitzig formulierten Beiträge und "Fakten" für die aus der untersten Schublade, also der Wadenbeisser, der immer alles angreift und verdreht. Warum denke ich das? Fakten beendet seinen letzten Beitrag hier mit den Worten "wer Ironie findet...", welches eine beliebte Formulierung einzig und allein von Interessierter ist. Am Ende müssten wir feststellen das wir es hier nur mit einer Hand voll echten Befürwortern zu tun haben, eben so viele, wie es im echten Leben auch gibt. Das wäre wirklich schrecklich...

MRZ
17
Tatsachen, 23:01 Uhr

fakten

fakten, warum so ungehalten? Nervös? Sagen Sie doch Ihren Kollegen aus Ludwigsburg, Esslingen, Ostfildern, Großbottwar, undsoweiter, sie mögen sich von der ProS21-Internetseite fern halten. Oder kriegen Sie nicht genügend Befürworter aus der Stadt zusammen? Alles klar, Kumpel.

MRZ
13
Richy Mayer, 11:57 Uhr

Ich vermisse meine Entgegnung auf die ungeheuerlichen Vorwürfe dieses "fakten", die Montagsdemonstranten seien Kommunisten. Warum wird das unterdrückt. "fakten" darf hier aber wohl alles?

Siehe Betreff. Geben wir "fakten" die richtige Antwort: Montagsdemo, diesmal mit Super-Redner Egon Hopfenzitz, den muss man einfach erlebt haben, der kennt sich wie kein Zweiter aus mit Stgt. 21. Montag, 18 Uhr, Hbf, Nordausgang. Kommen Sie alle. Wehren wir uns gegen die haltlosen Unterstellungen dieses "fakten". Wir sind nicht alle Kommunisten, sondern ganz normale Bürger, die sich gegen diesen Milliardenbetrug Stgt. 21 wehren. Zeigen wir ihm die rote Karte. Platzverweis. In der 89. Minute.

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