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Interview zum Musikfest "Veränderungen sind immer nötig"

Götz Thieme, vom 24.08.2010 08:58 Uhr
Berthold Leibinger fühlt sich der Bachakademie zutiefst verbunden. Foto: factum/Weise
Berthold Leibinger fühlt sich der Bachakademie zutiefst verbunden. Foto: factum/Weise
Stuttgart - Berthold Leibinger gehört zu den Förderern der Internationalen Bachakademie Stuttgart (IBA) und steht zugleich in der Verantwortung als ihr Vorstandsvorsitzender. Er macht sich Gedanken, wie es dereinst nach Helmuth Rillings Abschied mit der Institution weitergeht.

Herr Leibinger, wissen Sie schon, welche Termine Sie beim Musikfest Stuttgart auf keinen Fall versäumen wollen?


Ich gehe immer zum Eröffnungsgottesdienst in der Stiftskirche und zum Eröffnungskonzert, diesmal zum zweiten Termin am Sonntag, wenn Helmuth Rilling Monteverdis Marienvesper dirigiert.

Können Sie sich mit dem Musikfestthema "Nacht", das eher allgemein und assoziativ bleibt, anfreunden?


Wir haben im Vorstand darüber gesprochen, und ich würde es begrüßen, wenn die nächste Thementrilogie wieder stärker Bezug auf die Ursprünge der Bachakademie nimmt. Es gibt den Plan, das Thema Glaube, Liebe, Hoffnung aufzugreifen.

Beim Musikfest wird viel geboten: Werke von Stockhausen, Ligeti und Kurt Weill, das Eröffnungskonzert wird unter anderem mit Musik von Rimski-Korsakow, Chausson und Wagner bestritten - entfernt man sich da nicht von Traditionen der Bachakademie?


Rilling hat ja immer auch die neue Musik gefördert, ich erinnere an das "Requiem der Versöhnung", das fünfzig Jahre nach Kriegsende gemeinsam von vierzehn zeitgenössischen Komponisten geschrieben wurde, sowie an das Passionsprojekt im Jahr 2000. Wir müssen immer wieder den Mut haben, anderes, auch Modernes zu wagen - wobei mir immer wichtig ist, dass der Bezug zur geistigen Haltung gewahrt bleibt, der die Bachakademie von jeher ausmacht. Aber wir müssen auch, wenn ich es unternehmerisch sagen darf, an die Kernkompetenzen der Bachakademie denken.

Eigentlich hat Helmuth Rilling seinen Rückzug zum Ende dieses Jahres angekündigt. Wie ist der Stand? Rilling scheint weitermachen zu wollen. Wissen Sie Genaueres?


Rilling sieht sehr klar, dass das, was da unter seiner Leitung entstanden ist, erhalten bleiben muss - er ist ja der Gründerunternehmer der Bachakademie. Trotzdem müssen wir alle irgendwann den Lebensjahren Tribut zollen. Und im Übrigen bleibt Helmut Rilling der Bachakademie auf Lebenszeit als Dirigent verbunden. Mit der Nachfolge wollen wir uns konkret nach dem Musikfest befassen.

Man sagt, dass Rilling nicht vor seinem achtzigsten Geburtstag im Mai 2013 zurücktritt.


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