Interview zu Stuttgart 21
„Von diesem Streit geht ein Signal aus“
Erik Raidt,
28.01.2012 08:25 Uhr
Der Südflügel des Hauptbahnhofs ist wegen der Bauarbeiten abgesperrt. Foto: dpa
Stuttgart – - Noch nie zuvor hat die Auseinandersetzung über ein Großprojekt eine Stadt in Deutschland so aufgewühlt und politisiert, sagt der Berliner Protestforscher Dieter Rucht. Der Konflikt über Stuttgart 21 sei in dieser Hinsicht einzigartig. Im StZ-Interview spricht Rucht, ein Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac, über selbstbewusste Bürger und die Gründe dafür, warum viele Gegner nach dem Volksentscheid nicht lockerlassen.
Herr Rucht, der Volksentscheid über die Landesfinanzierung von Stuttgart 21 ist vorbei. Das Ergebnis war eindeutig, aber der Protest geht weiter.
Ich habe nicht erwartet, dass sich der Protest sofort auf ein Häufchen reduziert, sondern dass immer noch Tausende bei den Demonstrationen weiter dabei sind. Das kann, allerdings in verringertem Umfang, jahrelang weitergehen – so ähnlich wie beim Widerstand gegen das Atomkraftwerk Gundremmingen, wo seit Jahrzehnten eine kleine Gruppe wöchentlich eine Mahnwache abhält.
Das geschieht aber weitgehend unbeachtet.
Ja, das sind Unentwegte. Sie rücken auch deshalb nicht von ihrem Protest ab, weil sie vor sich selbst nicht mehr bestehen würden. Sie sehen sich als Unbeugsame, die aus Überzeugung dabeibleiben. In zugespitzter Form findet man das bei Sekten. Damit will ich nicht sagen, dass die Stuttgart 21-Gegner eine Sekte sind. Sie sind sozial keineswegs isoliert. Und sie haben Argumente.
In Stuttgart hat sich eine regelrechte Protestkultur entwickelt, und für manche ist daraus sogar ein soziales Netz entstanden.
Beim Protestieren kann so etwas wie eine größere Familie oder ein soziales Netz entstehen. Man kennt sich, man schätzt sich und man beobachtet, wie viel die anderen in den Protest investieren. Wenn man sieht, dass sie viel tun, dann erwächst daraus eine Verpflichtung mitzuziehen. Das ist ein unausgesprochener Treueschwur: „Wir müssen zu unserer Sache stehen!“ Wer abwandert, kann sozial sanktioniert werden; es kann ein Gesichtsverlust drohen.
Ein prägender Wesenszug beim Streit über Stuttgart 21 war die Wagenburgmentalität auf beiden Seiten. Die Meinung der anderen wurde lange nicht respektiert.
Der Straßenprotest erfordert eine Zuspitzung und damit eine Frontbildung. Protest auf der Straße heißt, Dinge zu vereinfachen und auf den Punkt zu bringen. Damit markiert man einen grundsätzlichen Meinungsunterschied oder gar eine Kampfsituation: David gegen Goliath. Oder die Bürger gegen den Staat.
Das ist sehr plakativ . . .
. . . ja, aber es heißt nicht automatisch, dass der Protest intellektuell schmalbrüstig wäre. Gerade bei Stuttgart 21 haben sich die Gegner sachkundig gemacht. Beide Seiten haben ein breites argumentatives Repertoire – und beide reden oft aneinander vorbei. Die einen reden dann von Zeitersparnis, die anderen von den hohen Kosten oder den drohenden Gefahren, beispielsweise für das Grundwasser.
Der Volksentscheid hat dem Projekt eine Richtung gewiesen – was können die Projektträger dafür tun, um langfristig für eine Befriedung zu sorgen?
Eine Politik des rigorosen Durchziehens wäre grundverkehrt. Dieses Muster hat schon in der Vergangenheit die Gegner aufgebracht. Wenn das weitergehen würde, würde es die Fronten erneut verhärten. Kommunikation und Argumentation sind gefragt. Ein harter Kern von Gegnern wird weiter protestieren. Sie sind überzeugt, dass sie die besseren Argumente haben und dass diese im Zuge des Volksentscheids nur nicht entsprechend zum Tragen kamen. Deshalb fühlen sie sich immer noch argumentativ und moralisch überlegen.
Herr Rucht, der Volksentscheid über die Landesfinanzierung von Stuttgart 21 ist vorbei. Das Ergebnis war eindeutig, aber der Protest geht weiter.
Ich habe nicht erwartet, dass sich der Protest sofort auf ein Häufchen reduziert, sondern dass immer noch Tausende bei den Demonstrationen weiter dabei sind. Das kann, allerdings in verringertem Umfang, jahrelang weitergehen – so ähnlich wie beim Widerstand gegen das Atomkraftwerk Gundremmingen, wo seit Jahrzehnten eine kleine Gruppe wöchentlich eine Mahnwache abhält.
Das geschieht aber weitgehend unbeachtet.
