Jubiläum des Stuttgarter Vereins aed Architektur, Engineering, Design

Von Dietrich Heißenbüttel 

Den Stuttgarter Verein aed gibt es seit zehn Jahren. Was soll die Zukunft bringen? Silvia Olp, die stellvertretende Vorsitzende, träumt von einem Haus der Gestaltung.

Mit einer Ausstellung im Württembergischen Kunstverein fing alles an. Foto: Michael Steinert
Mit einer Ausstellung im Württembergischen Kunstverein fing alles an. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Der hohe Grad an hochkarätigen, mit Awards dotierten Gestaltern, die hier leben, ist vielen Stuttgartern nun mal nicht klar“, sagt Silvia Olp, die stellvertretende Vorsitzende des vor zehn Jahren gegründeten Vereins aed. Was in den Bereichen Architektur, Engineering, Design – so der Name ausgeschrieben – geleistet wird, einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen: dies ist das Ziel des im Dezember 2004 von Werner Sobek und Mitstreitern ins Leben gerufenen Vereins. Sobek selbst ist auf allen drei Gebieten tätig und kennt daher genau jene Bereiche, wo diese sich überschneiden und wechsel­seitig befruchten können. Mit einer Ausstellung im Württembergischen Kunstverein fing alles an. Im Mittelpunkt stand die damals noch umstrittene Fildermesse, deren Bau später im selben Jahr begonnen wurde. Es folgten zwei Diskussionsveranstaltungen im neu eröffneten Kunst­museum und eine Ausstellung im Alten Schloss zu den Ergebnissen des Wett­bewerbs „Neuland“ für junge Designer.

Damit ist das Feld der Aktivitäten von aed ungefähr abgesteckt: Ausstellungen und Veranstaltungen an wechselnden Orten, in Zusammenarbeit mit vielen der wichtigsten Institutionen und Unternehmen der Stadt; Thematisierung verschiedenster aktueller Bereiche der Gestaltung; und der Design-Wettbewerb, ausgeschrieben für Teilnehmer bis 28 Jahre.

Auch der Nachwuchs wird gefördert

Auch der Nachwuchs wird gefördert

Dieser hatte eine etwas wechselhafte Geschichte. Ursprünglich richtete er sich nur an Studenten der Design-Hochschulen des Landes, die hier in Stuttgart, Schwäbisch Gmünd, Pforzheim, Karlsruhe und anderen Orten in sehr hoher Dichte vertreten sind. In den folgenden Jahren, 2006 und 2007, stiftete das Design-Unternehmen Pininfarina den Preis. 2013 hat dann die Karl Schlecht Stiftung den Neuland-Wettbewerb wiederbelebt, der nun regelmäßig alle zwei Jahre ausgeschrieben wird. Es sind nicht in erster Linie die Preise – je 2000 Euro in fünf Kategorien –, die den Wettbewerb interessant machen, vielmehr die große Aufmerksamkeit, die den 25 Erstplatzierten zuteil wird. Außer in Stuttgart war die Ausstellung der Gewinner von 2013 auch noch in Frankfurt, Düsseldorf, Basel, Berlin, Wien, Leipzig und München zu sehen. Die nächste Runde ist ausgeschrieben. Einsendeschluss ist der 31. März 2015, am 25. Juni ist Preisverleihung.

Ausstellungsgestalter wie HG Merz, Atelier Brückner oder Jangled Nerves, Gartenarchitekten wie Christof Luz, Brückenbauer wie Schlaich Bergermann und Partner – solche auf ihren Gebieten heraus­ragenden Gestalter sind unter den 400 Mitgliedern des Vereins vertreten, aber zugleich auch Thema seiner Veranstaltungen. Denn von selbst werden sie nicht immer wahrgenommen. Man besucht eine Ausstellung, weil man sich für das Thema, die Objekte interessiert, nicht unbedingt für die Gestaltung der Ausstellung. Zudem operieren Büros wie Merz, Brückner oder Schlaich nicht nur in der Region, sondern weltweit. Mode, Farben, Erinnerungsorte, Schulen in Burkina Faso, Smart Homes, Fußballstadien, das Buch, Baubiologie, der Umbau des Wilhelmspalais zum Stadt­museum und die Ökonomie des Teilens: dies waren einige der Themen, die aed in den Veranstaltungen des abgelaufenen Jahres angesprochen hat.

Ein Haus der Gestaltung wäre schön

Ein Haus der Gestaltung wäre schön

Wie soll es in Zukunft weiter gehen? Silvia Olp hat einen Traum: ein Haus der Gestaltung. Sicher, es gibt das Design Center im Haus der Wirtschaft, ein Instrument des Landes zur Wirtschaftsförderung. Es gibt eine Sammlung zur Industriegeschichte im Landesmuseum. Olp sucht aber Unabhängigkeit, um neue Themen ansprechen zu können. Eine eigene Sammlung anzulegen, könnte sie sich durchaus vorstellen. Aber beim Gedanken an ein „Museum“ wird ihr unbehaglich. Sie sucht ein „lebendiges Gestaltungshaus“, um Ideen und Themen anzusprechen. Im Sinn hat sie etwa die Welt der Kinder; die Frage, wie wir in hundert Jahren leben werden; ein „Szenario der Zukunft“. Zu diesem Zweck sucht sie nach Partnern, vorwiegend unter den Unternehmen in der Region, die alle von der Arbeit der guten Gestaltungsbüros profitieren und in der Lage wären, das Projekt zusammen mit der Karl Schlecht Stiftung zu finanzieren. Eine Investition, die sich lohnen könnte. Die Veranstaltungen von aed sind fast immer ausgebucht. Sie sind eine Plattform der Begegnung, des Austauschs, der Präsentation und, ja – auch das, ein Ort, um neue Ideen zum Keimen zu bringen.