Strohgäu Extra
 
Je später der Einkauf, desto gemütlicher
"Strohgäu Extra", 12.12.2011 02:41 Uhr
Leonberg Am Vorabend zum dritten Advent hatten die Läden imLeo-Center bis Mitternacht geöffnet. Von Elisa Wedekind

Eigentlich müsste bei den Händlern in diesem Jahr schon allein deswegen eine besondere Stimmung herrschen, weil sich das Weihnachtsgeschäft auf gefühlte fünf Adventssamstage verteilt. Doch Obacht: Die letzte Chance für Weihnachtseinkäufe ist am Samstag, 24. Dezember - an Heiligabend haben die Läden aber nur bis mittags geöffnet.

Umso länger hat es am Wochenende zumindest im Leo-Center Gelegenheit zum Shoppen gegeben. 14Stunden am Stück hatten die Geschäfte im Leo-Center für alle Kauffreudigen geöffnet. Die Resonanz der Händler fiel sehr unterschiedlich aus (siehe Infokasten).

Für die Kunden war die lange Einkaufsnacht vor allem eines: Unterhaltung. Zwischen Schokoladennikoläusen, Tannenzweigen und Weihnachtsliedern hieß es für die Kunden: entspannt einkaufen bis um Mitternacht. Kaum zu glauben, aber viele der Flanierer am Samstagabend waren männlichen Geschlechts.

So wie Boris Schmieder und sein Freund Luis Weidelich. Die 19-jährigen Schüler aus Renningen wollten eigentlich "nur mal eben schnell was für die Freundinnen zu Weihnachten" besorgen. Und eigentlich seien sie auch mit genauen Vorstellungen losgezogen, erzählt Boris Schmieder. Nur, dass sie, nach sage und schreibe zwei Stunden Einkaufstour durchs Leo-Center, mit neuen Klamotten nach Hause gehen würden, das hätten sie nicht gedacht.

"Unverhofft kommt eben oft", scherzt Luis Weidelich. Wo er jetzt allerdings das Geld für das Weihnachtsgeschenk seiner Freundin hernehmen soll, das weiß er noch nicht.

Solche "Zufallskäufe" kennt der Saturn-Geschäftsführer Ralf Schilke gut. Auch bei ihm haben am Samstag einige Kunden eingekauft, ohne es geplant zu haben. "Meist Männer, deren Frauen in Ruhe shoppen wollten", so Schilke, der gegen diese Form der Betreuung nichts hat. Aber es seien auch viele Kunden mit gezielten Wünschen gekommen. Beklagen konnte sich Schilke über das Samstagsgeschäft nicht. "Wir hatten eine sehr hohe Kundenfrequenz", erklärt er. Dennoch, gegen Abend sei dann der Durchlauf deutlich weniger geworden. "Vielen reicht es, wenn wir bis 20 Uhr offen haben", sagt Schilke. Außerdem seien es ja noch zwei Wochen hin bis Heiligabend, der große Ansturm komme erst noch. Um genau dem zu entgehen, hat sich Hildegard Breitner fürs abendliche Einkaufen entschieden. Die letzten Jahre habe sie sich immer samstagmittags ins Getümmel gestürzt. "Darauf hatte ich dieses Mal keine Lust", meint sie. Mit einem Einkaufszettel bewaffnet, ist sie um 19.30 Uhr ins Leo-Center gefahren. Und hatte um genau 21 Uhr alle nötigen Geschenke beisammen. "So macht Weihnachten Spaß", sagt sie lachend und gönnt sich noch einen Tee.

Die Fachgeschäfte der beiden Leonberger Werbegemeinschaften setzen konzeptionell eher auf verkaufsoffene Sonntage außerhalb des Weihnachtsgeschäftes. Im Leo-Center mit seinen 90 Adressen auf drei Ebenen funktionieren hingegen die langen Nächte mitten in der Stadt.

"Viele genießen es, entspannt und ganz in Ruhe zu schauen", erklärt Thomas Adams, der Geschäftsführer von Karstadt. Das bestätigte auch Susanna Cardoso, Abteilungsleiterin bei Vero Moda und Jack&Jones. "Tagsüber war viel los, jetzt am Abend läuft alles ohne Hektik", sagt sie.

Hektik und Stress, die konnte auch Thomas Jensen am Samstagabend nicht gebrauchen. Mit Kaffee und Zeitung verbrachte er den halben Abend in einem Café. Zwar sei er mit Frau und Tochter hergekommen, erzählte der Leonberger. Schnell habe er aber festgestellt, dass Weihnachtseinkäufe nichts für ihn sind. Bis dahin genoss er lieber das Unterhaltungsprogramm, mit dem das Leo-Center bei der großen Einkaufsnacht aufwartete. Weihnachtsstimmung, an dieser Stelle ganz ohne Einkaufszwang.

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