Jüdische Kulturwochen in Stuttgart Einzigartiger Humor kommt auch zu Wort

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„Neue Hoffnung schöpfen“ lautet das Motto der zwölften jüdischen Kulturwochen, die traditionell im Herbst stattfinden. Die israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg lädt zu 35 Veranstaltungen ein.

In den 30er Jahren beginnt die Gruppenauswanderung von Juden aus dem Schwarzwalddorf Rexingen nach Palästina, die das Schwabendorf Shavei Zion gründen. Foto: Archiv 5 Bilder
In den 30er Jahren beginnt die Gruppenauswanderung von Juden aus dem Schwarzwalddorf Rexingen nach Palästina, die das Schwabendorf Shavei Zion gründen. Foto: Archiv

Stuttgart - Neue Hoffnung schöpfen“ lautet das Motto der zwölften jüdischen Kulturwochen, die traditionell im Herbst stattfinden. Die Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) lädt für den 1. bis 15. November zu 35 Veranstaltungen und Ausstellungen ein. Zum Auftakt am 2. November hält der Erziehungswissenschaftler und Publizist Micha Brumlik seinen Einführungsvortrag über 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel mit dem Titel „Vom Wert der Freundschaft“ (Rathaus, 19 Uhr). Aber auch der besondere jüdische Humor ist zu erleben. Ernst Konarek und Ernst Kies führen in ihrem Programm „Die Tante Jolesch oder: Also so war das nicht!“ mit allerlei witzigen Anekdoten von Friedrich Torberg in die Welt der Sonderlinge und Originale (4. November).

Marianne Sägebrecht liest Texte von Hilde Domin

Zum Gedenken an die 1938 beginnende Gruppenauswanderung von Juden aus dem Schwarzwalddorf Rexingen nach Palästina ist im Rathaus eine Ausstellung über das Schwabendorf Shavei Zion zu sehen. Zur Eröffnung lesen Schüler der Waldorfschule am Kräherwald aus dem Notizbuch von Manfred Scheuer über die ersten Monate in dem Dorf (5. November, 17.30 Uhr). Im Eberhard-Ludwigs-Gymnasium (Ebelu) wird die Verfilmung der Erzählung von Fred Uhlmann „Der wiedergefundene Freund“ gezeigt (11. November, 18 Uhr). Er zeigt, wie die Freundschaft zwischen zwei 16-jährigen Jungs durch den Nationalsozialismus auseinandergerissen wird. Uhlmann selbst war zu Beginn des 20. Jahrhunderts Schüler am Ebelu. Zu den Höhepunkten der Kulturwochen gehört die Matinee mit der Schauspielerin Marianne Sägebrecht, die Texte von Hilde Domin liest (8. November), und das Synagogenkonzert (15. November) mit dem Frankfurter Westend-Synagogenchor. Ein Schwerpunkt ist dem Religionsphilosophen Martin Buber gewidmet. So liest unter anderem der Kurator der Kulturwochen, Joel Berger, aus den „Erzählungen der Chassidim“ (15. November, 11 Uhr).

Die jüdischen Kulturwochen gewinnen alljährlich ein größeres Publikum. 2014 kamen 4500 Besucher, 1000 mehr als im Vorjahr. Barbara Traub, die Sprecherin der IRGW, beobachtet allerdings, dass sich das Interesse stark auf die traditionelle jüdische Kultur konzentriert. „Bei der zeitgenössischen Kultur ist es etwas schwierig“, bedauert sie. Zu allen Veranstaltungen sollte aus Sicherheitsgründen der Personalausweis mitgebracht werden.