Interview zur Datensicherheit Europas IT-Sicherheit steht hinten an

Von Bernhard Walker 

Das Thema Datenschutz ist für viele Bürger aktueller als je zuvor. Viele durchschauen das Wirrwarr von Informationsdaten nicht. Europa hinkt bei der IT-Sicherheit hinter den USA und China her, beklagt Rainer W. Gerling von der Max-Planck-Gesellschaft.

Rainer W. Gerling sagt, in Europa fehlten viele Bausteine für die IT-Sicherheit aus eigener Produktion. Foto: StZ
Rainer W. Gerling sagt, in Europa fehlten viele Bausteine für die IT-Sicherheit aus eigener Produktion.Foto: StZ
Berlin- - Den technologischen Rückstand zu überwinden setze eine konzertierte Strategie und Geduld voraus, sagt Rainer W. Gerling, der Datenschutz- und IT-Sicherheitsbeauftragte bei der Max-Planck-Gesellschaft.
Das Prism-Programm und das offenbar riesige Abschöpfen von Internetdaten der Bundesbürger durch die NSA beschäftigt die Öffentlichkeit. Nun hat die Bundeskanzlerin gesagt, dass es in Europa Mängel in der IT-Sicherheitstechnik gebe. Europa müsse eine ambitionierte IT-Strategie auflegen. Gibt es den Mangel, den Merkel ausmacht?
Was die Kanzlerin genau meint, kann ich als Außenstehender nicht beurteilen. Tatsache ist aber, dass uns in Europa viele Bausteine für die IT und die IT-Sicherheit aus eigener Produktion fehlen.
Wo sind diese Lücken?
Das meistverbreitete Betriebssystem ist Windows, das ein amerikanisches System ist. Ein europäisches System gibt es nicht. Der führende Anbieter für Netzwerktechnik ist Cisco. Und Cisco ist wie der Windows-Hersteller Microsoft eine amerikanische Firma. Neben Cisco stellt zum Beispiel der chinesische Anbieter Huawei Netzwerktechnik her. Bei den sogenannten Firewalls dominieren amerikanische Hersteller den weltweiten Markt. Und die PCs selbst werden vorwiegend in Asien hergestellt. Wir können also die gesamte IT durchgehen: Deutsche oder europäische Anbieter werden wir dabei fast nur in Nischen finden. Aber nicht in einer starken Rolle.
Warum ist das so?
In den USA spielte alles rund um die IT und das Internet früher eine größere Rolle als in Europa. Und der US-Markt ist sehr groß, während Europa an der Stelle lange eher zersplittert auftrat. Lassen Sie mich das an einem Beispiel klarmachen: Vor einigen Jahrzehnten beschloss Europa, mit dem Airbus eine Konkurrenz zum US-amerikanischen Flugzeugbauer Boeing zu etablieren. Das wäre nicht gelungen, wenn nur ein europäischer Staat oder einzelne europäische Forscher und Firmen das versucht hätten. Dazu bedurfte es einer gewissen Größe und des klaren Willens, einen Boeing-Konkurrenten zu schaffen. So etwas hat es mit Blick auf die IT nicht gegeben.
  Artikel teilen
2 KommentareKommentar schreiben

Jaja...: ... "Mängel in der IT-Sicherheitstechnik". Was bringt die beste Sicherheit, wenn es mmer irgendwelche Leute gibt, welche diese wissentlich umgehen? Anstelle über angebliche "Mängel" zu lamentieren, könnte man auch hergehen und den Standpunkt der Bevölkerung zu der Abhöraffäre -ohne wenn und aber- vertreten und nicht ständig versuchen, aus Erklärungsnot und "es gefällt mir doch" heraus die Ursachen der Probleme in andere Bereiche zu lenken, anstelle sich selbst zuzuweisen. Ich dachte, wir hätten senerzeit "Volksvertreter" und nicht "eigene-meinungs-Vertreter" gewählt?

Ob die USA in puncto: IT-Sicherheit weiter ist, glaube ich nun wirklich nicht. Wer die dortige Regionalität der Anbieter, Provider und Netzgesellschaften anschaut, kann nicht wirkluich aufgrund der impliziten Rückständigkeit an eine bessere Sicherheitstechnologie glauben.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.