Iron Man 3 Robert Downey Jr.: Gefangen und geborgen im Stahlkorsett

In Iron Man 3 spielt Robert Downey Jr. den Milliardär Tony Stark, der in einer Hightech-Rüstung Terroristen und Außerirdische bekämpft. Der Streifen lässt sich als Fortsetzung einer lukrativen Serie sehen, die brav die Erwartungen bedient.

Diese ramponierte Rüstung und ihr ramponierter Ritter (Robert Downey Jr.) sind nicht mehr zufrieden miteinander Foto: Verleih
Diese ramponierte Rüstung und ihr ramponierter Ritter (Robert Downey Jr.) sind nicht mehr zufrieden miteinanderFoto: Verleih

Stuttgart - Stille Nacht, nicht ganz so heilige Nacht: Ein gebeugter Kerl stapft durch die verschneiten Straßen eines ruhigen Wohnviertels und schleift etwas wie einen Schlitten voller Sorgen hinter sich her. Weil es Weihnachten ist, weil die Last Menschenform und rote Farbe hat, könnte man auf den Gedanken kommen, ein Straßenräuber habe den Weihnachtsmann erschlagen.

Allerdings sind wir zu diesem Zeitpunkt längst mittendrin in Shane Blacks Superheldenfilm „Iron Man 3“. Wir wissen also, dass es sich bei dem Gebeugten um den von Robert Downey Jr. gespielten Milliardär Tony Stark handelt, der in einer Hightech-Rüstung Terroristen und Außerirdische bekämpft. Und was Stark da hinter sich her zieht, das ist eben diese Rüstung, in der er soeben mit Müh und Not dem Tod entronnen ist, die einiges abbekommen hat und vorerst keinen Mucks mehr tut.

An dramaturgischem Handwerkszeug, könnte man nun sagen, steht einem Autorenteam in so einem Spektakel mit Comicwurzeln ja auch kaum etwas anderes zur Verfügung: Entweder die Gegner werden mächtiger als bisher, oder die Kräfte des Helden versagen vorübergehend.

Wer Prügeleien sehen will, ist hier richtig

Fraglos lässt sich „Iron Man 3“ also als brav die Erwartungen bedienende Fortsetzung einer lukrativen Serie sehen. Der gern mal arrogante, schnippische, auch selbstverliebte Stark gesteht uns anfangs, er sei an seinen aktuellen Schwierigkeiten selbst schuld. Der Industrielle und Erfinder, hat vor Jahren mal einen anderen klugen Kopf böse abfahren lassen. Nun setzt der Gekränkte ihm zu, unter anderem jagt er Starks Haus nebst dem Iron-Man-Labor in die Luft. Wer ins Ironische gedrehte Allmachtsfantasien und erderschütternde Prügeleien sehen, wer sarkastische Sprüche hören und Downeys Wer-Katastrophen-ernst-nimmt-hat-schon-verloren-Grimassen genießen möchte, ist in „Iron Man 3“ immer noch richtig.

Aber Shane Black, der den Regiestuhl von Jon Favreau übernommen hat, gilt dank seiner Drehbücher für die „Lethal Weapon“-Serie und für „Last Action Hero“ als Vordenker des modernen Actionkinos, als einer, der weiß, dass Lärm, Kinetik und leinwandfüllende Destruktion alleine vielleicht Kasse, aber keinen Film machen. Black schreibt und inszeniert nicht einfach eine Effektparty, bei der nach und nach jeder Gimmick von Starks Rüstung einmal zum tösenden Einsatz kommt.

Und so setzt sich aus über den Plot hinausgehenden Zusatzinformationen in den Bildern und aus Subtexten des Drehbuchs eine zweite Geschichte zusammen, zu der auch die eingangs geschilderte Szene gehört. Stark und seine Rüstung sind zwar zweierlei. Aber kommen sie ohne einander noch klar? Was tun sie einander an? Ist Iron Man eine Kampfmaschine, die langsam ohne Stark funktioniert, dank ihrer Künstliche-Intelligenz-Software? Oder ist eine schizophrene Abspaltung des Menschen, die nach Macht giert?

Extrem teures Feuerwerk

Mit immer neuen Motiven spielt Black den Fragenkomplex durch. Da läuft zum Beispiel die Rüstung durchs Haus und spricht mit Starks Freundin (Gwyneth Paltrow). Die will, dass er endlich die Maske hebt, damit sie ihn küssen kann. Aber Stark ist ganz woanders und schickt nur seine Stimme in den Eisenkerl. Von hier aus infiziert die Frage, ob die drohend glotzende Rüstung gerade hohl ist oder den ganzen Stark birgt, alle anderen Bilder.

Zum Showdown ruft Stark alle seine Stahlkorsette herbei, die ältesten, nicht ganz so kräftigen, und die neuesten, noch nicht zu Ende erprobten, und dann saust diese Privatarmee durch den Himmel, als habe jede biografische Häutung ein autonomes Ego zurückgelassen. Mit dieser Identitätsverwirrung macht Stark Schluss, indem er die Rüstungen als extrem teures Silvesterfeuerwerk in die Luft sprengt. „Ich bin Iron Man“, sagt er, nun in Zivil gewandet, als sei etwas endgültig entschieden.

Man kann das auch als symbolisch ausgetragenen Kampf sehen, ob im Spektakelkino von heute die digitalen Spezialeffekte oder noch immer die menschlichen Schauspieler Herz und Seele bilden. Aber an der sauberen Lösung darf man zweifeln.

Die Maske führt ein Eigenleben

Immer wieder sieht man zuvor im Film, wie Stark das neueste Update seiner Rüstung testet. Er muss sie nicht mehr umständlich anziehen, er kann ihre Einzelteile auf weite Entfernung herbeiwinken, die Teile sausen auf ihn zu und schmiegen sich um ihn. Aber wie sie hier sausen, das hat Geschosscharakter. Sie knallen in ihn hinein, als seien sie nicht sicher, ob sie ihn einfach nur einsperren oder gleich zerfetzen sollen. Die Gesichtsmaske scheint ein besonderes Eigenleben zu führen, den Unmut eines nicht mehr länger duldsamen Sklaven auszudrücken. Dieser Kampf ist noch nicht entschieden. In Iron Man stecken noch ein paar Geschichten.

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