Krimikolumne

John Grisham: Das Original Räuberpistole aus dem La La Land

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Der neue Roman von John Grisham heißt das „Das Original“ und wird seine Fans erneut glücklich machen – ohne sie allerdings vom Hocker zu reißen.

Grishams neuer Thriller spielt hauptsächlich in Florida. Foto: Lukas Jenkner
Grishams neuer Thriller spielt hauptsächlich in Florida. Foto: Lukas Jenkner

Florida - Aus der Princeton Universität werden in einer generalstabsmäßig geplanten und Aufsehen erregenden Aktion die handschriftlichen Originalmanuskripte des US-Schriftstellers F. Scott Fitzgerald geraubt. Darunter sind so klangvolle Titel wie „Der große Gatsby“ und „Der letzte Taikun“, Denkmäler aus dem Olymp der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Theoretisch sind die Schriften unbezahlbar, praktisch sind sie mit einem Vermögen versichert.

Entsprechend groß ist die Aufregung und noch größer die Freude, als ziemlich bald die ersten Täter dingfest gemacht werden können. Doch die Manuskripte und einer der Täter bleiben verschwunden. Um nicht auf einer Millionensumme sitzen zu bleiben, schalten Versicherung und Universitätsleitung eine private Detektei ein. Deren Nachforschungen führen zum Buchhändler Bruce Cable, der auf Camino Island in Florida einen gut gehenden Laden betreibt und in der Literaturszene bestens vernetzt ist.

Um dem undurchsichtigen Bruce Cable auf die Pelle zu rücken, engagiert die Detektei einen Lockvogel: Die junge Autorin Mercer Mann soll sich gegen ein üppiges Salär an den Buchhändler heranmachen und bestenfalls die womöglich bei Cable versteckten Manuskripte ausfindig machen. Doch bei dem Versteckspiel zeigt sich der Buchhändler gewitzter als erwartet.

Eitelkeiten, Eifersüchteleien und Erotik

John Grishams neuer Thriller „Das Original“ führt in die Welt der kostbaren Antiquitäten der Literatur und zugleich in die amerikanische Autorenszene, die Grisham als kleine, geschlossene Welt auf einer Insel an der Küste von Florida gestaltet. Da prallen Eitelkeiten, Eifersüchteleien und Erotik aufeinander, und mitten im Getümmel bewegt sich als souveräner Zeremonienmeister Bruce Cable nebst seiner französischstämmigen Lebensgefährtin Noelle.

Grisham schildert einerseits den Kriminalfall um die gestohlenen Manuskripte und andererseits die Dramen rund um die erfolgreichen bis verkrachten Schriftsteller, die sich in Cables Buchhandlung ein Stelldichein geben, gekonnt flott, humorvoll und gelegentlich auch spannend. Aber so richtig zünden will „Das Original“ nicht. Es fehlen die überraschenden Wendungen, die den Thriller aus dem Einerlei abheben, und wenn die letzte Seite umgeschlagen ist, hat der Leser keinen schlechten Krimi gelesen, aber auch keinen wirklich guten.

Auch wenn Menschen verletzt werden und sterben, haftet dem „Original“ eine gewisse Harmlosigkeit in der Schilderung an. Am besten wäre er wohl mit Ryan Gosling und Emma Stone verfilmt. Das hat ja in La La Land schon gut geklappt und mit ein bisschen Verve könnte daraus eine unterhaltsame Gaunerkomödie werden – die man aber wohl bald wieder vergessen hat.

John Grisham: Das Original. Roman. Heyne Verlag München 2017. Gebunden mit Schutzumschlag, 368 Seiten, 19,99 Euro. Auch als E-Book, 15,99 Euro, und Hörbuch, 21,95 Euro.