Interview zum Musikfest "Veränderungen sind immer nötig"
Götz Thieme, 24.08.2010 08:58 Uhr
Berthold Leibinger fühlt sich der Bachakademie zutiefst verbunden. Foto: factum/Weise
Berthold Leibinger fühlt sich der Bachakademie zutiefst verbunden. Foto: factum/Weise


Wir werden den Bereich wieder stärken.

Was müsste passieren, damit Sie sich mit der Arbeit der Bachakademie nicht mehr identifizieren könnten?


Ich fühle mich der Bachakademie so verbunden, weil ich über die totale Identifikation der handelnden Personen mit einem geistig/geistlichen Anliegen begeistert bin. Ich hoffe, dass diese Identifikation noch lange erhalten bleibt. Ich möchte betonen, dass ich die Arbeit nicht auf Kirchenmusik verengt sehe: Das war der Ausgangspunkt, über den man bald hinausgewachsen ist. Aber die Kirchenmusik bleibt ein wichtiger Bezugspunkt.

Sie sind ein wichtiger Förderer der IBA. Ist es Zufall, dass auf der Webseite der Berthold-Leibinger-Stiftung die Hugo-Wolf-Akademie und das Literaturarchiv Marbach, nicht aber die IBA als Empfänger von Zuwendungen genannt werden?


(lacht) Das ist sicher Zufall. Wir sind nach wie vor sehr mit der IBA verbunden. Allgemein hat sich das Engagement der Förderer erstaunlich gut gehalten, trotz der schweren wirtschaftlichen Situation der letzten Jahre. Ich hatte da große Sorgen. Natürlich wird das Spenderverhalten der großen Firmen davon beeinflusst. Wir haben aber keinen wesentlichen Spender verloren, und wir haben etliche neue gewonnen. Dafür bin ich sehr dankbar. Wir haben 2009 einen leicht positiven Abschluss, 2010 sieht auch gut aus; die Etats sind etwas zurückgenommen worden. Unsere Eigenfinanzierung ist sehr hoch, über 70 Prozent.

Etliche Unternehmen haben sich aus Kulturförderung und -sponsoring zurückgezogen: die Kölner Kunstmesse Art Cologne verlor 2009 die Unterstützung der Deutschen Bank, beim Berliner Theatertreffen 2010 sprang der Energiekonzern EnBW ab. Ist das nur ein vorübergehender Ausdruck der Krise oder etwas Grundsätzliches?


Das ist eine schwierige Frage. Alte Leute glauben immer, dass die, die nach Ihnen kommen, kein Verständnis für das haben, was wichtig ist. Obwohl ich glaube, dass wir eine Generation von Unternehmensleitern haben, die anders denkt als meine oder die vorherige Generation. Nehmen wir die deutsche Bank: Hermann Josef Abs war ein großer Förderer der Künste - Josef Ackermann ist es auch, denkt aber sicher in manchem anders. Man muss heute stärker im Blick haben, wen man durch die geförderten Projekte erreichen kann und will.
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