Interview zum Filderbahnhof plus „Keine Variante der Vernunft“

Von Thomas Braun 

Die Staatsrätin für Bürger­beteiligung und Zivilgesellschaft, Gisela Erler, verteidigt im StZ-Interview den S-21-Bürgerdialog auf den Fildern auch nach dem Aus für die Variante Filderbahnhof plus.

Gisela Erler Foto: dpa
Gisela ErlerFoto: dpa
Stuttgart – Der Filderbahnhof plus ist gescheitert. Das Bedauern von Gisela Erler darüber hält sich freilich in Grenzen.
Frau Erler, sind Sie persönlich enttäuscht über das Aus für den Filderbahnhof plus?
Nicht wirklich. Ich möchte hier nochmals festhalten, dass sich eine Mehrheit der Teilnehmer beim Filderdialog nicht für diese Variante, sondern für die Gäubahn-Direktverbindung ausgesprochen hat. Gleichwohl hatte der Filderbahnhof plus zunächst Charme, weil es bei der ersten Betrachtung so erschien, als ob er nicht viel teurer oder sogar billiger gebaut werden könnte als die Antragstrasse der Bahn. Die Prüfung durch Bahn und Verkehrsministerium hat das Gegenteil ergeben. Insofern kann man mit Blick auf die Haushaltssituation auch nicht von einer Variante der Vernunft sprechen, wie es manche gerne tun.

Wird durch das Scheitern nicht im Nach­hinein der von Ihnen mitinitiierte Filder­dialog entwertet?
Der Filderdialog war ein Versuch der Bürgerbeteiligung im Rahmen sehr enger Vorgaben. Ziel war es, Alternativen zur problematischen Antragstrasse zu finden. Es gab eine Reihe von sehr intelligenten Vorschlägen der Bürger, die vor 15 Jahren die Planungen der Bahn auf den Fildern durchaus positiv hätte beeinflussen können. Aber der Prozess war schon weit fortgeschritten, die Rahmenbedingungen waren gesetzt. Die Prämissen für den Filderdialog waren nun einmal der Kostenrahmen und der Direktanschluss der Gäubahn an den Flughafen – im Übrigen so beschlossen von allen Projektpartnern.

Sind Großprojekte, die bereits ein so fort­geschrittenes Stadium erreicht haben wie Stuttgart 21, nicht völlig ungeeignet, um solche neuen Beteiligungsformen zu erproben?
Das sehe ich anders, auch wenn das den Filderdialog erschwert hat. Schließlich hat ja auch die Bahn großes Interesse am Filderdialog gehabt. Sie war sozusagen mit die Mutter des Verfahrens, vielleicht auch deshalb, weil sie darin eine Chance sah, sich in puncto Bürgerbeteiligung zu rehabilitieren. Natürlich hätte schon früher über eine optimale Lösung diskutiert werden müssen. Aber immerhin wird nun auch der Filderbahnhof plus im weiteren Verfahren durch das Eisenbahn-Bundesamt alternativ zur Antragstrasse geprüft. Vielleicht kommt die Genehmigungsbehörde ja auf diese Variante zurück.

Die Opposition im Landtag wirft Ihnen und dem grünen Teil der Landesregierung vor, die Bürger im Dialog getäuscht zu haben. Was sagen Sie dazu?
Dieser Vorwurf kommt immer wieder, aktuell von den Gegnern des Nationalparks Nordschwarzwald. Ich sehe das nicht so. Der Filderdialog war ein Stück weit der Versuch, die Quadratur des Kreises zu schaffen. Aber die Menschen sind nicht getäuscht worden. Die Rückmeldungen haben uns gezeigt, dass die Teilnehmer vielmehr verstanden haben, wie schwierig die Ausgangssituation war.
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Fahrplanlücken: Genau, und wenn ein Zug verspätet ist, dann bekommt er durch die Lückensuche eine weitere Verspätung dazu. Genau das hat das VWI ja in seinem 'Gutachten' einfach mal so ausgeschlossen, also die Realität einfach verbogen.

Kostendeckel auch beim Filderbahnhof: Der Kostendeckel gilt auch beim Filderbahnhof +++ 'Für uns Grüne in Baden-Württemberg ist klar: Der Kostendeckel bei Stuttgart 21 gilt und zwar für das Gesamtprojekt, also inklusive der Planungen auf den Fildern. Wir Grünen sind nicht bereit, die künstliche Aufteilung des Projektes in scheinbar finanzierte und nicht finanzierte Abschnitte mit zu machen und damit die Kostenexplosion zu verschleiern. Für uns ist das auch eine Frage der Glaubwürdigkeit angesichts der klaren Vereinbarungen im Koalitionsvertrag und der Zusagen vor der Volksabstimmung.' ____________________________________________________________ http://gruene-bw.de//news/article/der-kostendeckel-gilt-auch-beim-filderbahnhof.html?no_cache=1&cHash=e565a22e71595cf780f48e154f720850

