Interview zu Stuttgart 21 „Mit einem Scherbenhaufen ist keinem geholfen“

Von Markus Heffner 

Bahn-Aufsichtsratsmitglied Alexander Kirchner sieht vor einer Gremium-Entscheidung zu Stuttgart 21 die Projektpartner vor Ort am Zug. Stadt und Land müssten sagen, was sie zu einer Alternativplanung beitragen.

  Foto: EVG
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Stuttgart - Alexander Kirchner, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bahn AG und Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, beziffert die Chance für Stuttgart 21 auf 50:50.
Herr Kirchner, wie steht der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn denn nun zum umstrittenen Projekt Stuttgart 21?
Es ist zunächst nicht unser Job, das Projekt zu bewerten oder gar Verbesserungsvorschläge zu machen. Wir müssen lediglich über den Antrag des Bahn-Vorstands entscheiden, der die Mehrkosten von 1,1 Milliarden Euro selber tragen will.

Sind Sie dafür oder dagegen?
Bevor der Aufsichtsrat solch eine Entscheidung treffen kann, müssen meiner Meinung nach erst noch die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dabei sehe ich nun die Projektbeteiligten am Zug.

Von denen Sie was erwarten?
Wenn das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart sich nicht an Mehrkosten beteiligen wollen, dann müssen sie Alternativen aufzeigen und erklären, ob sie dafür Geld ausgeben werden. Und auch der Bund als Eigentümer der Bahn hat sich noch nicht klar positioniert. Alle diese Fragen müssten vor einer Entscheidung beantwortet werden – und zwar von den Projektpartnern gemeinsam.

Viel Zeit bleibt allerdings nicht mehr, der Aufsichtsrat tagt ja schon am 5. März.
Dieser Termin ist in der Tat vom Vorsitzenden avisiert worden, aber er ist noch nicht bestätigt. Die Entscheidung wird wohl in den nächsten Tagen fallen. Klar ist natürlich, dass die Uhr tickt. Das Projekt wird mit jedem Tag teurer, daher . . .

.. . . wäre ein Ausstieg die beste Lösung?
Ein Ausstieg könnte letztlich genauso katastrophal wie ein Weiterbau ohne gesicherte Finanzierung enden. Ein Projektabbruch kostet aus heutiger Sicht wohl zwei Milliarden Euro – ohne dass man dann einen funktionsfähige Hauptbahnhof in Stuttgart hat. Mit einem Scherbenhaufen ist niemandem geholfen. Auf der anderen Seite wäre es aber genauso falsch, jetzt einfach nach dem Motto „Augen zu und durch“ zu verfahren. Die Projektpartner müssen sich daher auch gemeinsam über Alternativen Gedanken machen und offen darüber diskutieren.

Welche Chancen geben Sie dem Projekt Stuttgart 21 noch?
So wie die Dinge derzeit liegen, steht es wohl 50:50, ob der Stuttgarter Bahnhof nun gebaut wird oder nicht.
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97 KommentareKommentar schreiben

fragwürdige Praxis: Schön, dass in den Kommentaren Stuttgart 21-Gegner mitreden dürfen. Noch schöner wäre es freilich wenn auch Befürworter ihre Kommentarer öfter in der StZ lesen könnten. Ob das wohl die Möglichkeiten der StZ übersteigt?

@ingrid pfleiderer: Als Fritz Kuhn bei seiner Antrittsrede S21 infrage stellte und sagte man müsse seiner Meinung nach über Alternativen reden wurde er umgehend wüst angegriffen von den S21 Befürwortern. D.h., wenn man anregt, dass man gerne über Alternativen reden würde, weil man S21 für schlecht hält, wird man umgehend niedergepöbelt. Und die gleichen Pöbler verlangen dann ausgearbeitete Alternativkonzepte. Man soll ausgearbeitete Konzepte über etwas vorlegen über das man nicht reden darf. Schon ein bisschen krank diese Forderung, nicht? Des Weiteren ist die aktuelle Situation, dass es sich S21 im Schwebezustand befindet, aber der Finanzierungvertrag noch gültig ist. Das ist ja das, was Kretschmann immer sagt: Er ist an die Verträge gebunden. Ob es ihm passt oder nicht. Würde man jetzt öffentlich mit Alternativen anfangen, könnte das bei einem möglichen Gerichtsverfahren gegen die Regierung verwendet werden(Verstoß gegen Projektförerdungspflicht und so) bzw. könnte von der Bahn sogar als Anlass benutzt werden auszusteigen und das Land zu verklagen. D.h. den GRÜNEN sind im Moment wegen dem Erbe der Schwarz-Gelben Vorgänger die Hände gebunden.

@ Ingrid Pfleiderer = Die SCHWARZEN rasen von einem Erfolg zum nächsten: JAWOLL Frau Pfleiderer, die SCHWARZEN rasen von einem epochalen Erfolg zum nächsten!! Eine unbeschreibliche Serie der historischen Siege liegt nun hinter uns: Der Ausstieg aus dem Atomausstieg. Dann die Kehrtwende! Danach eindrucksvolle Werbung der Kanzlerin für Mappus!! Nach 58 Jahren wird die SCHWARZE Herrschaft beendet. Danach besucht Frau Merkel NICHT Stuttgart NICHT die Bürger der Stadt - NEIN - Frau Merkel besucht TURNER!!! So stand es auf den retuschierten Plakaten!!! Tja , was für ein ERFOLG: 'S 21 geht nur MIT Turner' rief die Kanzlerin. Enorm! Nun ja, die Werbung für den CDU Kandidaten in Karlsruhe ging dann auch in die HOSE... Ach ja, aber ansonsten? Unglaubliche Ansammlung von Überfliegern - die allerdings sich verflogen hatten. WULFF? SCHAVAN? und all die anderen Erfolge... Also Frau 'PFLEIDER' feiern sie weiter!! WIR freuen uns über all diese glorreichen Erfolge und freuen uns natürlich auf die nächsten Wahlen!!

@flippo 11.32 Uhr: GRÜNE stehen mit leeren Händen da: Werter Forist flippo, wer behauptet, das teils schon im Bau befindliche S21 tauge nichts, muss sehr wohl den Beweis führen, dass er etwas Besseres hat, was das kostet und wie er es durchziehen und bezahlen würde. Bloß Mosern geht bei einer Regierungspartei nicht mehr, einer Opposostion kann man das vielleicht noch durchgehen lassen. Das früher im Wahlkampf so hoch gepriesene Modell K21 haben die Grünen selber beerdigt und mit keinem einzigen Wort mehr im Koalitionsvertrag aufgeführt. Den bloßen Hinweis auf den bestehenden Sackbahnhof machen nicht mal mehr die Grünen, weil sie wissen, dass hier sehr wohl viel und Dringendes getan werden müsste - abgestimmt mit einem machbaren, modernen Zukunftsszenario fürs ganze Land. Die grüne Partei kann jedoch hierzu absolut nichts vorweisen. Für eine Regierungspartei, die sich angeblich den Umweltschutz und öffentlichen Nahverkehr auf die Fahnen geschrieben hat, ist das eine Bankrotterklärung.

Endstation Stuttgart21: alle aussteigen und umsteigen: 'Es ist traurig wenn für Politiker offenbar meinen sie könnten mit dem Geld umgehen als wäre es Konfetti. Aber irgendwann ist halt auch beim Steuergeld Aschermittwoch !'

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