Jimi-Hendrix-Album Der Magier vervielfältigt sich

Jan Ulrich Welke, 16.03.2013 10:29 Uhr

Stuttgart - Vor ein paar Tagen griff die altehrwürdige britische BBC mal richtig daneben. Nach einem Nachrichtenbeitrag über Oscar Pistorius spielte der Sender ein paar Takte Musik und griff dabei ausgerechnet zu Jimi Hendrix’ Lied „Hey Joe“, dessen Text sich, nun ja, um einen Mann dreht, der mit der Knarre in der Hand seine Freundin erschießt. Die BBC musste sich hastig entschuldigen und gelobte brav mehr Sorgsamkeit.

Gab es so etwas nicht schon einmal?

Jimi Hendrix griff bekanntlich – jedenfalls auf dem Brett seiner Gitarre – selten daneben, wenngleich er jenseits der Bühne nicht gerade sorgsam mit sich umging. Der E-Gitarrist ist ein klassischer Vertreter des Fachs „schlampiges Genie“. Ob er deswegen auch den Überblick verloren hat, was er wann und warum aufgenommen hat, darf aber bezweifelt werden. Umso verblüffender, dass die Sony-Tochter Legacy das Album „People, Hell and Angels“ herausbringt, das zwölf bislang unveröffentlichte Stücke des Gitarrengotts bietet.

Denn gab es so etwas nicht schon einmal? Richtig! Vor exakt drei Jahren erschien das recht zweifelhafte Album „Valleys of Neptune“ mit ebenfalls zwölf vermeintlich ebenfalls zuvor unbekannten Hendrix-Songs. Es stellen sich somit die notorischen Fragen: Erscheint dieses Album nur aus erbfledderndem Marketingkalkül? Wäre diese Veröffentlichung im Sinne des Künstlers gewesen, der nicht nur wegen seines frühen Ablebens, sondern durchaus qualitätsbewusst ein sehr schmales Œuvre von nur drei Studioalben hinterlassen hat? Handelt es sich also nur um Fingerübungen, nicht zur Veröffentlichung bestimmtes zielloses Studiogejamme, Wegwerfmaterial gar?

Die Antwort fällt den ersten Höreindrücken nach nicht ganz so zweifelhaft aus wie bei „Valleys of Neptune“. Dies vor allem, weil „People, Hell and Angels“ eine editorische Lücke in der ansonsten bestens ausgeleuchteten Vita des Saitenmagiers schließt. Die jetzt vorliegenden Stücke stammen aus dem Interregnum zwischen dem Ende der Jimi Hendrix Experience und dem (durch Hendrix’ Tod bald beendeten) Neustart mit seiner Formation Band of Gypsys; die Band, mit der er diese Studioaufnahmen einspielte, ist jene sechsköpfige Truppe namens Gypsy Sun & Rainbows, mit der er auch seinen Auftritt in Woodstock absolvierte.

Als hartleibiger Fan wird man zugreifen müssen

Wer der treibende Kopf ist, müsste natürlich nicht auf dem Albumcover stehen. Unverkennbar in Sekundenschnelle, unikal und unerreicht ist Hendrix’ Stil auch vierzig Jahre nach seinem Tod noch immer. Das Wah-Wah-Pedal, die orgiastische Intensität fesseln nach wie vor, brillant hörbar etwa in der nun vorliegenden Version von „Somewhere“ mit Stephen Stills am Bass und Buddy Miles an den Drums.

Umgekehrt ist zum Beispiel das Stück „Somewhere“ schon auf drei posthum veröffentlichten Tonträgern veröffentlicht worden, dem Album „Crash Landing“ (von 1975!), der Doppel-CD „Axis outtakes“ und dem Box-Set „The Jimi Hendrix Anthology“. Und wenn man sich jetzt noch ins Gedächtnis ruft, dass der nun abermals publizierte Song „Hear my Train A comin’“ vom Plattenlabel frecherweise bereits vor drei Jahren auf „Valleys of Neptune“ als bisher unbekannte Novität verkauft wurde – dann könnte man dem Label fast schon Beutelschneiderei vorwerfen.

Aber als hartleibiger Fan des weltbesten E-Gitarristen aller Zeiten wird man bei diesem Album trotzdem zugreifen müssen.

