
Sophia Jaimes-Ramos hat eine argentinische Mutter und einen Vater aus Mexiko. Die 16-jährige Gymnasiastin wurde in Minnesota geboren und hat zehn Jahre lang in dem US-Bundesstaat gelebt. Seit 2006 wohnt sie im Murrtal. Mit ihrer Mutter Miriam Ramos-Warth ist das Mädchen damals nach Oppenweiler-Reichenbach zu Dieter Warth gezogen, dem neuen Mann der Mama.
Kürzlich hat ein Lehrer des Backnanger Max-Born-Gymnasiums Sophia den Ritterschlag erteilt: Der Pädagoge erklärte seiner Schülerin, dass sie nun auch "mental angekommen" sei in Schwaben. Denn Deutsch und Schwäbisch spricht sie längst nahezu perfekt. Aufgewachsen ist das Mädchen bilingual - mit Englisch und Spanisch. Weit herumgekommen sei sie schon, sagt Sophia und strahlt über das ganze Gesicht. Schon 25 Länder hat sie gesehen. Jetzt kommt das 26. hinzu: Ende Januar vertritt die Weltbürgerin Deutschland bei der Debating-WM der Schüler im südafrikanischen Kapstadt.
Sie ist das jüngste Mitglied im fünfköpfigen Team Deutschland. Die Meisterschaften beginnen am 17. Januar, dann messen sich 48 Mannschaften aus aller Welt in Rededuellen auf Englisch. Die Schüler fliegen schon ein paar Tage vorher ans Kap, sie wollen Land und Leute kennenlernen.
Einige der Themen, über die sie bei sengender Sonne im südafrikanischen Sommer hitzig diskutieren werden, stehen bereits fest. Andere Aufgaben bekommen die Teilnehmern erst kurz vor der Debatte gestellt, dann haben sie eine Stunde Zeit, sich vorzubereiten. Dazu dürfe das Internet nicht verwendet werden, berichtet Sophia. Oft geht es in den Debatten um aktuelle politische und wirtschaftliche Ereignisse. Konkret vorbereitet hat sich das Team Deutschland diesmal beispielsweise auf diese Frage, ob die Frauenbewegung eine Verbot von Pornografie fordern sollte.
Klar, Sophia hat gegenüber anderen Schülern aus Deutschland einen Vorteil, sie spricht schon immer perfekt Englisch. Bei der Meisterschaft auf der Südhalbkugel wird ihre Leistung aber so bewertet, wie die von anderen Muttersprachlern. Gutes Englisch sei lediglich die Grundvoraussetzung, um an einem hochkarätigen Debating-Wettbewerb teilzunehmen, sagt die Zehntklässlerin. "Alle sprechen perfekt." Bewertet würden die Strategie der Redner, die Inhalte sowie die rhetorischen Fähigkeiten der Teilnehmer.
Sophia lernt ganz offenkundig schnell, nicht bloß Sprachen. Als sie vor knapp sechs Jahren in Deutschland ankam, verstand sie kaum ein Wort. Die Hauptschulklasse, die Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen besuchen, hat sie bereits nach zwei Monaten wieder verlassen. Die folgenden Monate auf dem Gymnasium waren nicht einfach, doch Sophia hat sich durchgebissen, sie wurde mit dem Notendurchschnitt 2,4 von Klasse fünf in Klasse sechs versetzt. Ohne die Unterstützung ihrer Mutter, die als Spanischlehrerin arbeitet, "hätte ich es nicht geschafft", sagt die Gymnasiastin im Rückblick.
Im Backnanger Gymnasium sei sie von den Mitschülern mit offenen Armen empfangen worden, viele waren begeistert, dass sie nun eine Klassenkameradin aus den Vereinigten Staaten haben. "Wenn ich aus der Türkei gekommen wäre, dann wäre das bestimmt ganz anders gelaufen." In der Debating-AG mischt Sophia schon seit gut fünf Jahren mit, mittlerweile leitet sie die Gruppe der jüngsten Debattierer. Seit ein paar Monaten bereitet sich das Team Deutschland auf die WM vor. Die anderen Mitglieder wohnen in Schwäbisch Gmünd, Frankfurt am Main und in Dresden. Sie trainieren mit Hilfe des kostenlosen Videotelefondienstes Skype.
Währende der zwei Wochen in Südafrika versäumt Sophia daheim in Backnang den Unterricht. Kein Problem? Wird schon klappen, sagt die schwäbische US-Amerikanerin mit den südamerikanischen Wurzeln. Demnächst, wenn das internationale Debating-Spektakel in Kapstadt vorüber ist, geht sie für drei Monate zum Schüleraustausch nach Italien.
Informationen zum Team Deutschland
http://teamgermanywsdc.org


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