Jazz-Open Stuttgart Wenn Sterne am Himmel prangen
Ulrich Bauer, 19.07.2010 07:25 Uhr
 Foto: apn
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Stuttgart - Das Mercedes-Museum und die Porsche-Arena liegen 500 Meter auseinander - sehr günstig für das Festival Jazz-Open, das in diesem Jahr hier zwei seiner Spielorte hat. Die Anbetung des Autos in Verbindung mit dynamischem Musikgenuss mag gerade in dieser Stadt ja nahe liegen und hat sich längst ins Bewusstsein des Publikums geschlichen. Das Geld für die Kultur muss ja schließlich irgendwoher kommen. Und dieses "Woher?" mag zwar eine Frage sein, an der sich hitzige Debatten entfachen können, doch dass in einer Halle wie der Porsche-Arena mitten in der Sommerhitze ein wohltemperiertes Klima herrscht und angenehme Temperaturen die weit über den Jazz hinaus aufnahmebereiten 2.500 Köpfe verwöhnen, ist zumindest ungewöhnlich. Da braucht es auch keine euphorisch anpreisenden Worte eines Moderators, der den ersten Tönen der ersten Kapelle des Eröffnungsabends mit feuchten Augen entgegensieht und das dem Publikum auch mitteilt. "Green Onions" und "Time is tight"? Ja, ja.

Richtiger Sound und hoher Wiedererkennungswert


Wir sind ja nicht auf der Oldie-Nacht. Doch Booker T hat seine Hits tatsächlich in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehabt und eröffnet zusammen mit seiner Kapelle als nun selbst strammer Spätsechziger das Festival. Er tut das entspannt, zu entspannt. Zunächst ein bisschen Jukebox spielen: "Green Onions" gleich als zweiter Titel, mit "Born under a bad sign" ein bisschen gedämpfte Bluestragik, "Sittin' on the dock of the Bay" macht alten Helden müde Beine, und "Hold on" ist die soulgefärbte Durchhalteparole bei extremen Gefühlstemperaturen.

Booker T zehrt von seiner großen Zeit. Die Orgel eines bestimmten Herstellers mit gutem Klang ist sein Markenzeichen, das er aber überraschenderweise bald mit der Gitarre tauscht. Seine aktuelle Band spielt so nett wie auf einem Dorfball, seine MGs aber, sie hatten damals noch einen richtigen Sound. Im Original. Jetzt ist bei Booker T vieles nur Zitat.

Einen richtigen Sound und einen hohen Wiedererkennungswert haben hingegen Earth, Wind & Fire. Demnächst würden sie ihr vierzigjähriges Bühnenjubiläum feiern, sagt der Sänger Philip Bailey ganz kurz. Seine Falsettstimme ist eines der Erkennungszeichen der Band, deren Klangkörper einst der jazzgestählte Maurice White als Kopf der Band ersonnen hat. Dass er krankheitshalber jetzt auf der Bühne nicht mehr dabei ist, seiner Band aber dennoch als Produzent, Komponist, Arrangeur und Inspirationsquelle dient, wirkt sich positiv aus. Funk und Disco der achtziger Jahre klingen bei diesen zwölf Musikshowartisten höchst lebendig, Songs wie "Boogie Wonderland", "Fantasy" oder "September" verbinden Melodie, Harmonie und populäre Eingängigkeit vortrefflich.

Gitarren-Groove des weltbesten Gitarristen


Sicher, Earth, Wind & Fire ist eine gut geölte Entertainmentmaschine, doch eine mit Witz, Geist und starken Pointen: Die Arrangements sind raffiniert und kommen oft spektakulär auf den Punkt. Die Tempi wechseln wirkungsvoll, Groove und Getragenes, Soli und Tutti gehen famos ineinander. Nicht nur Verdine White als Bassist, Bruder und Statthalter von Maurice hat da seinen eigenen Stil. Als Zappelphilip ist er ein Widerpart zum Sänger Philip Bailey, der seine Falsettstimme effektsicher einsetzt und sich dabei in Harmoniestimmen eingebettet weiß. "Shining Star" und "Let's groove tonight": da ist ein Wippen und ein Schnippen, toll, denn Earth, Wind & Fire sind ein auf dem Dancefloor ryhthmisch blitzendes Monument des Disco-Funk.

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