Jugendhaus in Stuttgart-Heslach Perspektiven im Provisorium

Von Christoph Kutzer 

Das Jugendhaus Heslach hat seine Interimsräume in der Finkenstraße geöffnet. Die Umstellung ist immens, bietet aber auch viele Chancen.

Die neue Räume eröffnen neue Möglichkeiten, meint Foto: Christoph Kutzer
Die neue Räume eröffnen neue Möglichkeiten, meint Foto: Christoph Kutzer

S-Süd -

Die Finkenstraße 3 sähe aus wie ein beliebiges Wohnhaus im Stuttgarter Süden, wäre da nicht ein kleiner Schaukasten, der darauf hinweist, dass sich im Erdgeschoss seit dem 11. September das Jugendhaus Heslach befindet. Zwei Querstraßen vom alten Standort entfernt, verbleibt die Einrichtung im Zentrum des Stadtteils. „Es war uns sehr wichtig, dass wir nicht an die Peripherie des Quartiers verschwinden“, sagt Hausherr Martin Wiltschek. „Vielleicht werden wir auf eine Art sogar sichtbarer werden, als bisher.“ Die Grundfläche des Interimsstandorts misst nur etwa ein Drittel des verfügbaren Raumes im bisherigen, zum Abriss freigegebenen Gebäude, das man mehr als 50 Jahre lang nutzen konnte. „Wenn es voll wird, werden wir verstärkt auch Angebote außerhalb des Hauses anbieten müssen“, überlegt Wiltschek. „Es gibt Pläne, sich am Weihnachtsmarkt auf dem Marienplatz zu beteiligen. Im Sommer bieten sich Freibadbesuche an oder spontane Aktionen, wie Grillabende im Hof. Wir wollen uns mit unserer Arbeit jedenfalls definitiv nicht verstecken.“

Jetzt gibt es immerhin einen Garten

Von zentraler Bedeutung ist zunächst allerdings erst einmal, dass die Besucher des Jugendhauses und die Anlieger zu einem einvernehmlichen Miteinander finden. „Wir haben in unserem Aushang absichtlich nicht dazu aufgerufen, dass sich Nachbarn, die sich gestört fühlen, beschweren können. Vielmehr laden wir ein, sich ein eigenes Bild von unserer Arbeit zu machen“, umreißt der Jugendhausleiter die Taktik. „Wir wollen niemandem den Floh ins Ohr setzen, dass es Probleme geben könnte.“ Im Gegenteil: Die übrigen Mieter der Finkenstraße 3 sollen die Jugend als Bereicherung wahrnehmen. So war man kürzlich einer älteren Dame behilflich, ihren Sperrmüll an die Straße zu schaffen. Ein anderer Anwohner holte sich Rat für seinen Computer. So zeigt Wiltschek sich optimistisch.„Ich sehe gute Chancen, dass alle von der Zeit hier in den Räumen der evangelischen Kirche profitieren werden.“ Einerseits wird man aufgrund der verringerten Fläche viele Angebote nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr machen können. Andererseits bietet die Zwischenlösung neue Möglichkeiten. Voraussichtlich werden die Jugendlichen den Außenbereich im Innenhof, der derzeit zum ungehemmten Wildwuchs neigt, nach ihren Vorstellungen gestalten und pflegen können.

Diese Räume bedingen mehr Offenheit

Auch das Zusammenwirken von Mitarbeitern und Klientel wird sich unweigerlich wandeln. „Am bisherigen Standort hatten wir eine Theke und die Jugendhausbesucher wurden bedient“, sagt Martin Wiltschek, der seit zehn Jahren in Heslach tätig ist. „Hier haben wir nun einen zentralen Bereich, der eher dazu einlädt gemeinschaftlich beisammen zu sitzen. Die Aufteilung der einstigen Büroräume bedingt mehr Offenheit. Das heißt auch, dass die Jugendlichen mehr Eigenverantwortung übernehmen müssen und dürfen. Das könnte zum Grundstein für ein neues Gemeinschaftsgefühl werden. Gut möglich, dass wir hier noch leichter in Gespräch kommen als bisher.“ Die Zeitspanne, bis das neue Jugendhaus mit integrierter Stadtteilbücherei fertig sein wird, ist in seinen Augen ideal: „Zwei Jahre sind für junge Menschen vergleichsweise lang. Es lohnt, sich jetzt erst einmal Gedanken über ein Konzept für diese Zeit zu machen. In einem Jahr können wir dann anfangen, uns mit der Zukunft im Neubau zu befassen.

Ein Plakat an der Wand erinnert an den Abschied von der früheren Anlaufstelle für die Heslacher Jugend. „Ich vermisse das Jugendhaus schon jetzt“, steht da, oder: „Jeder Anfang braucht ein Ende.“ Nachdem es gelungen ist, im Anschluss an die Sommerpause direkt an die bisherige Arbeit anzuknüpfen, deutet alles darauf hin, dass die Jugendarbeit im Süden nahtlos weiter läuft. „Wir sehen den Umzug als Herausforderung und als Chance“, so Wiltschek. „Wir werden jetzt einiges ausprobieren. Wir sind offen für Ideen und Vorschläge und ich bin überzeugt, dass sich diese Erfahrungen auch längerfristig positiv auswirken werden.“

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