 
 
Kommentare (3)
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MRZ
16
Hey Joe ( Ex - Rock-Musiker , Jahrgang 51 ), 19:32 Uhr

@Jögern von Pauli, 16:42 Uhr

,, Die ganzen Nachtodveröffentlichungen sind nicht von Jimi Hendrix zusammengestellt und authorisiert ' . Wie soll er auch ?! Mann , das ist mal eine schlaue Aussage. Was hat (Rock)Merchandising mit rebellisch zu tun ? Das Rock- Business war schon immer Kommerz , wie in anderen Musiksparten. Anmerkung zum Schluss : Ab Mitte der Neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde das Material unter Autorisierung der Hendrix Familie, die inzwischen die Rechte am Nachlass von Jimi Hendrix inne hatte, für die Veröffentlichung auf CD neu gemastert und zusammengestellt. Insbesondere das Album 'First Rays Of The New Rising Sun' soll defacto das 4. Studiumalbum darstellen, so wie es Hendrix selbst möglicherweise herausgebracht haben könnte. Das Album beinhaltet durchweg Material der Alben 'Cry of Love' und 'Rainbow Bridge'. Alle zuvor posthum erschienen Alben wurden statt dessen aus dem Katalog gelöscht. Ob man das als ,, Beutelschneiderrei ' bezeichnen kann wage ich zu bezweifeln. Wenn nach meinem Ableben meine Familie die Rechte an meinem leider nicht vorhandenen musikalischen Nachlass vermarkten wollte , wäre das absolut legitim . Die Hendrix-Familie macht nichts anderes. Was davor , kurz nach dem Ableben von Jimi in Sachen ,, Verramschung ' durch die Plattenfirmen und ,, Scheinauthorisierten ' gelaufen ist kann man als Ausverkauf , bzw. Beutelschneiderrei bezeichnen. im übrigen Rock & Roll definiert sich nicht durch Merchandising, er ist eine Lebenshaltung für alle die dem Spirit dieser Musik geneigt sind. In diesem Sinne ,, Long Live Rock 'n' Roll ' ( Rainbow )

MRZ
16
Jögern von Pauli, 16:42 Uhr

Zum Schlußsatz: Nein, man muß nicht zugreifen!

Die ganzen Nachtodveröffentlichungen sind nicht von Jimi Hendrix zusammengestellt und authorisiert, sondern dienen in der Tat vorwiegend der Beutelschneiderei. Der Rock´n´Roll wird ausverkauft: Heutzutage gibt es bereits Weinabfüllungen 'von' AC/DC-, Motörhead- oder Metallica.... daneben der ganze Plunder, den man auch als Lady Di-, Justin Bieber-, Til Schweiger-, VW Golf-, oder Hoffenheim-Devotionalium kriegt: Tassen, Seifen, Handtücher, Kerzen, Kerzenständer, Aschenbecher, Trinkbecher, Actionfiguren, Schlüsselanhänger, Gürtelschnallen, Socken, Unterhosen, Kugelschreiber, und und und.... jeder Ramsch, aus dem sich noch ein Cent rauspressen läßt, wird angeboten, natürlich alles als 'streng limitierte Sammlerauflage'. Wann kommt der erste Slayer-Staublappen? Das Rock-Merchandising ist mittlerweile so aufregend wie Briefmarkensammeln und so rebellisch wie ein Kaffekränzchen bei Oma Jensen. Und Jimi-Hendrix-Neuveröffentlichungen zählen dazu.

MRZ
16
Hey Joe, 13:07 Uhr

Der Magier wird vervielfältigt

Da gebe ich Ihnen recht. Der Hype um James Marshall „Jimi“ Hendrix ist ungebrochen, und das seit seinem Ableben am 18. September 1970. Einer aus dem Klub 27 neben Janis Joblin und Jim Morrison. Sie alle lebten nach dem Motto „Live Fast, Love Hard, Die Young“ . Für mich bleiben sie die besten Musiker ihrer Zeit und darüber hinaus. Schön das diese Musik konserviert ist. Sie wird mich bis zu meinem Ende begleiten. little wing lyrics : Now she's walking through the clouds With a circus mind That's running wild Butterflies and zebras And moonbeams and fairytales All she ever thinks about is riding with the wind... When I'm sad she comes to me With a thousand smiles She gives to me, free It's alright, it's alright' she says Take anything you want from me Anything Now she's walking through the clouds With a circus mind That's running wild Butterflies and zebras And moonbeams and fairytales All she ever thinks about is riding with the wind... When I'm sad she comes to me With a thousand smiles She gives to me free It's alright, it's alright' she says Take anything you want from me Anything