Ja, das sind Unentwegte. Sie rücken auch deshalb nicht von ihrem Protest ab, weil sie vor sich selbst nicht mehr bestehen würden. Sie sehen sich als Unbeugsame, die aus Überzeugung dabeibleiben. In zugespitzter Form findet man das bei Sekten. Damit will ich nicht sagen, dass die Stuttgart 21-Gegner eine Sekte sind. Sie sind sozial keineswegs isoliert. Und sie haben Argumente.
In Stuttgart hat sich eine regelrechte Protestkultur entwickelt, und für manche ist daraus sogar ein soziales Netz entstanden.
Beim Protestieren kann so etwas wie eine größere Familie oder ein soziales Netz entstehen. Man kennt sich, man schätzt sich und man beobachtet, wie viel die anderen in den Protest investieren. Wenn man sieht, dass sie viel tun, dann erwächst daraus eine Verpflichtung mitzuziehen. Das ist ein unausgesprochener Treueschwur: „Wir müssen zu unserer Sache stehen!“ Wer abwandert, kann sozial sanktioniert werden; es kann ein Gesichtsverlust drohen.
Ein prägender Wesenszug beim Streit über Stuttgart 21 war die Wagenburgmentalität auf beiden Seiten. Die Meinung der anderen wurde lange nicht respektiert.
Der Straßenprotest erfordert eine Zuspitzung und damit eine Frontbildung. Protest auf der Straße heißt, Dinge zu vereinfachen und auf den Punkt zu bringen. Damit markiert man einen grundsätzlichen Meinungsunterschied oder gar eine Kampfsituation: David gegen Goliath. Oder die Bürger gegen den Staat.
Das ist sehr plakativ . . .
. . . ja, aber es heißt nicht automatisch, dass der Protest intellektuell schmalbrüstig wäre. Gerade bei Stuttgart 21 haben sich die Gegner sachkundig gemacht. Beide Seiten haben ein breites argumentatives Repertoire – und beide reden oft aneinander vorbei. Die einen reden dann von Zeitersparnis, die anderen von den hohen Kosten oder den drohenden Gefahren, beispielsweise für das Grundwasser.
Der Volksentscheid hat dem Projekt eine Richtung gewiesen – was können die Projektträger dafür tun, um langfristig für eine Befriedung zu sorgen?
Eine Politik des rigorosen Durchziehens wäre grundverkehrt. Dieses Muster hat schon in der Vergangenheit die Gegner aufgebracht. Wenn das weitergehen würde, würde es die Fronten erneut verhärten. Kommunikation und Argumentation sind gefragt. Ein harter Kern von Gegnern wird weiter protestieren. Sie sind überzeugt, dass sie die besseren Argumente haben und dass diese im Zuge des Volksentscheids nur nicht entsprechend zum Tragen kamen. Deshalb fühlen sie sich immer noch argumentativ und moralisch überlegen.
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"Burghard Korneffel" – Eigentlich eine überflüssige Diskussion
„In den neuen Zentrum-Stadtteil müssen auch Familien mit Kindern einziehen. So kommt urbanes Leben in das Viertel. Ein reines Geschäfts- und Bankenviertel wäre eine grauenvolle Vision.“ Da rennen Sie bei mir offene Türen ein. Nur, ich glaube schon aus technischen Gründen nicht an diesen Traum. Denn für mich ist als einer, der etwas Ahnung vom Eisenbahnsystem hat, eines klipp und klar geworden. Wenn S21 tatsächlich zu Ende gebaut werden würde (was ich durch die stümperhafte Planung und Organisation der Bahn einfach nicht mehr glauben kann!), ist entweder bis dahin sicher, a) daß die Privatbahnen durchgesetzt haben, den Kopfbahnhof weiterbetreiben zu können, b) daß endgültig Klarheit darüber herscht, daß S21 ohne den Kopfbahnhof S21 nie und nimmer funktionieren wird. Letzter Punkt wird eher realistisch werden, da die 49 Züge nie und nimmer glaubhaft sind, aber das ist ein Extra-Thema. Jedenfalls wird sich der Traum eines neuen Stadtteils auf dem Gelände des heutigen Kopfbahnhofs mit samt dem Gleisvorfeld in Luft auflösen. Begraben Sie besser diesen Traum, sie werden dann hinterher nicht enttäuscht sein. – Oben bleiben!
Aufgeklärter
Ich sehe nirgends ein Problem. Ich habe nur die Zahlen von Herrn Korneffel richtiggestellt. Das ist alles.
Klartext der Lügenbaron
Belegen sie bitte die Zahlen der ca.50.000 Demonstranten am 9.10.2010 ! Sie behaupten wirr irgendwelche Zahlen! Den Spiegel haben wir Ihnen vorgehalten!!! Dass die CDU ihre Anhängerschaft mit Bussen(natürlich auf Parteikosten) zum Sektempfang mit Demonstration auf den Schloßplatz gekarrt hat ist Fakt und damit stehen die gekauften Ja-Sager aus sonstwoher auf ihrer Seite! Sie picken sich einfach das raus was ihnen gefällt und machen ihren Stempel drunter. So nicht ! Lassen sie sich selbst was einfallen!