Jens Lehmann Keine Verlängerung beim VfB
Marko Schumacher, vom 08.03.2010 12:33 Uhr
Stuttgart - Mit schwerem Gerät rücken heute die Bremer Gartenbauexperten im Weserstadion an. Den alten, holprigen Rasen werden sie herausreißen und durch ein sattes neues Grün ersetzen, topfeben, so wie Fußballspieler den Untergrund am liebsten haben. Für Jens Lehmann jedoch kommt die Maßnahme zu spät - er hätte sich gewünscht, "dass der Rasen schon am letzten Montag ausgetauscht worden wäre".
Dann nämlich, da ist sich der Torwart des VfB Stuttgart ganz sicher, hätte er beim 2:2 am Samstag nicht dieses Anschlusstor für Werder Bremen kassiert, das das Spiel urplötzlich in eine andere Richtung lenkte; und dann hätte seine Mannschaft vermutlich gewonnen. So aber ließ Lehmann, der zuvor und auch danach ein gewohnt souveräner Schlussmann war, den Flachschuss Hugo Almeidas passieren. "Es hört sich doof an", sagte Lehmann, aber er habe geglaubt, der Ball würde noch einmal aufspringen. Das tat er auf dem alten Rasen jedoch nicht und flutschte unter den Armen des Torhüters hindurch ins lange Eck. "Das war schlecht von mir", sagte der 40-Jährige, "den hätte ich halten können."
Offene Schuldeingeständnisse
Fehler von Lehmann sind selten - seltener sind so offene Schuldeingeständnisse. Und noch viel seltener kommt es vor, dass der Ehrgeizling zwischen den Pfosten, den wenig mehr aus der Fassung bringt als Gegentore, so ausgiebig Fragen beantwortet, wie er es nach dem Spiel in Bremen getan hat, bei dem er gleich zwei Stück bekommen hat.
In ungewohnt aufgeräumter Stimmung schritt er von Mikro zu Mikro, von Kamera zu Kamera, von Notizblock zu Notizblock - und jenseits seines Schuldeingeständnisses lautete die Botschaft ans Volk: Jens Lehmann ist bereit, doch noch ein Jährchen weiterzuspielen. Fußball, sagt er, "macht mir noch immer viel Spaß". Und so öffnet sie sich immer weiter, die Hintertür, die sich Lehmann offengehalten hat.
Ein Wechsel in die USA ist für Lehmann denkbar
Beim VfB, das ist so gut wie sicher, wird er seine Karriere jedoch nicht verlängern, auch nicht nach der Verletzung Sven Ulreichs, der bis zum Saisonende ausfällt. "Das schließe ich aus", sagt er. Es gefalle ihm in Stuttgart zwar sehr gut, doch wolle er Ulreich und Alexander Stolz nicht die Möglichkeit verbauen, in der nächsten Saison sein Nachfolger zu werden: "Das wäre ungerecht, sie freuen sich so darauf." Zudem mag er nicht mehr ständig zwischen dem Starnberger See und Stuttgart pendeln, "das ist sehr anstrengend".
Wahrscheinlicher ist daher, dass Lehmann noch einmal die ganze Familie einpackt und zu einem Umzug ins Ausland bewegt. Jedenfalls freundet er sich offenbar immer mehr mit der Idee an, sich mit 40 Jahren auf ein letztes Abenteuer als Fußballprofi einzulassen. Ein Wechsel in die USA wäre ein solches, dort sind verlässliche Torhüter sehr gefragt. "Man weiß nie, ob nicht etwas ganz Exotisches passiert", sagt Lehmann. Eine nochmaliges Gastspiel in der Premier League gilt in seinem Umfeld ebenfalls als denkbar - und böte einen großen Vorteil: die englischen Rasen gelten von jeher als die besten der Welt.