Rohleder beschreibt, was vermutlich viele heute Dreißig- bis Vierzigjährige selbst in ihrer Jugend in den achtziger und neunziger Jahren erlebt haben. Foto: Veranstalter
Stuttgart - Echterdingen ist überall. Und so könnte Jörg Harlan Rohleders Debütroman "Lokalhelden" auch in Hürth vor den Toren Kölns, in Oyten bei Bremen oder in Schwalbach bei Frankfurt spielen - also in den Speckgürteln deutscher Metropolen, in die zu ziehen junge Familien genötigt werden, weil in Städten wie Stuttgart die Ratsoberen zwar über jeden Bank- oder Versicherungsneubau jubilieren, es aber selbst bestens verdienenden sogenannten Dinks ("Double income no kids") unmöglich machen, simple Wohnwünsche wie ein frei stehendes Architektenhaus zu realisieren.
Aber das nur am Rande und auch nur, weil es den Eltern des Romanhelden namens Schmall vielleicht ganz ähnlich erging. So jedenfalls verbringt Schmall seine Jugend und auch die Jahre rund um das Abitur, von denen in "Lokalhelden" die Rede ist, in Echterdingen, im wohlbehüteten Herz der deutschen Mittelschicht, zusammen mit ein paar Kumpels, ein paar braven, ein paar frechen, ein paar strebsamen und ein paar scheiternden. Die Tage ziehen mal mehr, mal weniger actiongeladen in der Dorfdiscokneipe dahin, dem Kulminationspunkt des vorstädtischen Mikrokosmos - und mal auch in jener Tristesse, in der man die Abende mit der Clique an verwaisten Bushaltestellen vergammelt.
Erkennen Sie die Melodie?
Ganz so also, wie es vermutlich viele heute Dreißig- bis Vierzigjährige selbst in ihrer Jugend in den achtziger und neunziger Jahren erlebt haben. Der Wiedererkennungswert, die vielen Déjà-vus mit Erlebnissen aus der eigenen Adoleszenz, dem Jungsleben und den ganzen Erfahrungen, die man noch machen muss, mit (so der Klappentext) lauter "mehr oder minder bemitleidenswerten Figuren", die in ihrer Unbekümmertheit und Unreflektiertheit noch nicht wissen, wohin die Reise des Lebens sie führen wird - diese Dinge sind es, die "Lokalhelden" zur sehr amüsanten Lektüre machen. Mit einem guten Erzählflow wartet das Buch auf, munter weglesbar und flott durchgeschrieben vom Debütanten Jörg Harlan Rohleder.
Auf ein Bier in die Radio-Bar
Wer den Autor und sein Temperament kennt, ahnt auch, dass es von ihm einfach flott heruntergeschrieben werden musste. Er kann nicht anders. Rohleder, Jahrgang 1976, arbeitete nach seinem Studium für "Vanity Fair", MTV und "Focus", seit kurzem ist er stellvertretender Chefredakteur des "Musikexpress", und natürlich stammt er aus jenem Ort, den er hier beschreibt. Die autobiografischen Einflüsse dürften eher gegen hundert denn gegen null Prozent tendieren, was dem (leider nicht gewissenhaft lektorierten) Roman "Authentizität" verleiht. Zusammen mit dem gerüttelt Maß an Lokalkolorit - es gibt Rendezvous mit längst zu den Akten gelegten Stuttgarter Institutionen wie der Lerche oder der Radio-Bar - dürften somit auch all jene Leser Spaß an den "Lokalhelden" haben, die nicht in Leinfelden, sondern etwa in Hebsack groß geworden sind.
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