Es mutet im ersten Moment schon eigenartig an, wenn der italienische Autohersteller Fiat eine Geburtstagsparty in den USA veranstaltet. Doch dazu gibt es allen Grund: Seit dem vorletzten Jahr hat der Konzern aus Turin stufenweise die angeschlagene Chrysler-Gruppe übernommen. Damit haben die Turiner plötzlich nicht mehr nur vornehmlich kleine Stadtflitzer wie den praktischen Panda oder den knuffigen 500 im Programm, sondern auch Geländegänger mit großem Hubraum und vielen Zylindern, die den Markennamen Jeep am Kühlergrill tragen. Grund zum Feiern gibt der 70. Geburtstag dieser Geländewagenmarke, und so stehen in Utah neben der aktuellen Fahrzeugpalette auch die 70.-Anniversary-Edition-Jubiläumsmodelle sowie historische Fahrzeuge zum Ausritt ins Gelände bereit.
Die Meilensteine der Unternehmensgeschichte zeigen, wie alles einst begann: Im Rahmen eines 1940 vom US-Militär ausgeschriebenen Wettbewerbs zur Herstellung eines leichten Aufklärungsfahrzeuges konstruierte der Automobilhersteller Willys-Overland den Willys Quad. Das Fahrzeug erhielt die offizielle Bezeichnung Willys MA und später MB, weltweit war er aber nur unter einem Namen bekannt: Jeep.
Vor der beeindruckenden Kulisse des Arches-Nationalparks in Utah brettert ein olivfarbener Willys MB, Baujahr 1944, über die staubigen Pisten, als läge seine Geburtsstunde höchstens sieben Jahre, aber keine sieben Jahrzehnte zurück. Mit nur 1113 Kilogramm Gesamtgewicht und immerhin 45 kW (61 PS) Motorleistung legt der Ur-Jeep ein ordentliches Tempo vor. Lange Zeit hatte der Allrad-MB der US-Armee als Truppentransporter, Kommandofahrzeug, Krankenwagen, Waffenplattform und Taxi treue Dienste erwiesen. Nach Kriegsende ließ Willys die Bezeichnung Jeep als Markennamen registrieren und passte das Militärfahrzeug an den zivilen Markt an.
Fast 150000 Einheiten dieses Jeeps CJ-2A wurden in den Jahren 1945 bis 1949 verkauft, aber dies war nur der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Denn bis zum 70. Geburtstag der Marke sollten mehr als 15 Millionen Jeep-Fahrzeuge von den Bändern gelaufen sein.
Im Herzen Amerikas lädt auch der Willys-Overland Jeep Station Wagon zu einer kleinen Rundfahrt ein. Hatte der CJ-2A sein hauptsächliches Einsatzgebiet in der Landwirtschaft, war der Station Wagon als fünfsitziges Familienfahrzeug gedacht. In den Wirren der Nachkriegszeit tat sich Willys-Overland allerdings schwer damit, einen Karosserieteile-Zulieferer als Partner zu gewinnen. Doch die Hürde wurde mit einer Portion Einfallsreichtum genommen: Der Designer und Konstrukteur Brooks Stevens entwickelte eine Kombikarosserie, die von Zulieferern für Kühlschränke gebaut werden konnte. Im Gegensatz zu seinen robusten Brüdern vermittelt das Innere des Station Wagon einen geradezu herrschaftlichen Eindruck. Fast wähnt man sich als Chauffeuse, die eine Familie aus wohlhabendem Hause zum Dinner über Land in Richtung Nachbarfarm kutschiert. Groß genug dafür wäre der Station Wagon allemal: Mit zusätzlichem Klappsitz finden im Innenraum bis zu sieben Personen Platz.
Nur einige Meter entfernt parkt ein weiteres Jeep-Urgestein – der Wrangler. Nicht nur anhand der sieben senkrechten Kühlerschlitze auf den ersten Blick als Mitglied der Jeep-Familie erkennbar, läutete der Wrangler 1987 eine neue Epoche der 4x4-Fahrzeuge ein. Anders als seine Vorgänger aus der CJ-Serie versuchte er erstmals Geländegängigkeit mit dem Komfort eines Personenwagens zu verbinden. Zur Ausstattung ab Werk gehörten unter anderem Fünfgang-Schaltgetriebe, Bremsen mit Servounterstützung, Stofffaltdach sowie eine getönte Windschutzscheibe. Unterwegs fällt ein kleiner Pfeil in der Anzeige hinter dem Lenkrad ins Auge: Schon 1987 wurde der Fahrer elektronisch auf den richtigen Schaltzeitpunkt hingewiesen. Beim Ritt über Stock und Stein kommt das richtige Jeep-Gefühl auf, und der Wrangler zeigt, wofür die Marke bis heute steht: für mobile Abenteuer, bei denen Unwegsamkeit keine Grenze darstellt. Das gilt für die gesamte derzeitige Produktpalette: für die Einstiegsmodelle Compass und Patriot ebenso wie für den großen Bruder Grand Cherokee und natürlich auch für den Wrangler – ob nun in klassischer Ausführung oder in viertüriger Unlimited-Version.
In Utah geht derweil ein ereignisreicher Tag zu Ende. Zwar lautete der einstige Willys-Werbespruch „The Sun Never Sets on the Mighty Jeep“, wonach man – frei übersetzt – an Bord dieses Fahrzeugs immer auf der Sonnenseite sei. Aber die Sonne versinkt auch an diesem Abend eindrucksvoll hinter den roten Bergen.


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