Krimikolumne

James Lilliefors: „Wer Mord sät“ Gediegene Jagd nach mordlustigen Kunsträubern

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Zum zweiten Mal schickt James Lilliefors sein Ermittlerduo Amy Hunter und Luke Bowers auf Mörderjagd. Dieses Mal ist der Gegner ein durchtriebener Kunsthändler und -hehler. Oder lauert die Wahrheit womöglich ganz woanders?

James Lilliefors hat mit der Polizistin Amy Hunter und dem Pastor Luke Bowers ein sympathisches Ermittlerduo geschaffen. Foto: Janet Johnson
James Lilliefors hat mit der Polizistin Amy Hunter und dem Pastor Luke Bowers ein sympathisches Ermittlerduo geschaffen.Foto: Janet Johnson

Chesapeake Bay - Die Touristin Susan Champlain besucht den Pastor Luke Bowers und hat Verstörendes mitzuteilen: Ihr Mann habe ihr damit gedroht, sie verschwinden zu lassen. Der Grund: ein vordergründig harmloses Foto, im Vorbeigehen mit dem Smartphone geknipst. Noch in derselben Nacht wird die Leiche von Susan Champlain gefunden am Fuße einer Klippe gefunden. Offensichtlich ist sie heruntergestoßen worden – und das Ermittlerduo Amy Hunter/Luke Bowers steckt mitten in einem neuen Fall.

Bald stellt sich heraus, dass auf dem Foto, das die gemeuchelte Susan Champlain geschossen hat, tatsächlich mehr zu sehen ist als zunächst vermutet. Hunter und Bowers geraten auf die Spur eines dubiosen Kunsthändlers, der nur mit Stücken allerhöchster Qualität handelt, die letztlich unbezahlbar sind. Offenbar geht es in dem Fall um ein verschollenes Kunstwerk des Meisters Rembrandt.

Der spannende Rahmen der Handlung fußt auf einem tatsächlich geschehenen Bubenstück, und zwar den größten Kunstraub der US-Geschichte: Dem Diebstahl von 13 Kunstwerken aus dem Bostoner Isabella-Stewart-Gardner Museum im theoretischen Wert von einer halbe Milliarde Dollar. 1990 ist das passiert und seither fehlt von den Kunstwerken jede Spur. In die Kriminalgeschichte eingegangen ist der Fall als der „Gardner Heist“.

Auch Lilliefors’ neuer Krimi spielt in Chesapeake Bay, ein Ostküstenbucht, die so lieblich ist, wie sie klingt. In diesem Käsekuchen von einer Landschaft sitzen die Paare abends gemeinsam mit einem Glas Wein in der Veranda, den gelbbraunen Labradormischling zu Füßen und die Familienplanung fest im Blick. In den gediegenen Seafood-Restaurants werden in Butter gedünsteter Hummer sowie Filet Mignon mit Hummerschwanz gespeist, der sonntägliche Kirchgang ist Pflichtprogramm.

Sachlich und unbeirrt macht sie Amy Hunter, wohlwollend unterstützt von Luke Bowers, an die Ermittlungen und bis der Mörder von Susan Champlain entlarvt ist, plätschert einiges Wasser die Chesapeake Bay hinab – einen Camouflage-Twist, der den Leser an der Wahrheit von Gute und Böse zweifeln lässt – inklusive. Alles in allem ist „Wer Mord sät“ solide Krimikost für die Liebhaber der amerikanischen Ostküste.

James Lilliesfors: Wer Mord sät. Kriminalroman. Lyx Taschenbuch, 416 Seiten, 9,99 Euro.