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Stuttgart - Heiko Kuhn sitzt am elterlichen Esstisch. Ein smarter Typ, gut aussehend, ein bisschen Flaum an den Backen und unterm Kinn. Eines von diesen Bürschchen, die die Welt ruinieren.
Heiko Kuhn ist Investmentbanker bei einer großen Bank in Deutschland. "Eine Heuschrecke", sagt er lächelnd. Heiko Kuhn heißt nicht so, seinen richtigen Namen will er nicht in der Zeitung lesen, auch nicht, wo er arbeitet. Die Branche ist klein, und über Internas zu sprechen wird nicht gerne gesehen. Er weiß selbst am besten, dass es Exzesse in der Branche gibt, in diesem System, in dem Tag für Tag Aktien im Wert von 500 Milliarden Dollar gehandelt werden, Devisen im Wert von vier Billionen Dollar den Besitzer wechseln. Aber eines ärgert ihn: "Wir werden alle über einen Kamm geschoren. Wir stehen auf einer Stufe mit Schwerverbrechern."
Der 35-Jährige ist seit sieben Jahren in dem Geschäft, Teil des größten Spielcasinos der Welt. Er ist ein "normaler" Investmentbanker, keiner von den wenigen Hedgefondsmanagern, die mit Milliarden jonglieren. Kuhn ist im Bereich Equity Sale tätig. Vereinfacht gesagt ist er eine kleine Ratingagentur. Moody's auf zwei Beinen. Er spricht den Kunden, Managern von Fonds etwa, Empfehlungen aus, welche Aktien sich lohnen oder nicht. Er beobachtet den Markt, trifft sich auf sogenannten Roadshows mit Anlegern oder telefoniert mit institutionellen Anlegern. Geld bewegt er nur indirekt. Sein Arbeitgeber lebt davon, dass seinen Empfehlungen Umsätze folgen, also Transaktionen getätigt werden. Zwischen 100.000 Euro und bis zu 20 Millionen Euro bewegt sich die Spanne. "Ein geringer Handelsumsatz ist das Schlimmste. Je mehr sich bewegt, desto größer ist die Provision. Ob verkauft oder gekauft wird, ist egal." Ein Bruchteil des Gegenwerts bleibt bei der Bank.
Weltweit protestieren Menschen gegen Finanzmärkte
Das Ansehen der Finanzbranche ist so niedrig wie noch nie. Weltweit gehen Menschen gegen die Finanzmärkte auf die Straße. Kuhn selbst hat noch keine negativen Erfahrungen gemacht. "Es ist nicht so, dass ich auf Partys schief angeschaut werde." Verständnis für die öffentliche Empörung hat er. Manches sei berechtigt, sei es an Strukturen wie auch an Personen. "Die Arschlochdichte ist enorm groß", sagt Kuhn: "Es gibt viele großkotzige Typen in der Branche." Es sei ja auch schwer, sich der Faszination des Geldes zu entziehen: "Man kommt von der Uni und fliegt auf einmal Business Class, verdient viel Geld. Manche kriegen da die Kurve nicht mehr. Es muss immer mehr sein. Der Porsche, die Rolex. Es wird teilweise mächtig geprotzt."
Auch ihn hat nach Banklehre und BWL-Studium die Aussicht auf das viele Geld gelockt. Mit 40.000 Euro Gehalt hat er angefangen, zuzüglich Boni, die im besten Fall noch mal so viel ausmachen. Heute verdient er deutlich mehr, ein Vielfaches, wenn es gut läuft. Es ist viel Geld im Spiel. Und es ist ein Teufelskreis, wenn die Gier obsiegt. Mehr Risiko, höhere Gewinne, größere Boni. Anders gehe es nicht, sagt Kuhn: "Menschen sind das einzige Kapital. Es wird ja nicht wie bei Daimler oder BMW etwas hergestellt. Wenn eine andere Bank mehr zahlt, dann gehen die Guten eben da hin, und die Geschäftsgrundlage ist weg."
Der Job ist hart. Es ist finanzielle Fließbandarbeit. 60 bis 70 Stunden sind normal, manche arbeiten 100. Die meisten Investmentbanker sind jung, zwischen Ende 20 und Ende 30. Es ist kein Job für die Ewigkeit. Sein Tag beginnt um sechs, mit n-tv, die Zusammenfassungen der US-Börse. Um sieben studiert er im Büro die wichtigsten Zeitungen, die Analystenkommentare. Dann folgt das erste Meeting mit den Analysten und Volkswirten, die die neuesten Zahlen und Ereignisse kommentieren. Um 9 Uhr öffnet die Börse. Es wird hektisch.


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Broker
Auch andere Branchen arbeiten wie die Finanzbranche,sind skrupellos.So bei den Medien. Freie Mitarbeiter werden mit Hungerlöhnen abgespeist.Im Niedriglohnsektor und den 400 Euro-Jobs, der Zeitarbeit. Es gibt viele Beispiele. Das Wort "Arschlochdichte" in diesem Artikel ist jedoch noch nett ausgedrückt, aber trotzdem unangemessen.
Finanzbranche und Menschen
Liebe Redaktion, das Wort der "Arschlochquote" in dem Artikel lese ich in der Stuttgarter Zeitung zum ersten Mal. Ich bin geschockt! Was für ein Niveau,nicht zu fassen...Übrigens: Die Umgangsmentalität in der Finanzbranche gibt es in der Medien- und Kommunikationsbranche zuhauf. So müssen Mitarbeiter in sogenannten Call-Centern jeden Tag eine Abschlussquote erbringen, d.h.jeden Tag Verkäufe tätigen, auch Vertreter von Produkten werden sofort gefeuert,wenn nicht 10 Staubsauger verkauft werden, koste es, was es wolle. Dieser Umgang ist bei Zeitarbeitern noch sehr viel schneller und ausgeprägter.Arme Arbeitwelt.Immer schneller für den Profit von anderen. Wie kann man dies verändern?