Jüdischer Einfallsreichtum, deutsche Zähigkeit

Von "Kornwestheim und Kreis Ludwigsburg" 

Kornwestheim Die Ausstellung "Von Jakob Sigle & Cie. zur Marke Salamander" ist eröffnet worden. Von Werner Waldner

Kornwestheim Die Ausstellung "Von Jakob Sigle & Cie. zur Marke Salamander" ist eröffnet worden. Von Werner Waldner

Das hat sich Prof. Bernhard Epstein, Leiter der Opernschule bei der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart, vermutlich auch nicht träumen lassen, dass er es noch einmal mit der Firma Salamander zu tun bekommt. Sein Großvater Oskar Epstein arbeitete als Maschinenmeister bei Salamander, sein Vater Roland schaffte es bis zum Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Sohn Bernhard schlug andere - künstlerische - Wege ein und gestaltete am Samstagabend die Eröffnung der Ausstellung "Von J. Sigle & Cie. zur Marke Salamander" zusammen mit Sopranistin Juliette Vargas und Bariton Junhyog Jung am Klavier musikalisch. Sieht man einmal von einer Mozartarie ab, dann war es Musik aus der Zeit, in der Jakob Sigle in Kornwestheim wirkte, in der er aus einem kleinen Schuhmacherbetrieb ein führendes Unternehmen der Schuhindustrie machte.

Galerieleiterin Dr. Irmgard Sedler und Oberbürgermeisterin Ursula Keck ließen in ihren Ansprachen zur Ausstellungseröffnung diese Jahre noch einmal lebendig werden. Es sei eine Zeit gewesen, so Sedler, "deren Puls auf Beschleunigung eingestellt war und die Menschen mitriss in ihrem Glauben an den gesellschaftlichen Fortschritt im Zeichen von Maschine und Technik". Sie wandten sich nicht nur der Person Jakob Sigle zu (Keck: "Seine Herkunft ließ nicht erahnen, was sich daraus entwickeln sollte."), sondern rückten Max Levi und Rudolf Moos ebenso ins Scheinwerferlicht. Sedler zitierte in ihrer Rede aus den Lebenserinnerungen von Rudolf Moos, dem Erfinder des Namens und der Marke Salamander: "Max Levi war tatsächlich die treibende Kraft hinter dem phänomenalen Erfolg der Fabrik. Ohne ihn wäre sie niemals so wichtig geworden. Auf der anderen Seite muss man zugeben, dass die Fähigkeiten der Sigle-Brüder entscheidend für den Erfolg des Geschäftes waren. Dies war der große Vorteil der Firma: Jüdischer Einfallsreichtum, Genialität und Geschäftsbeziehungen wurden verbunden mit alter deutscher Zähigkeit und Ausdauer."

Über das Trio Sigle/Levi/Moos sagte Galerieleiterin Irmgard Sedler: "Der erfahrene, weltgewandte Levi brachte sein Geld in Sigles Unternehmen ein und zog in Berlin mit Rudolf Moos eine Verkaufsorganisation auf, wie man sie sich in Kornwestheim nicht hatte vorstellen können - feststehende Niedrigpreise für beste Schuhqualität, Einkauf in anspruchvollstem Ladenambiente und ein über die Grenzen Deutschlands hinausreichendes Netzwerk an Filialen und vergebenen Alleinverkäuferrechten." Und noch einmal zitierte Sedler aus den Erinnerungen von Rudolf Moos an dessen ersten Zusammentreffen mit Levi: "Als er mir seine Muster (aus Kornwestheim) zeigte, sagte ich ihm, dass diese Schuhe für Bauern und die ländliche Bevölkerung wären, aber nicht für Menschen in der Großstadt und den Berliner Markt. Er hörte ruhig zu und sagte: ,Sie haben vielleicht Recht, aber warten Sie ab. Im nächsten Jahr werde ich zurückkehren und Sie werden Ihre Meinung ändern. Und wirklich: Es war so."

Was die Entwicklung von Salamander für die Stadt Kornwestheim bedeutete, das listete die Oberbürgermeisterin in ihrer Rede auf. Die Stadtgeschichte, so Keck, sei unverkennbar mit der Industrialisierung verbunden. Es habe sich in Kornwestheim nicht nur eine Arbeiterschicht mit den entsprechenden Wohnsiedlungen gebildet, es habe sich auch das Bürgertum etabliert mit den typischen Statussymbolen - Villen, Autos und Personal. Der Reichtum sei stolz präsentiert worden.

Zur Ausstellungseröffnung waren auch Nachfahren von Jakob Sigle in den Josef-Kleihues-Bau gekommen, ebenso ehemalige Salamander-Beschäftigte. So schaute sich auch Roland Epstein, der 1950 als Modellier bei Salamander angefangen hat und es bis zum Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung gebracht hat, die Ausstellung zur Wirtschafts- und Industriegeschichte an - und lauschte dem Klavierspiel seines Sohnes und dem Gesang von dessen Schülern. siehe Kommentar

Info Die Ausstellung "Von Jakob Sigle & Cie. zur Marke Salamander" im Josef-Kleihues-Bau, Stuttgarter Straße, ist freitags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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