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Italienischer Elternverein Gegen das Ghettogefühl
Cedric Rehman, 12.02.2012 11:00 Uhr
Federico Rapino, der Vorsitzende des Italienischen Elternvereins Degerloch. Foto: Cedric Rehman
Federico Rapino, der Vorsitzende des Italienischen Elternvereins Degerloch. Foto: Cedric Rehman

Degerloch - Es gab auch Zeiten, da klingelte die Polizei bei Federico Rapino. Der umtriebige Degerlocher, der auch als ausländischer Sachverständiger im Degerlocher Bezirksbeirat mitarbeitet, erinnert sich gut an die Zeiten, als die Integration der Italiener im Bezirk höchstens ein Ziel und die Arbeit des von ihm gegründeten Italienischen Elternvereins dringender denn je war.

In den 70er-Jahren fühlten sich gerade die Kinder der sogenannten Gastarbeiter nicht wirklich willkommen in dem Land, in dem ihre Eltern Arbeit gefunden hatten, sagt Rapino. „Viele wurden einfach auf die Sonderschulen abgeschoben“, erinnert er sich. Manche sind sogar auf die schiefe Bahn geraten. 1977 gründete Rapino einen Verein, um zumindest etwas für die Kinder von 200 italienischen Familien im Bezirk zu tun. „Ich habe fast jede Mutter und jeden Vater einzeln angesprochen und zur Mitarbeit aufgefordert.“ Mithilfe des italienischen Konsulats organisierte der frisch gegründete Verein Nachhilfestunden in Mathematik und Deutsch – beides natürlich in der Sprache des Gastlandes. Außerdem förderte der Verein Kontakte zwischen italienischen und deutschen Kindern bei Festen und Freizeitaktivitäten. „Wir wollten verhindern, dass sie mit einem Gefühl aufwachsen, im Ghetto zu leben.“

Der Wunsch nach Anschluss sei zunächst auf Seite der Deutschen auf Skepsis gestoßen, erinnert sich Rapino. „Das ging bei der Religion los. Viele evangelische Deutsche wollten nicht, dass ihre Kinder mit italienischen Katholiken spielen.“ Nach 30 Jahren und dem Wandel der Bundesrepublik zu einer multireligiösen Gesellschaft scheint der Italiener sich selbst diese Vorbehalte zwischen Christen kaum noch vorstellen zu können, genau wie viele andere Ressentiments, die Italiener und Deutsche damals getrennt haben. Die Bürger eines Landes, das Teil der Europäischen Union ist, wirken mittlerweile kaum noch exotisch im Einwanderungsland Deutschland. Das hat auch die Aufgaben des Vereins verändert. Um Hilfe bei Problemen mit Behörden oder an den Schulen gehe es selten, sagt Rapino. Viel eher versuche der Elternverein kulturelle Wurzeln am Leben zu erhalten und die deutsch-italienische Freundschaft zu fördern.

Die Resonanz der Deutschen sei mittlerweile überwältigend. „Ich bin froh, dass unser Verein etwas dazu beitragen konnte, dass wir Italiener in Degerloch und Stuttgart heimisch geworden sind.“

ITALIENISCHER ELTERNVEREIN

Anschrift: Freischützstraße 3, 70597 Stuttgart

Vorsitzender: Federico Rapino

Gründungsjahr: 1977

Mitgliederzahl: rund 80

Stuttgart aktiv

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