Japanische Notenbank verkündet Strafzinsen Auch Tokio setzt weiter auf Geldschwemme

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Nach dem Beispiel der Europäischen Zentralbank führt auch die Bank of Japan einen Strafzins ein. Damit soll die Kreditvergabe an die Wirtschaft angekurbelt werden. Die Börsen jubeln.

Die asiatischen Börsen wie die in Tokio haben mit Kurssprüngen auf die Entscheidung der Notenbank reagiert. Foto: dpa
Die asiatischen Börsen wie die in Tokio haben mit Kurssprüngen auf die Entscheidung der Notenbank reagiert.Foto: dpa

Frankfurt - Die Aussicht auf weiterhin billiges und reichlich vorhandenes Geld der Notenbanken hat am Freitag die Anleger rund um den Globus in Kauflaune versetzt. Nachdem die japanische Notenbank überraschend beschlossen hatte, dass Finanzinstitute auf ihre laufenden Konten bei der Bank von Japan (BoJ) eine Gebühr von 0,1 Prozent zahlen müssen, stiegen die Kurse an den wichtigsten Aktienmärkten. Auch der deutsche Leitindex Dax legte zu. Die Geldpolitik Japans folge nun dem Vorbild der Europäischen Zentralbank (EZB), erklärten Analysten. Ähnlich wie bei der EZB dürfte dieser Schritt darauf abzielen, die Kreditvergabe der Banken zu stimulieren. Allerdings verfolgt die Bank of Japan damit auch währungspolitische Überlegungen. Der Yen hatte in den vergangenen Monaten gegenüber wichtigen Währung deutlich aufgewertet, was die Exportchancen japanischer Unternehmen verschlechtert.

Als Reaktion auf den Zinsentscheid geriet der Kurs der japanischen Währung ins Rutschen. Ein Dollar verteuerte sich um bis zu 2,1 Prozent auf 121,35 Yen. Parallel dazu sank der Euro auf 1,0908 Dollar. Schließlich habe die EZB bereits angedeutet, dass sie bei ihrer Ratssitzung im März die Geldpolitik weiter lockern wolle, hieß es. Die Geldhäuser der Eurozone müssen auf ihre Einlagen bei der EZB einen Strafzins von derzeit 0,3 Prozent zahlen. Gleichzeitig pumpen die Währungshüter monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte, um die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abzuwenden.

Kreditvergabe an Unternehmen im Euro-Raum kommt trotz der immensen Geldflut nicht richtig in Schwung

Der Erfolg blieb allerdings bisher aus. Die Kreditvergabe an Unternehmen im Euro-Raum kommt trotz der immensen Geldflut nicht richtig in Schwung. Banken vergaben im Dezember nur 0,3 Prozent mehr Kredite an nicht zur Finanzwirtschaft zählende Firmen als vor Jahresfrist, wie die EZB am Freitag mitteilte. Im November hatten sie noch 0,9 Prozent mehr Darlehen an Unternehmen weitergereicht. An die Privathaushalte im Währungsraum vergaben die Geldhäuser 1,4 Prozent mehr Darlehen als ein Jahr zuvor. Die Euro-Wächter erwerben seit März 2015 Staatsanleihen in großem Umfang, womit sie Monat für Monat Milliarden in das Finanzsystem pumpen. Damit wollen sie die Titel als Investment für Banken unattraktiver machen und sie so dazu anregen, mehr Darlehen an die Wirtschaft zu vergeben.

Diesen Weg geht nun auch die japanische Notenbank, die ebenfalls rund 600 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich in die Märkte pumpt. Die Entscheidung für diese Maßnahme fiel im Rat der japanischen Notenbank mit fünf zu vier Stimmen aber äußerst knapp aus. Ähnlich wie der EZB macht auch den Währungshütern in Tokio der drastische Verfall des Ölpreises zu schaffen, der die unerwünscht niedrige Inflationsrate drückt.

Japan macht die maue Nachfrage aus Asien zu schaffen

Japan gilt als gebranntes Kind, da es lange Zeit in einer deflationären Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und stockenden Investitionen gefangen war. Die BoJ geht dagegen mit viel billigem Geld vor. Die asiatischen Börsen reagierten mit Kurssprüngen auf die Entscheidung der Notenbank. „Es ist klar, dass sie nicht die letzte Notenbank sein wird, die in den kommenden Monaten zu solchen Maßnahmen greifen wird“, sagten Analysten. Die EZB hat bereits angedeutet, dass sie die Geldpolitik im März weiter lockern könne, während sich die Währungshüter der US-Notenbank Fed darum bemühen, in kleinen Schritten das Zinsniveau wieder an ein „normales“ Niveau anzuheben wie es vor der Finanzkrise von 2008 üblich war.

Japan macht die maue Nachfrage aus Asien – insbesondere aus China – zu schaffen, wohin mehr als die Hälfte der Exporte gehen. Manche Experten haben Zweifel, ob die BoJ mit ihrer Strategie richtig liegt. Der Strafzins hat laut Ökonom Martin King vom Beratungshaus Titon Capital Advisors einen Haken: „Das ist der Versuch, mit der Brechstange für Investitionen zu sorgen. Statt Zuckerbrot gibt es nur Peitsche.“

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