Wiederholung derselben falschen Behauptungen durch S21-Gegner: An den falschen Eisenbahner, Lohnschreiber der Miethaie: 'Mit S21 wird diese Strecke niemals finanzierbar sein, geschweige denn wäre ein leistungsfähiger S-Bahn-Takt möglich.' Das gegenteil ist richtig, S21 sorgt mit einem leistungsfähigen Bahnknoten Flughafen erst für eine Wirtschaftlichkeit einer Filder-S-bahn, weil diese dann einen schnellen Zubringer zu RE und ICE darstellt. Und außerdem wird die Strecke vom Flughafen zur Wendlinger Kurve mit S21 ohnehin schon gebaut und finanziert, so dass eine verlängerte S-Bahn über Sielmingen und Neuhausen-Nord sich autobahnnah dort einfädeln und nach Wendlingen, Kirchheim oder Reutlingen weiterführen ließe. _____________________________________________________________ 'Denn wie Sie ja wissen, kann der S-Bahn-Verkehr auf den Fildern aufgrund der auf den S-Bahn-Gleisen rollenden Fernzüge nicht ausgebaut werden.' Das ist Unsinn. Es soll gerade einmal ein einziger Fernzug pro Stunde und Gleis auf den Fildern fahren, die Mischverkehrsstrecke ist gerade einmal 6,5km kurz. Das behindert sich überhaupt nicht, selbst ein 15-Minuten-takt der S-bahn wäre problemlos möglich. Ich darf darauf hinweisen, dass es die S21-Gegner und K21-Anhänger waren - u.a. Sie - die auf der Filderstrecke mehrere Zuglinien fordern, von der Ringbahn über die 'Express'-Pendelbahn und mehrere RE. Mit diesen 6-8 Zügen pro Richtung und Stunde zusätzliche würde der Mischverkehr erheblich dichter und der S-bahn-Takt wäre tatsächlich nicht zu verdichten, weil alles in der Station Terminal abgewickelt wird (mit welchen Bahnsteighöhen? S-Bahn und Gäubahnzüge können nicht barrierefrei am selben Bahnsteiggleis halten!). Wieso sollen bei S21 also nicht 2 Züge zusätzlich über die Filderstrecke fahrbar sein, mit dem Sackbahnhof aber 6 bis 8? Das ist ein krasser Widerspruch! _________________________________________________________________ 'Beides ist mit S21 nicht möglich, weil mit S21 ja die Züge nicht mehr direkt in den Hauptbahnhof eingefädelt werden sollen, sondern stattdessen auf der Mischstrecke Vaihingen-Flughafen hinter den S-Bahnen herzuckeln sollen.' Es gibt kein 'hinter den S-bahnen herzuckeln', das ist eine Erfindung der S21-Gegner. Die Fahrzeitdifferenz auf der nur 6,5km kurzen Strecke zwischen Rohrer Kurve und Flughafen-Terminal beträgt ca. 2 Minuten aufgrund der 3 Halte der S-Bahn. Selbst, wenn man die ICE und RE also auf die Durchschnittsgeschwindigkeit der S-bahn verlangsamen müsste, würden sie nur 2 Minuten verlieren. Muss man zum Glück aber nicht, da 20minütige Fahrplanlücken zwischen den S-Bahnen existieren, wo locker ein RE oder ICE auch im Verspätungsfall fahren kann.

Mit Stuttgart21 zurück in die Steinzeit statt von Siegern lernen: Über die traurige Realität deutscher Verkehrspolitik: Die Schweiz hat das mit Abstand erfolgreichste Bahnsystem der Welt. Keiner fährt mehr Bahn als die Schweizer, und der Trend weist steil nach oben. Warum? Weil der Integrale Taktfahrplan optimale Verbindungen für alle Schweizer bietet, egal wohin sie fahren. ----- In Deutschland hingegen stagnieren die Fahrgastzahlen im Fernverkehr seit zwanzig Jahren. Warum? Weil in Deutschland Erfolgskonzepte wie der ITF ignorant abgelehnt und stattdessen Schrumpfbahnhöfe wie Stuttgart21 gebaut werden, in denen Anschlusszüge wegen Gleismangel nicht aufeinander abgestimmt werden können. Umsteigende Reisende müssen elend lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Somit ist die Bahn in Deutschland nur auf wenigen Relationen konkurrenzfähig. Die Mehrheit der Deutschen nimmt das Auto. ----- Stuttgart21 ist trotz der futuristischen Optik ein Schritt zurück in die Steinzeit des Bahnverkehrs. Traurig, aber wahr!

Antragsstrecke: Mit der Antragstrasse blamiert sich die Bahn bis auf die Knochen, so viel ist sicher. Warum sollte also eine grün-rote Landesregierung der Bahn den A**** retten, die 15 Jahre lang Murks geplant hat? Erst wenn das Projekt offensichtlich scheitert, werden die hier bissigen Kommentare der Befürworter ein Ende haben. Schade, dass dann schon so viel zerstört wurde. Aber anders kapieren es die S 21 Fans leider nicht.

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