James-Bond-Symposium an der Stuttgarter Kunstakademie Der Bundesnachrichtendienst fährt Bahn

Von Petra Mostbacher-Dix 

„Geschüttelt, nicht gerührt“ ist nur einer der Sprüche, um die es an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart ging: Dort ist das erste James-Bond-Symposium ausgerichtet worden.

Nicht ohne meine Knarre: so sah es auch der-Bond-Darsteller Sean Connery Foto: dpa
Nicht ohne meine Knarre: so sah es auch der-Bond-Darsteller Sean ConneryFoto: dpa

Stuttgart - Mikrogeräte zum Abhören und zur Ortung? Ja! Eine Uhr, die schießt? Hatte ich nicht, aber hätte ich gerne gehabt!“ Trocken ist er auch ohne Martini, der Humor, mit dem Michael Willkomm über die Welt der Spionage berichtet. Der Mann vom Bundesnachrichtendiensts (BND) ist von Berlin nach Stuttgart an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste gereist, weil es dort um einen cineastischen Kollegen geht, dessen Markenzeichen der trockene Martini wie ebensolche Sprüche sind.

„Bond, James Bond“, Spion mit Doppel-Null-Status, der legendären Lizenz zum Töten, wird von sieben Vortragenden analysiert beim ersten James-Bond-Symposium. Vor Willkomm sprach Christine Berberich von der University of Portsmouth über „Die problematische ‚Englishness‘ von James Bond“, die Münchner Publizistin Sandra Hofmeister beschrieb „Utopie, Dystopie und Alltag: Architektur für 007“, und Karin Schulte vom Weißenhof-Institut der Kunstakademie konstatierte: „Das wäre dem anderen nie passiert.“

Das Frauenbild der Bond-Filme wandelt sich

Schulte war es denn auch, die seit Jahren die Idee eines James-Bond-Symposiums mit sich herumtrug: „Seit 54 Jahren prägen diese Filme die Ästhetik des Genres, nehmen Zeitgeist auf und sind ihm voraus.“ In James Bonds „Man lebt nur zweimal“ entdeckte sie dann die Möbel von bekannten Designern wie Robert Haussmann, der an der Stuttgarter Kunstakademie unterrichtete – und der Symposiumsstoff war geboren. Auch die Rektorin der Akademie, Petra von Olschowski, betont: „In den Filmen stecken so viele Aspekte, die für eine Kunstakademie mit Fächervielfalt interessant sind: Architektur, Kunst, Design, Medien, Film, Musik, Mode, Bühne, Gadgets – und Gesellschaftliches wie Genderthemen.“

Sind die Frauen etwa in den Anfangsjahren noch Playboy-Häschen in bester Hugh- Hefner-Tradition, wandeln sie sich langsam zu selbstbewussten Agentinnen, die 007 zunehmend das Wasser reichen können, meinte Cordula Lemke in „Boys with Toys: James Bond und die Frauen“. Mit Daniel Craig, so die Professorin von der Freien Universität Berlin, sei gar in „Casino Royale“ ein Bond auf dem Plan, der sich hinterfragt und zum Objekt wird, als er – wie einst Honey Ryder alias Ursula Andress – aus den Fluten der Karibik steigt. Und seine berühmte Vorstellung habe er einer Frau entlehnt. „In ‚Dr. No‘ stellt sie sich zuerst vor als ‚Trench, Sylvia Trench‘.“