Stuttgart-Sillenbuch - Rolf Graf packt Peterle an den Hörnern, rangelt mit ihm und zupft an seinem Bärtchen. Dann tätschelt er dem imposanten Ziegenbock den Kopf, der das sichtlich genießt. „Peterle ist das einzige Tier, das auf der Jugendfarm nicht frei herumlaufen darf“, sagt der Vorsitzende ebenjener Farm, „er ist doch etwas groß geraten“. Ansonsten dürfen alle Tiere auf der Jugendfarm ihre Ställe verlassen, die Ponys, die Schafe, die Kaninchen, die Enten und auch der neuste Zuwachs, das Puschelhuhn. Dieses sieht genau so aus, wie sein Name klingt: weich und flauschig wie ein Kuscheltier. Die anderen Hühner mögen es nicht besonders, doch die Enten haben es bei sich aufgenommen.
„Die Jugendfarm ist quasi ein betreuter Spielplatz“, erklärt Jörg Denkhut. Der Sozialpädagoge ist seit 31 Jahren als hauptamtlicher Mitarbeiter am Furtäcker in Riedenberg tätig. „Die Kinder zwischen sechs und 14 Jahren kommen am Nachmittag und können entweder frei spielen oder an betreuten Gruppenangeboten teilnehmen, wie Reiten, Tanzen oder Handarbeiten“, beschreibt Denkhut weiter das Konzept. Die Kinder entwickeln auf der Farm einen Bezug zu Tieren, zur Natur aber auch zueinander. Das soziale Zusammenleben wird sehr groß geschrieben.
„Doch nicht nur Schüler sind willkommen“, erzählt der Vereinsvorsitzende Graf. Es kommen ganze Klassen, Kindergärten, aber auch viele Eltern mit kleineren Kindern. „Im Sommer ist hier wirklich ein riesen Rummel“, erzählt Denkhut. Im Winter sind die Beziehungen intensiver, da nicht bis zu 70 Kinder täglich kommen, sondern meist nicht mehr als 20. So wie an diesem bitterkalten Nachmittag im Februar. Eine Mitarbeiterin der Jugendfarm versucht draußen, das Lagerfeuer am brennen zu halten – sie will mit den Kindern Stockbrot backen. Im Haus wärmt sich währenddessen eine Hand voll Mädchen und Buben bei Tee am Ofen auf.
130 feste Mitglieder zählt der Verein derzeit
Reibungslos funktionieren kann der Ablauf auf der Jugendfarm nur durch die viele ehrenamtliche Hilfe, erzählt Rolf Graf, der schon rund 15 Jahre den Vorsitz des Vereins innehat. „Wir haben immer wieder Praktikanten, Eltern helfen uns, und ehemalige Farmkinder füttern die Tiere am Wochenende, wenn wir nicht geöffnet haben.“ Auch Futter- und Geldspenden unterstützen die Farm. Mitgliedsbeiträge gibt es auch. Die 40 Euro pro Familie pro Jahr sind aber nicht verpflichtend. „Wenn Kinder oft kommen und an einer regelmäßigen Gruppenaktivität teilnehmen, sollten sie jedoch Vereinsmitglied werden, allein wegen der Versicherung“, sagt Sozialpädagoge Denkhut. 130 feste Mitglieder zählt der Verein derzeit.
Noch hat der Frost die Jugendfarm fest im Griff. Sogar Ziegenbock Peterle hat sich einen hartnäckigen Schnupfen geholt. Sobald der Frühling da und der Sandkasten wieder aufgetaut ist, kehrt aber wieder Trubel und Leben auf der Jugendfarm ein.
Anschrift: Furtäcker 30, 70619 Stuttgart Telefon: 47 24 69 Mail: info@jugendfarm-riedenberg.de Homepage: www.jugendfarm-riedenberg.de Vorsitzender: Rolf Graf Gründungsjahr: 1973 Mitgliederzahl: 130
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